Vorne ohne Doktormacher verliert seinen Doktortitel

Bis vor zwei Jahren war Martin D. ein windiger Promotionsberater mit Dr. vor dem Namen - jetzt ist er nur noch Herr D. ohne höhere akademische Würden und wegen Bestechung verurteilt. Die Bonner Uni erkannte ihm seinen Doktorgrad ab, den er für Straftaten missbraucht hatte.

"Promotionsberater" Martin D. (2008 vor dem Landgericht Hildesheim): Er war mal Doktor
dpa

"Promotionsberater" Martin D. (2008 vor dem Landgericht Hildesheim): Er war mal Doktor


Viele Jahre lang hatte er als Promotionsberater mit der Vermittlung windiger Promotionen anderer sein Geld verdient - jetzt ist "Doktormacher" Martin D. selbst seinen Titel los. Die Philosophische Fakultät der Universität Bonn teilte mit, die Uni entziehe D. den Doktorgrad, weil er seinen Titel "für kriminelle Machenschaften benutzt" habe.

D. war 2008 wegen Bestechung in 61 Fällen zu dreieinhalb Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Er war seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer des "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach, das Hochschulexperten schon mindestens seit den achtziger Jahren sattsam einschlägig bekannt ist. Das Institut vermittelte promotionswilligen Kunden gegen Zahlung von fünfstelligen Euro-Beträgen Doktorväter aus ganz Deutschland und bezahlte die Professoren für die Annahme der Doktoranden. Dabei habe D. "seinen Doktorgrad eingesetzt, um seine Kunden Seriosität zu signalisieren", so Günther Schulz, Dekan der Philosophischen Fakultät.

Die dreisten Promotionsbetrüger lösten ein kleines Erdbeben an den deutschen Universitäten aus. Entzogen werden konnte D. der Titel nun auf Basis der Bonner Promotionsordnung. Darin heißt es klar und deutlich: "Der Grad kann entzogen werden, wenn der Promovierte wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist oder wenn er wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt worden ist, bei deren Vorbereitung oder Begehung der Doktorgrad eingesetzt wurde."

D. sieht nicht ein, warum er den Titel verlieren soll

Nordrhein-Westfalen erlaubt seinen Universitäten, die Aberkennung eines Doktortitels in ihren Promotionsordnungen selbst zu regeln. In anderen Bundesländern und wenn keine eindeutige Straftat zugrunde liegt, ist die Aberkennung deutlich schwieriger. So versucht die Uni Hannover beinahe schon verzweifelt, einige Promovierte, die ihre Titel mit Hilfe des gefallenen "Promotionsberaters" D. erhalten hatte, loszuwerden.

Die Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät Bonn erleichtert dagegen das Vorgehen gegen Doktorspiele. Verurteilt worden war Martin D. aber bereits im Juli 2008. Warum dauerte es dann fast zwei Jahre, bis ihm der Doktorgrad entzogen wurde? Die Erklärung der Fakultät ist einleuchtend: Rechtskräftig wurde das Urteil erst im Mai 2009. Und das Verfahren sieht mehrere Schritte vor; unter anderem sei "dem Doktoranden vor einer Entscheidung Gelegenheit zur Äußerung zu geben".

Ein Fakultätsmitglied, das am dem Verfahren zur Titelaberkennung indirekt beteiligt war, sagte SPIEGEL ONLINE, D. habe sich in einem Brief geäußert und nicht einsehen wollen, warum er seinen Titel verlieren solle. In Bonn habe man die Machenschaften der Bergisch Gladbacher Promotionsberater und auch das Verfahren gegen D. gespannt verfolgt.

Ein weiterer Grund für die verzögerte Reaktion: Martin D. hatte 1980 an der pädagogischen Fakultät in Bonn promoviert, die Fakultät besteht aber nicht mehr. Darum habe erst Ende 2009 festgestanden, dass die philosophische Fakultät die Rechtsnachfolge antreten und sich um den Fall D. kümmern müsse, so das Fakultätsmitglied.

cht

insgesamt 6 Beiträge
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Schubbidubbidu, 18.05.2010
1. Recht so
Es mag schwerwiegerende Delikte geben. Sicher muss die Bekämpfung von derartigen Fällen auch nicht die oberste Priorität in der Verbrechensbekämpfung beanspruchen. Um so mehr freut es, wenn wieder einmal ein Promotionsschwindel aufgeflogen und auch bstraft wurde. Das ist im Interesse der Wissenschaft und all derer, die einen Promotionsgrad mehr als akademische Anerkennung denn als eine Form von Selbstmarketing sehen und sehen wollen. Nebenbei: Ein Adelstitel wird vererbt. Ein Promitionsgrad muss erarbeitet werden.
max9999 18.05.2010
2. Aberkennung
Der gute "Krebsarzt" Dr. Hamer, ein Scharlatan der übelsten Sorte hat in Tübingen promoviert. Er verwendet seinen Titel dazu Menschen unter die Erde zu bringen. Als Arzt darf er in Deutschland nicht mehr tätig werden und hat sich vor der Justiz nach Norwegen geflüchtet. Ich habe die Uni Tübingen angeschrieben und beantragt, ihm den Doktortitel zu entziehen. Die Uni hat darauf hin geantwortet, sie nehme den Antrag zur Kenntnis. Da kann man gar nicht so viel essen wie man kotzen möchte.
Willie, 18.05.2010
3. -
Und was ist mit den Professoren, die -gegen Bezahlung des kriminellen Herrn- ihre Doktorvaterschaft verkauft haben? Wann kommen die an die Reihe?
Willie, 18.05.2010
4. -
Wann kommen die Doktorvaeter an die Reihe? Die Professoren, die ihre Funktion verkauft und damit dem Mann sein Geschaeft erst ermoeglicht haben.
fucus-wakame 19.05.2010
5. Was spricht dargegen ?
Mein Dr.-Titel ist ebenfalls gekauft. Wo ist das Problem? Der eine bezahlt ebend viel Zeit für den Titel, wiederum ein anderer tut sich den Titel kaufen. Für die Dienstleistung ist doch ordendlich bezahlt worden.
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