Wunsch-Arbeitgeber Uni-Absolventen stehen auf Autokonzerne

Angehende BWLer und Ingenieure wollen am liebsten zu den Autoriesen Audi und BMW. Sie fürchten einen zähen Bewerbungsprozess, blicken aber optimistisch auf ihren Jobeinstieg. Das Absolventenbarometer 2010 zeigt, bei welchen Firmen die Uni-Abgänger am liebsten landen wollen.

Bachelor-Absolventin (in Bremen): Frauen mögen eher Ikea und Lufthansa
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Bachelor-Absolventin (in Bremen): Frauen mögen eher Ikea und Lufthansa

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Hamburg - Die Autoindustrie ist beliebt bei jungen Uni-Absolventen: Der begehrteste Arbeitgeber Deutschlands ist Audi. Sowohl bei Wirtschaftswissenschaftlern als auch bei Ingenieuren steht der Autokonzern an der Spitze der Beliebtheitsskala.

Das zeigen die Ergebnisse des Absolventenbarometers 2010, das vom Berliner Beratungsunternehmen Trendence erhoben wird. Für die Business- und Engineering-Edition, deren Ergebnisse "manager magazin" jetzt veröffentlicht, hat Trendence mehr als 21.000 examensnahe Studierende der Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaften befragt.

Hinter Audi landen bei den Wirtschaftswissenschaftlern BMW, Lufthansa, Porsche und die Deutsche Bank; bei den Ingenieuren belegen BMW, Porsche, Siemens und Bosch die Plätze zwei bis fünf (siehe Tabellen). Autohersteller seien trotz Klimawandel und Absatzkrise beliebt, "weil sie nach wie vor für Innovation und Dynamik stehen", sagte Trendence-Geschäftsführer Holger Koch zur Begründung.

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In der begehrten Gruppe der "High Potentials" kürten die Betriebs- und Volkswirte die Boston Consulting Group, McKinsey, Lufthansa, Audi und das Auswärtige Amt zu den Top 5. Bei den Ingenieuren siegte Audi, gefolgt von Bosch, BMW, Siemens und Porsche.

Frauen stehen auf Ikea und Lufthansa

Bei den Rankings der besten Arbeitgeber zählen bei den Wirtschaftswissenschaftlern Firmen wie Volkswagen, Bosch, Ikea, Bertelsmann oder Siemens zu den wichtigsten Aufsteigern - während drei der vier größten Wirtschaftsprüfer zu den größten Verlierern gehören. Auch die Konsumgüterindustrie musste Federn lassen: Procter& Gamble, Unilever und L'Oréal Deutschland sind abgestiegen. Bei den Ingenieuren zählen Volkswagen, Audi, BMW und Bosch zu den wichtigsten Aufsteigern.

Dabei haben Männer und Frauen unterschiedliche Präferenzen. Zwar können sich männliche und weibliche Wirtschaftswissenschaftler auf einige gemeinsame Favoriten verständigen - wie Audi, BMW oder auch Adidas. Dennoch zeigt der Vergleich, dass es einige eher "maskuline" Arbeitgeber gibt: zum Beispiel Porsche, McKinsey, BCG, Goldman Sachs oder die Deutsche Bank. Andere Firmen ziehen eher das weibliche Geschlecht an: L'Oréal, Tui, Ikea, Lufthansa oder Beiersdorf stehen hier an erster Stelle (siehe Tabelle).

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Wunsch-Arbeitgeber: Top 5 der Ingenieure

Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Ingenieuren, wobei die technikbegeisterten Frauen offenbar einen stärkeren Hang zu forschungsorientierten Arbeitgebern wie der Max-Planck-Gesellschaft haben als Männer.

Doch ein schickes Auto oder ein bekannter Name allein überzeugt die Absolventen noch nicht. Sie prüfen genau, wer zu ihnen passt und wo sie ihre Ansprüche an den Job am ehesten verwirklichen können. Für die angehenden Ingenieure etwa steht dabei an erster Stelle die "Attraktivität der Arbeitsaufgaben", gefolgt von "Kollegialität", "persönlicher Entwickung", "Wertschätzung der Mitarbeiter" und "Weiterbildungsmöglichkeiten". Ähnlich sehen es die Wirtschaftswissenschaftler - allerdings sind ihnen "Karriereperspektiven im Unternehmen" wichtiger als Weiterbildung.

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Wunsch-Arbeitgeber: Top 5 der BWLer

Das im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegene Selbstbewusstsein der Absolventen spiegelt sich allerdings noch nicht im sogenannten "Optimismus-Index" nieder, den das Beratungsunternehmen Trendence neben den Rankings unter den Studenten erhebt. Der Index fiel zum zweiten Mal in Folge gegenüber dem Boomjahr 2008 ab.

Anteil der Pessimisten ist gesunken

Allerdings bildet der Index lediglich die Erwartungen der Studenten hinsichtlich der Zahl der Bewerbungen sowie der Dauer des Bewerbungsprozesses ab. Er ist kein Indikator für die Zuversicht, am Ende der Bewerbungsphase auch tatsächlich einen Job zu haben. In diesem Punkt haben sich die Erwartungen deutlich aufgehellt: Sagten 2009 noch mehr als die Hälfte der Ingenieure, es werde schwer sein, eine Arbeitsstelle zu bekommen, glauben das in diesem Jahr nur noch 36 Prozent.

Auch unter den Wirtschaftswissenschaftlern hat sich der Anteil der Pessimisten von fast zwei Dritteln auf knapp 48 Prozent reduziert. Ebenso ist unter ihnen der Anteil derjenigen, die sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen, von 47,5 auf 40 Prozent gesunken.

Zuversicht, dass am Ende der Traumjob steht

Ein Widerspruch zum "Optimismus-Index" ist das nicht - ganz im Gegenteil. Die Absolventen wissen, dass die Unternehmen derzeit bewerbermäßig aus dem Vollen schöpfen und sich ihre Kandidaten genau aussuchen können. Sie gehen also davon aus, dass sich der Bewerbungsprozess in die Länge ziehen wird - auch weil sie bei ihren eigenen Erwartungen nicht allzu viele Abstriche machen wollen.

Gleichzeitig aber wissen sie um ihre Leistungen, und um die Macht, die ihnen die demographische Entwicklung in die Hände spielen wird. So sind sie bereit, den Bewerbungsmarathon zu absolvieren - und zuversichtlich, dass am Ende dann auch der Traumjob steht. Am besten beim Wunscharbeitgeber.

Allerdings rechnen nur noch 73 Prozent der Wirtschaftsstudenten damit, dass sie den Lebensstandard ihrer Eltern erreichen oder übersteigen werden. 2009 waren es noch fast 80 Prozent.

Für einen niedrigeren Lebensstandard wollen die Studenten aber auch mehr Freizeit: Der Studie zufolge ist auch die Zahl derjenigen gestiegen, die auf ein ausgewogenes Verhältnis von Arbeit und Freizeit Wert legen - und dies auch bei ihrer Entscheidung für einen Job berücksichtigen.

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