1000 Fragen Kommen Mädchen auch in den Stimmbruch?

Wenn die Stimme zum Flummi wird: Manch Junge würde gerne monatelang gar nichts sagen, bis das Stimmbruch-Quietschen zum männlichen Brummen geworden ist. Die Mitschülerinnen finden's amüsant und kichern darüber. Aber - kommen Mädchen eigentlich nie in den Stimmbruch?


Dass ein Junge gerade zum Mann wird, hört man genau an der Stimme: Eben piepste er noch wie "Micky Maus", das nächste Wort vibriert wie ein tiefes "E" von Pavarotti und das Satzende bricht ab wie das Krächzen einer Krähe. Die Frauen kichern meist drüber - doch ob sie es wollen oder nicht: Auch Mädchen kommen in den Stimmbruch.

Teenager-Star Bill Kaulitz: Nach dem Stimmbruch mussten seine Songs umgeschrieben werden.
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Teenager-Star Bill Kaulitz: Nach dem Stimmbruch mussten seine Songs umgeschrieben werden.

Sie klingen dann zwar nicht so, als hätten sie einen kompletten Heliumballon eingeatmet, aber die Stimme verändert sich trotzdem - um eine Terz oder Quarte, also drei bis vier Tonstufen nach unten. Nachdem Bill Kaulitz, Sänger der Band Tokio Hotel, mit 16 Jahren in den Stimmbruch gekommen war, mussten seine Songs umgeschrieben werden - er sang sie nun anderthalb Töne tiefer.

Der kleine Unterschied: Die Stimmen der Jungs überwinden im Stimmbruch die Doppelte Spanne, also eine Oktave. Michael Fuchs, Leiter der Abteilung für Stimm-, Sprach- und Hörstörungen am Universitätsklinikum Leipzig, spricht deshalb lieber vom "Stimmwechsel" als von "Stimmbruch": "Es geht nichts kaputt, sondern es ist ein ganz normaler Prozess, der in der Regel auch ohne Probleme verläuft", sagt er.

Testosteron als Stimmgerät

Verantwortlich für die plötzlichen Kurzschlüsse in der Stimme ist das Hormon Testosteron. Es ist ein Vorurteil, dass nur Jungs es im Körper haben - tatsächlich wird es auch bei Mädchen in der Pubertät ausgeschüttet und regt den Kehlkopf zum Wachsen an. Mit ihm vergrößern sich die Stimmlippen - bei den Mädchen allerdings mit drei bis vier 4 Millimetern aber nur knapp halb so viel wie bei Jungen. "Der Grund für diesen Unterschied liegt in der geringeren Testosteronkonzentration im Blut der Mädchen", sagt Forscher Fuchs.

Im Vergleich mit den Jungs kommen die Mädchen also glimpflich davon: Symptome und Risiken des Stimmwechsels sind bei ihnen deutlich geringer - trotzdem kommen auch sie in den Stimmbruch, sie merken es nur meist gar nicht. Nur selten besteht bei einem Mädchen das Risiko, dass die Stimme in der Phase des Stimmwechsels überbeansprucht oder sogar nachhaltig geschädigt wird.

Im Normalfall geschieht die Veränderung hin zur runderen Stimme einer erwachsenen Frau problemlos und so nebenbei. "Bei Problemen sollte man zusammen mit dem Arzt entscheiden, wie weit sich das betroffene Mädchen schonen sollte", sagt Michael Fuchs. Für Mädchen, die ihre Kleinmädchenstimme auf gar keinen Fall verlieren wollen, bedeutet dies: Der Stimmbruch schlägt auch bei euch zu. Ganz bestimmt.

wie/ddp



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