1000 Fragen Warum schwitzt man vor Angst?

Feuchte Hände, roter Kopf, Schweißausbrüche: In Paniksituationen reagiert der Körper mit allerhand lästigen Symptomen. Das kann peinlich sein - zum Beispiel in der Fahrstunde. Lassen sich die Anzeichen von Angstattacken irgendwie verhindern?

Man erinnere sich an die erste Fahrstunde. In der Theorie ging alles noch ganz einfach: rechts vor links, beim Abbiegen den Schulterblick nicht vergessen. Aber dann sitzt man zum ersten Mal am Steuer und fühlt sich verloren. Die ganzen Verkehrsregeln und Schilder sind wie weggeblasen aus dem Kopf. Und auf der Rückbank sitzt der andere Fahrschüler und grinst übers ganze Gesicht.

Jetzt nur nichts falsch machen! Doch was passiert? Die Knie werden zittrig, die Bewegungen panisch. Man vergisst Innen- wie Außenspiegel, die Füße treten immer wieder neben die Kupplung, die verschwitzte Hand rutscht vom Schaltknüppel. Nach 45 Minuten klebt das T-Shirt am Rücken, und kalter Schweiß steht auf der Stirn.

Schuld daran ist der Angstreflex - eine Veranlagung, die schon die Steinzeitmenschen hatten, als sie noch mit Säbelzahntigern um ihr Leben kämpfen mussten. Für die war der Angstreflex nämlich überlebenswichtig. Wenn der gewaltige Tiger plötzlich vor ihnen die Zähne fletschte, mussten unsere Vorfahren entweder schnellstmöglich die Beine in die Hand nehmen oder genügend Energie für einen Kampf haben. Der Angstreflex sorgte dafür, dass der Körper innerhalb von Sekunden alle Energiereserven mobilisieren konnte.

Diese automatische Reaktion hat der menschliche Körper bis heute nicht abgestellt. Das ist manchmal ziemlich lästig, denn die Angstreaktion kann kaum beeinflusst werden. Die Paniksymptome treten also nicht nur beim Anblick eines Tigers oder bei der Führerscheinprüfung auf, sondern sorgen auch für einen roten Kopf beim ersten Date und Schweißflecken wegen Lampenfiebers. Trotzdem kann diese Funktion wichtig sein. So kann etwa bei Unfällen auch der Schwächste über sich hinaus wachsen, wenn er sich oder andere retten will.

Wer Angst hat, wird blass

Was passiert da eigentlich im Körper? Wenn das Gehirn eine aufregende Situation registriert, übernimmt das Nervensystem die Kontrolle über Teile des Körpers, die Körperchemie ändert sich. Der Körper schüttet Cortison aus, der Blutzuckerspiegel steigt, und ein Adrenalinschub lässt das Herz schneller schlagen und mehr Blut durch die Adern pumpen.

Dadurch wird der Atem schneller. Der sogenannte "kalte" Angstschweiß steht auf der Stirn - ein besonderes Phänomen in Paniksituationen. Wegen des erhöhten Adrenalingehaltes im Blut wird die Haut schlechter durchblutet, sie wird bleich und fühlt sich kalt an. Schweißtropfen können auf der kühlen Haut schlechter verdunsten. Am ganzen Körper rinnen nun kleine Schweißperlen hinab - man spürt einen "kalten Schauer" den Rücken herunter laufen.

Mit diesem Energieschock fangen auch die Knie des Fahrschülers an zu zittern und werden "weich".  Das Zittern entsteht, wenn Muskeln mehr Energie zur Verfügung haben. Wird diese Kraft nicht genutzt, wie es in den meisten Fällen ist, beginnen die Muskeln zu zittern, um die überschüssige Kraft abzubauen.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Ein Allheilmittel gegen Angstsymptome gibt es nicht. Wer unter Prüfungsangst leidet oder schnell einen roten Kopf bekommt, muss sich damit abfinden. Besser noch als Beruhigungstee vor den Prüfungen hilft wohl nur eine gute Vorbereitung. Und der tröstliche Gedanke, dass bisher noch jede Panikattacke vorbei gegangen ist.

Von Jasmin Rapprich

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