1000 Fragen Was ist dran am Fluch der Pharaonen?

Die Gräber im "Tal der Könige", vor allem das von Tutanchamun, umwabert ein Mythos. Mit magischen Sprüchen sollen altägyptische Herrscher ihre Totenruhe vor Eindringlingen geschützt haben. Ist der berühmte Fluch nur Aberglaube, oder gibt es einen wahren Kern?
Foto: A2800 epa Mike Nelson/ dpa

"Der Tod soll den mit seinen Schwingen erschlagen, der die Ruhe des Pharao stört": Eine Tontafel mit dieser Inschrift soll im Grab des ägyptischen Königs Tutanchamun gelegen haben, das der englische Archäologe Howard Carter im Jahre 1922 entdeckte. Sagenhafte Schätze, eine Mumie und ein Fluch - das war die schaurig-schöne Kombination, nach der sich die ägyptenbegeisterte Öffentlichkeit damals sehnte.

Und tatsächlich schien der Fluch schnell zu wirken: Lord Carnarvon, der Finanzier der Ausgrabungsexpedition, und einige andere Personen, die bei der Graböffnung anwesend waren, starben binnen kurzer Zeit auf angeblich mysteriöse Weise. Alles nur ein Gruselmärchen, oder steckt ein wahrer Kern in der Legende um die todbringende Grabkammer?

"Man muss das ganz nüchtern und wissenschaftlich betrachten", sagt Mumienforscher Frank Rühli von der Universität Zürich. Eines ist klar: Wer eine Grabkammer öffnet, atmet den Hauch der Jahrtausende. "Hier herrscht ein ganz spezielles Milieu, in dem sich gesundheitsschädliche Schimmelpilze entwickeln können", sagt Rühli.

Vor allem die Pilze Aspergillus flavus und Aspergillus niger stehen im Verdacht, für die Lungenerkrankungen verantwortlich zu sein, die einigen der frühen Ägyptologen den Tod brachten. In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts grassierte ohnehin die Tuberkulose in Europa. Einige Zeugen der Graböffnung Tutanchamuns hatten bereits eine geschwächte Lunge durch latente Tuberkulose. Der Grufthauch mit den Pilzpartikeln löste bei ihnen vermutlich eine Lungenentzündung aus.

Ein Quentchen schlechtes Gewissen

So starben sie ungewöhnlich schnell nach ihrem spektakulären Erlebnis in der Grabkammer. "Wenn wir heute Mumien untersuchen, halten wir uns deshalb auch an Hygienemaßnahmen", betont Rühli. Ein Mundschutz ist dabei Standard.

"Der Fluch der Pharaonen im Sinne einer Verwünschung ist dagegen ein Märchen", so Rühli. Von der Tontafel mit dem Fluch, die angeblich das Grab Pharao Tutanchamuns vor Grabräubern schützen sollte, gibt es in Wahrheit nicht die geringste Spur. Die Sensationspresse der zwanziger Jahre hat sie wahrscheinlich frei erfunden. Aus anderen ägyptischen Texten sind zwar Warnungen gegenüber Grabfrevlern bekannt, für Verfluchungsrituale gibt es aber keine Hinweise.

Vielleicht steckt hinter der Angst vor dem Fluch des Pharao aber auch ein Quentchen schlechtes Gewissen: In gewisser Weise ist die Graböffnung eine Störung der Totenruhe. "Nur weil der Verstorbene schon vor Jahrtausenden bestattet wurde, sehen wir das heute nicht so eng", sagt Rühli.

Dennoch befürwortet der Mumienforscher natürlich die Untersuchung der historischen Leichname, plädiert indes für einen respektvollen Umgang mit den Mumien. Seiner Meinung nach dürfen sie niemals zur Belustigung dienen. "Vielleicht ist dann auch die Verwünschung nicht so groß", sagt Rühli schmunzelnd.

jol/ddp
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