1000 Fragen Wie kam das Öl in die Erde?

Im Golf von Mexiko sprudelte das Öl aus dem leckgeschlagenen Bohrloch, monatelang. Warum eigentlich? Wie entstehen Erdölvorkommen und wieso lassen sie sich so schwer stopfen, wenn sie erst einmal angebohrt sind?

Ölquelle: Damit schwarzes Gold entsteht, braucht es hohen Druck und viel Zeit
ddp

Ölquelle: Damit schwarzes Gold entsteht, braucht es hohen Druck und viel Zeit


Schwarz, klebrig und voller Energie - Erdöl ist eine seltsame Substanz und das nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Konsistenz. Der Rohstoff ist berühmt und berüchtigt; er hält die Wirtschaft in Gang, hat aber gleichzeitig in diesem Jahr eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Menschheitsgeschichte verursacht: die Ölpest im Golf von Mexiko. Über drei Monate quollen täglich Millionen Liter Rohöl aus einem leckgeschlagenen Bohrloch am Meeresgrund.

Doch woher stammt eigentlich diese ölige Flüssigkeit aus den Tiefen der Erde und warum sprudelt sie, einmal angestochen, von selber weiter?

"Erdölvorkommen sind vereinfacht gesagt die Überreste von Kleinstlebewesen, die vor Jahrmillionen im Ozean gelebt haben", sagt Martin Langer vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. Diese Mikroorganismen lagerten sich in Senken auf dem Meeresboden ab, wo sie durch den Sauerstoffmangel nicht verwesten und schließlich nach und nach von Sedimentschichten überdeckt wurden.

"Druck und die richtige Temperatur ließen dann aus diesen Planktonfriedhöfen Erdöl entstehen", sagt Langer. Die Last einer etwa zwei Kilometer dicken Sedimentablagerung ist dafür nötig - und viel Zeit: ein paar Millionen Jahre. "Die Plankton-Schicht verfestigte sich und bildete unter diesen Bedingungen das sogenannte Muttergestein", sagt Langer. Bei Temperaturen von etwa 70 Grad Celsius brechen hier die Bindungen der langen Kohlenwasserstoffketten in der festen, organischen Substanz auf - so entsteht das zähflüssige Erdöl.

Erdölvorkommen sind keine unterirdischen Seen

Der hohe Druck in der Tiefe quetscht das Öl dann schließlich aus dem Muttergestein in angrenzende, poröse Gesteinsschichten. "Die entstehenden Erdöllagerstätten sind keine riesigen unterirdischen Seen, sondern Gesteinsschichten, die wie ein Schwamm vollgesogen sind mit Erdöl", sagt Langer.

Wie tief das Erdöl in der Erde steckt, ist von Lagerstätte zu Lagerstätte unterschiedlich, je nachdem wie weit es durch das poröse Gestein nach oben wandern konnte. Oft verhindert beispielsweise eine Tonschicht in der Erdkruste das weitere Aufsteigen. "So eine Lagerstätte steht natürlich unter Druck. Wenn man sie anbohrt, sprudelt das Öl oft mit großer Gewalt von selbst heraus", sagt Langer.

Im Fall der Lagerstätte im Golf von Mexiko war dieser Effekt besonders groß: In anderthalb Kilometern Tiefe auf dem Meeresgrund führte das Bohrloch noch einmal neun Kilometer weit in den Meeresboden. Der enorme Druck auf dieser Lagerstätte ließ das Erdöl nach der Katastrophe deshalb so hartnäckig sprudeln.

otr/dapd



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