14-Jährige Schülerin Verweis wegen Pornovideos

Eine Schülerin in Baden-Württemberg hat Pornovideos, die sie auf ihrem Handy gespeichert hatte, an ihre Mitschüler weitergegeben. Dafür wurde sie für eine Woche vom Unterricht ausgeschlossen. Die Eltern klagten gegen den Verweis - doch Verwaltungsrichter bestätigten ihn.


Die Videos zeigten so brutale und pornografische Szenen, dass sie unter das Strafgesetzbuch fielen. Sie kursierten schon seit einer Weile an einer Schule in Eberbach (Baden-Württemberg). Weitergegeben hatte die Handy-Videos offenbar eine 14-Jährige Schülerin. Sie war am vergangenen Freitag aufgeflogen. Die Schulleiterin verständigte die Polizei und schloss das Mädchen und sieben weitere Schüler ab Dienstag für fünf Tage vom Unterricht aus.

Die Eltern der 14-jährigen Schülerin fanden dieses Vorgehen der Schule unverhältnismäßig und stellten im Namen ihrer Tochter einen Eilantrag vor Gericht, um den Verweis rückgängig zu machen: Ihre Tochter sei nur eine von vielen gewesen, die die Videos verbreitet hätten. Sie habe sich freiwillig zur Tat bekannt und sei bisher in der Schule nicht aufgefallen.

Aus Sicht des Karlsruher Verwaltungsgerichts können die brutalen Szenen und abnormen sexuellen Handlungen das seelische Gleichgewicht und sittliche Empfinden von Schülern, die die Videos auf ihrem Handy erhalten, "massiv beeinträchtigen und Angstzustände hervorrufen". Die Schulleiterin habe zu Recht strenge Maßnahmen ergriffen. Dies diene dem Erziehungsauftrag der Schule und der Einhaltung der Schulordnung. Außerdem könnten andere Schüler von der Verbreitung der illegalen "Snuff-Videos" abgehalten werden.

Im konkreten Fall enthalten die Videos angeblich unter anderem tierpornografische Darstellungen mit einem Pferd sowie die Enthauptung einer Frau. Die Sache war aufgeflogen, als sich Eltern eines Sechstklässlers beschwerten, weil ihr Kind unter Schlafstörungen litt.

Der Beschluss ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Die Beteiligten können innerhalb von zwei Wochen Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg einlegen.

Erst in der vergangenen Woche wurden an einer bayerischen Hauptschule nach einer Razzia 15 Schülerhandys beschlagnahmt, auf denen sich Porno- und Gewaltvideos, Nazi-Propaganda und Sodomiesequenzen befanden. Die Besitzer der betreffenden Geräte waren zwischen 14 und 18 Jahre alt. Ihnen stehen nun Strafverfahren wegen des Besitzes und der Verbreitung verbotener pornografischer und gewaltverherrlichender Inhalte bevor.

cpa/dpa



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