15-jährige Weltumseglerin Laura Dekker erreicht die Karibik

Laura Dekker will als jüngster Mensch solo die Welt umsegeln. In den letzten zwei Wochen schaffte sie 4000 Kilometer, die bisher längste Strecke, und hat heil eine Karibikinsel erreicht. Hollands "Segelmädchen" genießt es - und fragt sich manchmal trotzdem: Warum zur Hölle mache ich das?

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Laura Dekker, holländische 15-jährige Solo-Seglerin auf Rekordjagd, hat ohne Zwischenfälle den Atlantik überquert und damit den bislang größten Abschnitt ihrer Welttour geschafft. Am Sonntag erreichte sie mit ihrem Zweimaster "Guppy" die karibische Insel St. Maarten. Nach rund 2200 Seemeilen (rund 4000 Kilometern) auf See sagte sie: "Ich glaube, ich kann momentan nicht in einem Haus leben." Es sei schon verrückt, dass sich an Land jetzt "gar nichts mehr bewegt und hüpft".

Die Zeit allein auf hoher See habe sie genossen, schrieb sie in ihrem Blog - auch wenn sie hin und wieder Heimweh gehabt habe. "Es gab zwei oder drei Momente, in denen ich gedacht habe: 'Warum zur Hölle mache ich das?'", so Laura Dekker. "Aber wenn ich mich wirklich einsam fühle, kann ich immer meine Eltern anrufen."

Insgesamt habe sie viel gelesen, Gitarre gespielt und gekocht. "Und dann war der Tag vorbei, bevor ich es realisiert habe", notierte sie. "Außerdem bin ich inzwischen exzellent darin, nichts zu tun, außer zu sitzen, zu liegen, die See und 'Guppy' zu beobachten."

Kein Eintrag ins Guinness-Buch

Holländische Familienrichter hatten Laura nach langen Auseinandersetzungen in See stechen lassen. Nun will sie als jüngster Mensch allein die Welt umsegeln. Dafür hat sie noch knapp zwei Jahre Zeit - falls nicht zwischendurch ein noch jüngerer Konkurrent aufbricht. Sie selbst will die Australierin Jessica Watson übertrumpfen, die drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag im Mai von ihrer Solo-Weltumrundung zurückgekehrt war.

"Gestern segelte eine Yacht an mir vorbei", schrieb Laura Dekker am Samstag, "ich unterhielt mich über VHF-Radio mit ihnen, und wir sind zum Ergebnis gekommen, dass ich die Jüngste bin, die jemals allein und ohne Hilfe den Atlantik überquert hat." Angeblich habe sie nie darüber nachgedacht. "Es ist trotzdem super cool."

Eine offizielle Anerkennung als jüngste Weltumseglerin bleibt Laura ohnehin verwehrt: Sowohl die Firma Guinness World Records als auch der internationale Rat für Segelrekorde haben die Kategorie des jüngsten Seglers abgeschafft - zu gefährlich.

Nächstes Ziel: Panama

Denn welche Risiken in einer solchen Reise stecken, wurde erst im Juni deutlich: Nach einem Mastbruch musste die 16-jährige Amerikanerin Abby Sunderland zwei Tage auf ihrem Boot ausharren, auch ihre Satellitenkommunikation mit dem Rest der Welt brach ab. Sie trieb allein mit einem kaputten Boot in meterhohen Wellen und bei Sturm mitten im Indischen Ozean, bis sie gerettet wurde. Dennoch schmiedete sie schon wenige Stunden danach neue Pläne: "Ich werde auf jeden Fall noch einmal um die Welt segeln oder es wirklich noch einmal versuchen", sagte Abby Sunderland, geboren in einer Seglerfamilie.

Laura, geboren auf einem Boot vor Neuseelands Küste, war Ende August in Gibraltar mit ihrer 11,5 Meter langen Zweimaster-Jacht Guppy aufgebrochen und hatte auf den Kanaren zwei Monate lang ausgeharrt, bis einige Stürme vorbeigezogen waren. Auf See sei sie meist nach einer Stunde aufgewacht und freue sich jetzt darauf, einige Nächte durchschlafen zu können, sagte sie.

Zuvor hatten sie und ihr Vater sich fast ein Jahr mit dem niederländischen Jugendamt gestritten. Die Behörde wollte die Solo-Welttour des Mädchens verhindern, weil Laura zu jung dafür sei und den potentiellen Gefahren nicht gewachsen. Sie durfte erst lossegeln, nachdem sie ein größeres und robusteres Boot zur Verfügung hatte als zunächst geplant, es mit fortschrittlichem Navigations- und Radargerät ausstattete sowie Erste-Hilfe-Kurse absolvierte.

Zuletzt hatte Laura in einem Hafen der kapverdischen Inseln vor der Küste Westafrikas angelegt und die Inseln am 2. Dezember wieder verlassen. Nun werde sie eine Weile auf St. Maarten bleiben. Die Karibik-Insel kennt sie bereits - dorthin türmte sie in einem wilden Ausreißversuch im Streit um ihre Segelpläne und das Sorgerecht ihres Vaters. "Ich habe keinen festen Plan, ich möchte nur bis April, Mai im Panama-Kanal sein", sagte sie.

fln/dpa/AP

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