16-Jähriger erstellt Todesliste 206 Kugeln für Mitschüler und Lehrer

Entsetzen auf Usedom: Fünf Gymnasiasten haben eine Todesliste von Lehrern und Schülern erstellt und sogar ausgerechnet, wieviel Munition sie zum Töten brauchen würden - genau 206 Kugeln. Ein Zehntklässler hat seine Mordabsicht gestanden.

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Das Maxim-Gorki-Gymnasium auf Usedom könnte haarscharf einer Katastrophe entkommen sein. Fünf Schüler einer zehnten Klasse der Heringsdorfer Schule verfassten eine Todesliste von Lehrern und Mitschülern. Ein 16-jähriger Schüler aus Ahlbeck hatte sogar schon ausgerechnet, wie viel Munition er benötigen würde.

Der Schüler wurde festgenommen und hat laut Polizei gestanden, dass er Schüler und Lehrer mit einer Waffe töten wollte. Der Zehntklässler habe bereits gewusst, wo er sich eine Schusswaffe besorgen könne, sagte der Sprecher der Polizeidirektion Anklam, Axel Falkenberg, zu SPIEGEL ONLINE. Noch heute soll Haftbefehl ergehen.

Der 16-Jährige hat demnach mehrere Mitschüler aufgefordert, im Jahrbuch des Maxim-Gorki-Gymnasiums in Heringsdorf anzukreuzen, wer ihnen unsympathisch ist. Mit Kreuzchen und Kreisen sollen der 16-Jährige und seine Freunde verhassten Lehrer und Mitschüler gekennzeichnet haben. Im Heft, das der Polizei vorliegt, standen Vermerke wie "diese sterben" und "206 Kugeln".

Bis auf die vier Mitwisser ahnten die Schüler des Gorki-Gymnasiums nicht, dass die schwarz angemalten Jahrbuch-Porträts in der Phantasie ihres Mitschülers eine Todesliste darstellten. Die vier anderen 16-Jährigen, darunter auch ein Mädchen, gaben in Vernehmungen zu, dass sie von den Mordplänen wussten. Sie hätten ihn allerdings nicht ernst genommen und nicht bei der Umsetzung mithelfen wollen.

In der Nervenklinik festgenommen

"Wir haben die Drohungen durchaus ernst genommen", sagte dagegen Polizeisprecher Falkenberg, "das war eindeutig kein Jux mehr." Daher habe man sofort auch die Kriminalpolizei eingeschaltet: "Wir haben Angst, dass sich sowas wie in Erfurt wiederholt." Dort waren im April 2002 beim Amoklauf eines ehemaligen Schülers 17 Menschen gestorben.

"Ich hatte einen Plan und wollte das durchziehen", sagte der Heringsdorfer Schüler in der Vernehmung. Die Polizei erfuhr davon, nachdem einer der Mitwisser die Todesliste am Freitag vergangener Woche auf dem Schulhof herumgezeigt hatte. Einige Schüler bekamen Angst, sie informierten Lehrer und Eltern, die Schulleitung schaltete dann die Polizei ein und wandte sich in Briefen an alle Eltern.

Nach Bekanntwerden der "Todesliste" wurde der Hauptverdächtige zunächst in eine Nervenklinik in Uckermünde eingewiesen. Er gilt als psychisch labil und wurde in der Vergangenheit bereits psychiatrisch behandelt. In der Anstalt wurde der Schüler gestern festgenommen.

Die Ermittlungen dauern derweil noch an: In der Nacht zum Donnerstag wurden bei allen fünf Tatverdächtigen Hausdurchsuchungen durchgeführt und Computer und persönliche Dinge der Schüler beschlagnahmt.

"Wir sind im Nachhinein sehr bestürzt", sagte Schulleiter Jürgen Räsch der "Ostsee-Zeitung". Es habe aber zu keiner Zeit eine reale Gefahr bestanden. Er könne es kaum fassen, dass so etwas am Gymnasium passieren konnte - nicht zuletzt, weil die Schule regelmäßig präventiv gegen Gewalt arbeite und unter den Mitwissern der Todesliste ein Schüler sei, der am Konfliktbewältigungskurs teilgenommen habe. Derzeit bieten Schulpsychologen im Gymnasium Gespräche für Eltern und Schüler an.

Auch im Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern zeigt man sich besorgt. Am Freitagmorgen besuchte Bildungsminister Hans-Robert Metelmann (parteilos) das Heringsdorfer Gymnasium. Er habe aber den Eindruck gewonnen, dass die Krise von der Schule sehr gut beherrscht worden sei, teilte das Ministerium mit.



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