21 unter 21 Matthias Mroczkowski, Abiturient mit Werbeagentur

Noch vor dem Abi hatte er sein eigenes Unternehmen: Matthias, 19, verkauft Werbung im Internet. Er hat drei Anzüge im Schrank, jongliert sicher mit Business-Vokabeln. Wovon er träumt? Frau, Familie, Kinder. "Irgendwann muss man ja erwachsen werden", sagt er.

Von Matthias Eberspächer


Bill Gates hatte einfach Glück – so sieht das Matthias Mroczkowski, ein blonder Schlaks aus Bochum, mit Rechteck-Brille: Glück, dass der Markt für sein Produkt da war. Bill Gates, ein Vorbild? Nein, er hat keine Vorbilder. Er will sein eigenes Ding machen. Er ist jung, er ist Unternehmer. Er will nach oben. Den Anfang macht er mit der Vermarktung von Werbung, in Internetradios.

Die Wände seines Büros sind weiß gestrichen, zwei Schreibtische stehen sich gegenüber, darauf Laptops. Matthias Mroczkowski, 19, und sein Partner Thomas Rogg, 21, wenden den Blick nicht von ihren Bildschirmen ab. Bei einigen tausend Internetradio-Hörern trällert gerade ein Werbespot aus den Lautsprechern. Sie kontrollieren, wie viele Hörer den Werbespot hören. "Wir haben in den letzten drei Minuten neun Euro gemacht", sagt Thomas. "Audimark" heißt ihre Firma, und sie macht Umsatz.

Matthias und Thomas wirken ein wenig wie Broker in einer Minibörse: Der Werbekunde zahlt, Audimark als Vermittler und das Internetradio als Werbemedium verdienen, wenn ein Werbespot gespielt wird. Langfristig sollen durch dieses Prinzip private Internetradios von Verlustprojekten zu sich selbst tragenden Unternehmen gemacht werden.

Der Firmenumsatz ist schon fünfstellig

Das ist die ganz Idee hinter Audimark. Der Reiz daran für Matthias: lernen, wie der Markt funktioniert, "Geschäftsideen umsetzen", ein Unternehmer sein.

Fünfstellig ist der Umsatz schon, den Matthias mit Audimark im Monat verbucht. Verdient hat er an der Firma jedoch noch keinen Cent, sagt er zumindest. Alles fließt wieder in "Investitionen", wie ein Unternehmer das nennt: Messen, Miete für das Büro, Fahrtgelder. Bis zum Ende des Jahres soll trotzdem eine Handvoll Mitarbeiter zum Zweimann-Team stoßen, die Firma wachsen. Mit einem Investor verhandeln sie bereits.

Matthias kramt in seinem Visitenkartenregister. In einer Stunde erwartet ihn der Marketingchef eines Audioequipment-Herstellers. Die Visitenkarte steckt er in seine Ledermappe - falls er zu spät kommt, will er die Nummer parat haben. Im seinem Handy speichert er keine Kundennummern, unter den 170 Kontakten würde er seine Freunde nicht mehr finden.

Geld, eine Villa, eine Familie - das wünscht er sich

Matthias sitzt hinter dem Steuer, er fährt auf der Stadtautobahn irgendeiner grauen Ruhrpott-Stadt Richtung niederländische Grenze. Matthias erzählt von seinen Träumen. Geld ist ihm wichtig, ja, aber der Reichtum sollte sich noch in Maßen halten. Damit er keinen Bodyguard braucht.

Und eine Villa wäre schön, klar - besser als ein Haus. Und Frau und Kinder will er haben. Erst dann würde er sich richtig erwachsen fühlen. Bei so einem frühen Berufseinstieg - wo bleibt seine Jugend? Matthias fehlt nichts, sagt er: Er hat Freunde, geht in Discos, spielt Tennis, wie die anderen. "Irgendwann muss man ja erwachsen werden", sagt er. Er hält das Auto an.

Über sein weißes Polohemd zieht er sich ein Jacket an. Dazu trägt er die passende schwarze Nadelstreifenhose. Unter den Arm klemmt er sich seine lederne Aktentasche. Alles passt. Beim Kundengespräch gehört sich das so.

"Spin-Off", "Kundenakquirierung", "Business-Plan" - wenn Matthias von seiner Arbeit erzählt, kommen ihm Wörter aus dem Wirtschaftsjargon locker über die Lippen. Er spricht schnell, nestelt in der Hand mit einem Kuli, der immer wieder auf den Boden fällt. Er hebt ihn auf und redet weiter. Tippt immer wieder mit dem Zeigefinger seine Brille zurecht.

Matthias Mroczkowski ist nicht nervös. Er wirkt eher rastlos. Nicht nur, wenn er Kunden trifft, sondern auch beim Autofahren oder in seinem Büro.



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