Abfallberge Neapels Schüler haben müllfrei

Brennt die Sonne arg, gibt es hitzefrei. Streikt die Heizung bei Minusgraden, bekommen Schüler kältefrei. In Italien gibt es einen weiteren Grund dafür, dass Unterricht ausfällt: Draußen türmt sich der Müll.


In Neapel stinkt's. Knapp eine Woche nachdem ein Aktionsplan gegen die Müllkrise angekündigt wurde, türmen sich weiterhin die Abfallberge. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa liegen noch mehr als 7000 Tonnen Müll auf den Straßen der süditalienischen Stadt. Daher setzten die Behörden den Schulunterricht in der Region Kampanien auf unbestimmte Zeit aus.

100.000 Kinder müssen zu Hause bleiben, weil die hygienische Situation für sie bedrohlich sei, hieß es. Schließlich müssen die Fußgänger derzeit Slalom um Konservendosen, fauliges Gemüse, Stofffetzen, Matratzen und aufgeweichte Kartons laufen.

Neapel und die gesamte Region leiden seit mehr als einem Jahrzehnt unter einem Entsorgungsproblem. Deponien und Recyclinganlagen sind chronisch überlastet; außerdem wurden von der örtlichen Mafia betriebene Müllhalden geschlossen. Mehr als 150.000 Tonnen Abfall sollen sich mittlerweile im Ballungsraum Neapel und in der nördlich angrenzenden Provinz Caserta angesammelt haben, berichtet die neapolitanische Tageszeitung "Il Mattino". Die Entsorgung des Mülls aus Kampanien in andere Regionen Italiens kann noch mehrere Wochen dauern.

kat/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.