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Abi-Scherze: Die Schüler rüsten auf

Foto: Boris Roessler/ dpa

Gymnasiasten Die dämlichsten Abi-Streiche des Jahres

Stripper einladen? Mit Waffen und Sturmmasken das Lehrerzimmer stürmen? Abi-Streiche werden immer krasser, man will auf Facebook ja Eindruck machen.
Von Christian Engel und Armin Himmelrath

In diesen Tagen sehen sie alle wieder sehr ordentlich aus. Mit Anzug oder im Kleid, adrett und fast schon erwachsen: So nehmen Deutschlands Abiturienten ihre Reifezeugnisse entgegen. Kinder, Eltern und Lehrer strahlen - und die Polizei atmet durch.

Denn in den letzten Wochen wurde exzessiv gefeiert, mit manchmal fatalen Folgen. Insbesondere Abi-Streiche laufen immer wieder aus dem Ruder und erfordern den Einsatz von Polizei oder Rettungskräften. "Vor allem dort, wo es mehrere Gymnasien vor Ort gibt, beobachten wir eine zunehmende Tendenz zu krasseren und eskalierenden Abi-Scherzen", stellt Heinz-Peter Meidinger, Chef des deutschen Philologenverbands, fest.

Für die Abiturienten ist die Messlatte für den Erfolg ihrer Abi-Scherze die Aufmerksamkeit im Netz. In sozialen Netzwerken machen Eskalation und Chaos schnell die Runde, zu groß sind mitunter die Verwüstungen, um einfach nur darüber hinwegzugehen.

Diese Abi-Streiche sollten besser nicht wiederholt werden:

Vermummt und bewaffnet

Neun Abiturienten eines Aachener Berufskollegs inszenierten am letzten Schultag die Entführung eines Lehrers - ausgestattet mit Tarnkleidung und mit etlichen nachgebildeten Waffen. Den vermeintlichen Überfall wollten sie filmen. Anwohner entdeckten die 18- bis 20-Jährigen auf dem Weg zur Schule und riefen die Polizei. "Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn nur ein Schüler auf Zuruf der Polizeibeamten die Waffen nicht niedergelegt hätte", sagte ein Polizeisprecher hinterher.

Auch an der Ahrensburger Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule war in diesem Jahr ein Schüler mit militärischer Tarnkleidung und Spielzeugwaffe zur Feier seines Abiturs erschienen und hatte damit für einen Amok-Alarm gesorgt. Nachdem der Fall geklärt war, entschuldigte sich der gesamte Abi-Jahrgang für den Fehlalarm.

In gefährlicher Höhe

Ernste Konsequenzen hatte ein Streich an einem Gymnasium im hessischen Langen: Nachts versuchten vier Jugendliche, auf einen Musikpavillon zu klettern. Dabei stürzte einer von ihnen durch das Oberlicht. Polizei und Feuerwehr mussten den Pavillon aufbrechen, um den schwer verletzten 19-Jährigen zu bergen - der Abi-Gag wurde danach abgesagt.

Verkehrschaos in der Innenstadt

Rund 60 Abiturienten aus Bochum feierten ihren Abschluss im März damit, dass sie willkürlich Autos in der Innenstadt anhielten und sich dann von den Fahrern durch die Stadt kutschieren ließen. Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an. Im benachbarten Witten hatte sich ein Schüler als Gangster verkleidet und richtete aus einem Wagen heraus eine Schusswaffe auf Passanten - auch er wurde von der Polizei einkassiert. Und fast schon traditionell liefern sich die Abiturienten verschiedener Kölner Schulen mehrtägige Auseinandersetzungen - im besten Fall bleibt es bei einer Wasserbombenschlacht.

Striptease in der Schulaula

Nackte Tatsachen schufen Ende Juni Abiturienten am Münchner Luitpold-Gymnasium: Für ihren Abschluss bestellten die jungen Absolventen eine Stripperin und einen Stripper. Immerhin: Die Organisatoren hatten dafür gesorgt, dass nur ältere Schüler die erotische Einlage - Lapdance inklusive - zu sehen bekamen. Der Direktor der Schule fand, dass die Abiturienten in diesem Sinne Verantwortungsbewusstsein gezeigt hätten, deshalb hatte die Aktion hatte trotz Elternbeschwerden keine Konsequenzen.

Massenauflauf in Magdeburg

Wenn Abiturienten jubeln, wollen viele mitfeiern - manchmal zu viele. In Magdeburg kamen zu einer inoffiziellen Party im Rotehornpark 1600 Schüler zusammen. Feuerwehr und Polizei reagierten mit einem eigens eingerichteten Notarztzelt, in dem vor allem Schüler mit Alkoholvergiftung behandelt wurden. Als die Polizei nach einer Messerstecherei in der Menge nach dem Täter suchte, wurden die Beamten massiv von anderen Gästen angegriffen; insgesamt gab es 16 Ermittlungsverfahren.

Kot auf dem Schulhof

Im niederbayerischen Simbach spielten Abiturienten Realschülern vorvergangene Woche einen Streich, der zunächst übler aussah als er war: Sie hatten "Ich hab Abi, was hast du?" mit Kreide vor die Realschule geschrieben und die Eingangstür mit Bauzäunen und Absperrband verstellt. Zudem fand sich auf einer Treppe im Hof der Realschule ein Kothaufen. Die Polizei vermutete zunächst, dass die Abiturienten auch die Fäkalien deponiert hätten. Doch ein Handy, das neben dem Haufen lag, gab Aufschluss: Ein junger Mann, der nichts mit den Abiturienten zu tun hatte, war in der Nacht in den Innenhof geklettert und hatte sich dort erleichtert.

Geld und Bier geklaut

Um die gesamten Einnahmen ihrer Abiparty wurden Abiturienten einer Schule in Alsfeld bei Fulda beraubt. In einer Samstagnacht brachen Diebe einen Kühlanhänger auf, in der der Jahrgang das Geld aufbewahrte. Neben den 1000 Euro aus der Abikasse ließen die Langfinger auch drei Paletten Bierdosen mitgehen.

Rasierschaum-Sauereien

Und es sind gar nicht immer nur Abiturienten, die sich Entgleisungen zum Schulabschluss leisten. Am Montag sollte an der Grund- und Gemeinschaftsschule in Mildstedt eigentlich der Abschluss der Klassen 9 und 10 gefeiert werden. Doch die Absolventen legten schon vorher los: Zum Teil knöchelhoch stand Rasierschaum in den Gängen, Glastüren wurden mit Lippenstift bemalt, in die Toiletten kippten die Schüler kiloweise Spiralnudeln und Konfetti. Der Schulleiter ließ die Gebäude sperren und bestellte die Reinigungskräfte deutlich früher zum Dienst.

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