Einser-Abitur mit 14 "Ich war teilweise unterfordert"

Mandy Hoffman ist in zweifacher Hinsicht ein Phänomen. Sie hat nicht nur mit 14 Jahren ihr Abi gemacht. Sie hat das auch noch mit einer glatten Eins geschafft. Ein Anruf bei einer Überfliegerin.

Mandy Hoffmann, 14, hat dreimal Klassen übersprungen - und jetzt schon Abitur
Katrin Hoffmann

Mandy Hoffmann, 14, hat dreimal Klassen übersprungen - und jetzt schon Abitur


Mit sieben Jahren wurde Mandy Hoffmann Hochbegabung attestiert: Ihr IQ lag demnach bei 142. Sie verkürzte die Grundschulzeit und kam schon mit neun aufs Gymnasium. Zwei weitere Male hat sie eine Klasse übersprungen. Jetzt ist sie 14 Jahre alt und mit der Schule fertig. Ihr Abi hat sie mit 1,0 gemacht.

Nach Angaben ihrer Schule in Braunschweig dürfte sie eine der jüngsten Absolventinnen Deutschlands mit diesem Abschluss sein. Ein Einzelfall ist sie jedoch nicht: Es gibt immer wieder Schüler, die eine oder gar mehrere Klassen überspringen. In den Niederlanden hatte zuletzt ein Junge Schlagzeilen gemacht, der bereits mit acht Jahren Abi gemacht hat.

Als hochbegabt gilt, wer einen Intelligenzquotienten von über 130 hat. Nur etwa zwei Prozent der deutschen Bevölkerung fallen der Wiesbadener Stiftung "Kleine Füchse" zufolge darunter. Ab einem IQ von 140 spricht man von Höchstbegabung. Auf Werte von 145 oder höher kommen laut der Stiftung noch 0,1 Prozent - also einer von 1000 Menschen.

SPIEGEL ONLINE: Mandy Hoffmann, Sie sind frisch gebackene Abiturientin, herzlich Glückwunsch erst mal! Da Sie so jung sind, neige ich allerdings zum Du. Wie sollen wir es halten?

Mandy: Sagen Sie ruhig Du.

SPIEGEL ONLINE: Du hattest heute Morgen deinen Abi-Streich. Bist du als 14-Jährige die einzige, die nüchtern geblieben ist?

Mandy: Nein, da sind ziemlich viele nüchtern geblieben. Ich kenn eigentlich niemanden, der sich besoffen hat.

SPIEGEL ONLINE: Was habt ihr gemacht?

Mandy: Ach, nur die Treppen an den Eingängen mit Stühlen und Tischen zugebaut. Und die Lehrer mussten Karaoke singen.

SPIEGEL ONLINE: Abiturienten sind in der Regel mindestens 17. Wie ist es für dich, ständig unter Älteren zu sein?

Mandy: Ich war ja nicht plötzlich von heute auf morgen unter 17-, 18-Jährigen, sondern schon eine Weile die jüngste in der Klasse. Das war noch nie ein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Jetzt bist du nicht nur die Jüngste, sondern auch noch die Beste. Deine Abinote ist eine glatte Eins. Wurdest du schon Streberin genannt?

Mandy: Nein, da kann ich mich nicht dran erinnern. Ich wurde deswegen nie geärgert.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird man denn so verdammt früh so verdammt gut?

Mandy: Mir ist Lernen schon immer sehr leichtgefallen. Ich konnte auch schon vor der Grundschule lesen, schreiben und rechnen. Das ist einfach so gekommen.

SPIEGEL ONLINE: Und der Abi-Schnitt ist auch einfach so passiert?

Mandy: Nein, natürlich musste ich dafür lernen! Vielleicht weniger als andere. Aber weil wir in einer Woche drei Prüfungen hatten, habe ich schon im Februar losgelegt. Bei dem Zeitmanagement war das dann aber entspannt.

SPIEGEL ONLINE: So klingt Hochbegabung toll. Gibt es auch etwas, das nervt?

Mandy: Ich war teilweise unterfordert. Aber deswegen konnte ich ja Klassen überspringen. Nervig wird es erst, wenn man mit 14 Abi macht...

SPIEGEL ONLINE: Du meinst mich und meine Kollegen, den ganzen Rummel um deine Person?

Mandy: Ich hätte nicht gedacht, dass das den SPIEGEL interessiert. Die Lokalzeitung, ja. Aber das jetzt ist eindeutig übertrieben. Gerade stand noch die "Bild"-Zeitung vor der Tür. Die hat meine Mutter weggeschickt. Ich bin nicht die erste, die mit 14 Abi macht.

SPIEGEL ONLINE: Aber soweit wir wissen die beste.

Mandy: Ich kenne zumindest noch jemanden, der 14 war und mit 1,3 abgeschlossen hat.

SPIEGEL ONLINE: Du bist jetzt neun Jahre zur Schule gegangen. In Niedersachsen besteht eigentlich zwölf Jahre Schulpflicht. Musst du jetzt drei Jahre nachsitzen?

Mandy: Das Kulturministerium hat sich nicht bei uns gemeldet. Da ich jetzt studiere, ist das wohl kein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Und dann bist du mit 18 fertig und die jüngste und beste auf dem Arbeitsmarkt?

Mandy: Ich will nicht nur einen Bachelor, dann geht das nicht so schnell. Außerdem studiere ich mit Mathe und Chemie zwei Hauptfächer gleichzeitig. Da kann ich ruhig länger brauchen.

SPIEGEL ONLINE: Andere machen nach dem Abi erst mal ein Gap-Jahr, du haust doppelt rein. Willst du dir bei dem Vorsprung nicht erst mal eine Auszeit nehmen?

Mandy: Nein, mir wird viel zu schnell langweilig.



insgesamt 53 Beiträge
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kommentator24de 26.06.2019
1. Gute Besserung Bildungssystem!
Der Fall von Mandy zeigt mal wieder wie bescheuert unser ganzes Schulsystem ist! Entweder du schaffst es eine Klasse zu überspringen oder du trödelst halt so unterfordert mit. Umgekehrt genauso: entweder du bleibst sitzen oder du schaffst es grade noch so. Nix drin mit individuell lernen oder so. Oder Aufgaben machen, die dem aktuellen Lernbedürfnis entsprechen. Lehrplan, Lehrplan, Lehrplan - eigentlich müsste er Leerplan heißen, denn nix anderes wird praktiziert. Studien zeigen, dass Homeschooler später eine deutlich höhere kognitive Leistung erbringen als Regelschüler. Warum? Weil sie angepasst lernen können. Ganz natürlich, menschgemäß, ihrem Wissens- und Kenntnisstand entsprechend und ihrem Bedürfnis entsprechend. Immerhin gibt es den Trend zu flexiblen Einstiegsklassen. Leider setzen sich Erkenntnisse im Bildungssystem sehr sehr sehr sehr langsam durch, sodass wir mit dem tatsächlichen System mindestens 100 Jahre hinterherhinken. Folge sind: ausgepowerte Lehrer, Schüler mit Burnout, abgehängte, demotivierte Schüler usw. Gute Besserung Bildungssystem!
nickleby 26.06.2019
2. Glückwunsch
Die Christophoruschule in Braunschweig ist bekannt für ihre besonders leistrungsstarken Abiturienten. Dass das Mandy Hoffmann nun ihr Studium aufnimmt , dann zielorientiert arbeitet und studiert, ist berüßenswert, Sie verkörpert sichtbar die Tugenden des Fleißes und der Disziplin . Begabung ist kein Frage der Gerechtigkeit, sondern Ausdruck der Vielfalt oder Ungleichheit der Menschen
echtermünchner 26.06.2019
3. Lesen und Schreiben
Wer wohl ein Interesse daran hatte dass Sie vor dem 6.Lebensjahr lesen und schreiben kann? Diese Eltern wissen eben was im 21.Jahrhundert zählt um voran zu kommen im Leben. In meinen Augen alles richtig gemacht. Man kann nie früh genug fordern und fördern. Mein Vater war von Montag-Freitag nicht zu Hause (LKW-Fahrer) und meine Mutter (Hausfrau) hat sich nicht bemüht sich in Deutschland anständig zu integrieren, während Sie von früh bis Abends Fernseher sah und sich so ihr Weltbild formte. Bücher waren nur Deko. Mir vorgelesen bzw. gelesen wurde nie. Naja, die Rechnung bringt der Wirt zum Schluss, wie man sagt.
sj_comment 26.06.2019
4. Glückwunsch und Respekt!
Trotz der bewundernswerten Leistung, mein ganz persönlicher Tip: mach auch mal ne kleine Pause und dann gehts kreativ und mit voller Akkupower weiter. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg und Gesundheit!
Newspeak 26.06.2019
5. ...
Die Interviewfragen wirken ein wenig unbeholfen. So als studiere man ein seltenes Tier. Ich denke das Maedchen ist nicht nur hochbegabt, sondern auch so nett, um das nicht zu kommentieren, aber vermutlich hat Sie sich bei dem Interview auch unterfordert gefuehlt. Unterschwellig registriert man jedenfalls eine gewisse Verwunderung des Fragestellers, dass sich jemand wirklich dafuer interessiert, sein Wissen zu mehren, und wirklich Spass am Lernen hat, also alle Klischees, die es so gibt, werden bedient. Ich finde das persoenlich nicht sehr wertschaetzend, auch wenn es erstmal lustig wirken soll.
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