Bundesweite Statistik Mehr Schüler fallen durchs Abitur

Bald wird es für viele Schüler stressig: Die Abiprüfungen stehen an. Immer wieder wird eine Inflation guter Noten beklagt. Tatsächlich bessert sich der Schnitt - doch es rasseln auch mehr Jugendliche durch.
Abiturprüfung an einer Schule in Niedersachsen (Archiv)

Abiturprüfung an einer Schule in Niedersachsen (Archiv)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / Julian Strate

Die wichtigsten Prüfungen der Oberstufe enden für immer mehr Jugendliche mit einer handfesten Enttäuschung: In Deutschland fallen wieder mehr Schüler durchs Abitur. In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen, wie eine Auswertung der Nachrichtenagentur dpa zeigt. Zuletzt scheiterte demnach etwa einer von 26 Prüflingen.

Während im Abiturjahrgang 2009 laut Statistik  der Kultusministerkonferenz KMK noch 2,34 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Für 2018 liegen noch nicht aus allen Bundesländern Zahlen vor, die Tendenz bestätigt sich jedoch: In vielen Ländern stieg die Quote der Durchgefallenen erneut. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abiturprüfling scheiterte.

Zugleich beklagt jedoch unter anderem der Deutsche Philologenverband schon seit Jahren eine Noteninflation. Und tatsächlich werden bundesweit häufiger gute Noten vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma. Die Abiturnoten werden also extremer.

"Die Schere öffnet sich weiter"

Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen "durchs Rost". "Die Schere öffnet sich immer weiter", sagt Beckmann.

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sieht eher Fehler in der Konzeption des Abiturs. "Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen", sagte sie. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten. "Nur am Schluss, im Abitur, müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr", sagt die Erziehungswissenschaftlerin, deren Verband die Gymnasiallehrer vertritt.

Die Vorsitzende des Philologenverbands plädierte außerdem dafür, Abiturienten strenger zu bewerten. "Was ich will, ist, dass gute Leistung gut bewertet wird, sehr gute Leistung sehr gut, aber nicht ausreichende Leistung eben auch nicht ausreichend." Zur Zeit brauche ein Schüler nicht einmal die Hälfte der Maximalpunktzahl, um eine Prüfung zu bestehen. Das bereite die jungen Leute schlecht auf Arbeitsleben und Studium vor.

Insgesamt sind die Abinoten in den vergangenen Jahren zwar etwas besser geworden, doch nicht stark. Den besten Notendurchschnitt gab es im Jahr 2017 in Thüringen mit 2,18, den schlechtesten in Niedersachsen mit 2,57.

Abiturnoten im Ländervergleich

Bundesland Notendurchschnitt 2017 Notendurchschnitt 2007
Baden-Württemberg 2,42 2,40
Bayern 2,31 2,43
Berlin 2,41 2,57
Brandenburg 2,27 2,47
Bremen 2,47 2,47
Hamburg 2,43 2,56
Hessen 2,41 2,47
Mecklenburg-Vorpommern 2,32 2,40
Niedersachsen 2,57 2,71
Nordrhein-Westfalen 2,45 2,64
Rheinland-Pfalz 2,49 2,63
Saarland 2,37 2,51
Sachsen 2,28 2,46
Sachsen-Anhalt 2,31 2,46
Schleswig-Holstein 2,56 2,62
Thüringen 2,18 2,33
Quelle: Kultusministerkonferenz
lov/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.