Abitur mit 14 "Ich habe mich oft gelangweilt"

Er ist 14 Jahre alt, hat einen IQ von 147 und vier Klassen übersprungen: Nikolaus Hildebrand ist Bayerns jüngster Abiturient. Dabei fand er die Schule eher fad. Im Interview mit dem Jugendmagazin "Jetzt.de" verrät er, wie man sich als Jüngster durchsetzt - und warum er vom Nobelpreis träumt.

Nikolaus, 14, Abiturient: Das Wunder von Bayern

Nikolaus, 14, Abiturient: Das Wunder von Bayern


Frage: Nikolaus, bist du Bayerns Klügster?

Nikolaus Hildebrand: Das schreiben zumindest viele Boulevard-Zeitungen. Ich würde das nicht so nicht sagen. Ich sehe keinen Unterschied zu anderen, also mache ich mir darüber keine Gedanken.

Frage: Was ist das für ein Gefühl? 14 Jahre jung und schon Abitur...

Nikolaus: Klasse ist das schon. Das Leben sollte genauso bleiben, wie es jetzt ist. Ich kann jetzt machen, was ich will, das genieße ich. Ich bin sehr zufrieden.

Frage: Musstest du viel fürs Abitur lernen?

Nikolaus: Ich lerne nicht mehr, aber auch nicht weniger als andere. Natürlich musste ich auch Lernaufwand betreiben. Das allermeiste merke ich mir durch reines Durchlesen. Aber für die Klausuren musste ich schon strategisch vorgehen.

Frage: Wie sehen deine Lernstrategien aus?

Nikolaus: Zunächst lese ich alles. Damit merke ich mir schon einmal 80 Prozent des Stoffes. Dann kommt der zeitaufwendige Teil: Ich schreibe das Lernskript. Dazu gehe ich den ganzen Stoff durch und überlege mir stichpunktartige Musterlösungen zu zu erwartenden Fragestellungen - aus der Sicht des Lehrers. Das kostet mich meist ein bis zwei Tage. Das Ganze zu lernen dauert nochmals einen halben Tag.

Frage: Du hast einen Intelligenzquotienten von 147. Lebt es sich hochbegabt leichter?

Nikolaus: Mir fällt nicht immer alles leicht. Wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten. Manchmal verstehe ich nicht, was andere nicht verstehen, wo es hakt. Irgendwie ist man halt schon etwas Besonderes.

Frage: Deine Klassenkollegen sind fünf Jahre älter als du. Wurdest du von denen ernst genommen?

Nikolaus: Ich wurde immer ernst genommen. Komischerweise war ich nie der Kleine. Jeder hat mir zugehört - meine Meinung hatte richtig Gewicht. Ich möchte behaupten, dass ich sogar eine ziemlich wichtige Rolle in der Kollegstufe inne hatte. Es war schon toll, oft im Mittelpunkt zu stehen. Andererseits muss man gerade dann, wenn einem viele zuhören, auch aufpassen, niemandem auf die Füße zu treten.

Frage: Hast du auch gleichaltrige Freunde, oder gehen da schnell die Gesprächsthemen aus?

Nikolaus: Klar habe ich auch Freunde, die in meinem Alter sind. Meinen besten Freund zum Beispiel. Ich komme mit allen Altersgruppen super klar. Mit den Erwachsenen gehe ich erwachsen um, mit den Jugendlichen, jung.

Frage: Du hast vier Klassen übersprungen. War der Unterricht so anspruchslos?

Nikolaus: Um ehrlich zu sein: Ja. Ich habe mich oft gelangweilt. Oft ging es einfach zu langsam. Ich wollte vom G9 ins G8 und meine Schulzeit verkürzen. Den Stoff der übersprungenen Klassen habe ich mir einfach in den Ferien durchgelesen, um ein Basiswissen zu haben.

Frage: Bist du gern zur Schule gegangen?

Nikolaus: Nein. Ich bin heilfroh, dass alles rum ist. Im Grunde habe ich mir selbst auch mehr beigebracht als die Lehrer. Die Schule ist mir nie komplett gerecht geworden. Ich bin ein wissbegieriger Junge, der selbst bestimmen möchte, wann, wo und was er lernt. In der Schule sagt aber der Lehrer, was zu lernen ist, obwohl man sich gerade für etwas anderes interessiert. Man weiß alles, aber bringt nicht die Fachbegriffe, die im Erwartungshorizont des Lehrers stehen, oder schreibt an der Frage vorbei, weil die Frage einfach zu schwammig gestellt ist. Prompt hat man fünf Punkte. Im Grunde geht es nur darum, Wissen so darzulegen, dass der Lehrer es prüfen kann. Man soll nicht am meisten wissen, sondern es in die beste Form bringen. Das Positive wiederum ist, sich mit anderen auszutauschen. Nirgends lernt man mehr Leute als an der Schule kennen.

Frage: Was machst du in deiner Freizeit?

Nikolaus: Ich lese sehr viel. Am liebsten Sachbücher über Chemie und Physik. Gerne klicke ich mich auch durch Wikipedia Artikel. Ansonsten höre ich Rock und Pop, gehe dreimal die Woche ins Fitnessstudio und segle gern. Nebenbei sammle ich noch ein bisschen Flirterfahrung, schließlich hab ich noch keine Freundin.

Frage: Im August wirst du eine vierwöchige Forschungsarbeit in der Pharmakologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München absolvieren. Worum geht es da?

Nikolaus: Ich werde vier Wochen in der Abteilung für klinische Pharmakologie im Innenstadtklinikum bei Prof. Dr. Endres forschen. Es geht um immunologische Fragestellungen - um angeborene Immunität. Wir wollen die Entdeckung von Fremd-RNA durch RIG-I in der Zelle erforschen.

Frage: Was kommt danach? Studium, Ausland?

Nikolaus: Heute habe ich meine Bewerbung für Chemie zum Wintersemester 2010 an der LMU eingeworfen. Ich hoffe, durch Chemie ein "Weltverständnis" zu bekommen. Um es mit Goethe zu sagen - zu erfahren, "was die Welt im Innersten zusammenhält".

Frage: Wo siehst du dich in 10 Jahren, also mit 24?

Nikolaus: Ich habe meinen Doktor in Biochemie und arbeite an einem spannenden Forschungsprojekt in Harvard.

Frage: Träumst du vom Nobelpreis?

Nikolaus: Das wäre super. Nicht aus eitlen, narzisstischen Motiven, sondern zum Nutzen der Menschheit. Am besten in Bereichen wie der Krebsforschung, der Neurologie oder der Energiefrage.

Das Interview führte Ulrike Schuster für das Jugendmagazin Jetzt.de



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