Turboabitur NRW kehrt zu G9 zurück - weitgehend

Das Turboabitur in Nordrhein-Westfalen wird flächendeckend abgeschafft - das beschloss am Mittwoch der Landtag in Düsseldorf. Trotzdem werden wohl nicht alle Gymnasien zu G9 zurückkehren.
Proteste für die Rückkehr zu G9 (Archivbild)

Proteste für die Rückkehr zu G9 (Archivbild)

Foto: DPA

Die Politik war begeistert, die Eltern zeigten sich skeptisch: Als 2005 in Nordrhein-Westfalen die Schulzeitverkürzung am Gymnasium beschlossen wurde, versprach sich die Landesregierung davon jüngere Abiturienten und effektiveren Unterricht. Eltern dagegen befürchteten in der achtjährigen Gymnasialzeit verstärkten Lernstress - und sorgten durch politischen Dauerdruck dafür, dass der Landtag am Mittwoch die Rückkehr zu G9 beschloss.

13 Jahre lang war erbittert diskutiert werden. Jetzt folgt das bevölkerungsreichste Bundesland mit seiner Kehrtwende dem Beispiel anderer Länder wie Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Allerdings sind die G9-Bildungsgänge in den Bundesländern verschieden geregelt, von Land zu Land ist es - mal wieder - unterschiedlich.

In NRW startet die Rückkehr zu G9 an den staatlichen Gymnasien im Herbst 2019 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Das sind die derzeitigen Dritt- und Viertklässler an den Grundschulen. Der erste reguläre neue G9-Jahrgang macht dann 2027 Abitur. Schüler, die derzeit ein öffentliches Gymnasium besuchen, bleiben aber im G8-Modus.

Gymnasien können wählen

Für Kritik sorgt, dass die Rückkehr zum längeren Lernen an Gymnasien nicht verpflichtend ist und es deshalb in Zukunft auch innerhalb des Landes unterschiedliche Wege zum Abitur geben wird. Denn bis Ende 2018 können sich die Gymnasien auch dafür entscheiden, bei G8 zu bleiben.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) erwartet, dass weniger als zehn Prozent der Gymnasien an G8 festhalten. In NRW gibt es insgesamt 511 öffentliche Gymnasien mit etwa 433.000 Schülern. Hinzu kommen 114 Gymnasien in freier Trägerschaft, etwa der Kirchen. Diese Schulen können frei entscheiden, ob sie G8 oder G9 wollen.

Billig wird die Rückkehr zum längeren Lernen für das Land nicht. Allein die Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium werden bis 2026 auf 518 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen etwa 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten für rund 2300 zusätzliche Lehrer.

him/dpa
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