Abiturschnitt Ostdeutsche räumen die besten Noten ab

Wo in Deutschland haben Abiturienten Top-Zensuren? In Thüringen - 2,30 ist dort der Notenschnitt. Deutscher Meister im "Abi-Vergeigen" ist Berlin. Und nur einer Handvoll Schüler gelingt das Kunststück, mit 4,0 das Abitur gerade noch zu bestehen.


Sieben Schüler in Nordrhein-Westfalen haben das beinahe Unmögliche möglich gemacht: Sie haben ihr Abitur haarscharf mit der Note 4,0 bestanden. Eine Punktlandung - denn mit einer 4,1 wären sie durchgefallen. Bundesweit gelang nur 13 Abiturienten dieses ungewöhnliche Ergebnis, 62 schrammten mit der Durchschnittsnote 3,9 ebenfalls nur knapp am Aus vorbei. Dagegen konnten über 2000 Schüler mit der Supernote 1,0 das Gymnasium verlassen: School's out forever!

Zeugnis verbrennen? In Thüringen haben das die wenigsten Abiturienten nötig
DDP

Zeugnis verbrennen? In Thüringen haben das die wenigsten Abiturienten nötig

Die "Abiturnoten im Ländervergleich" hat die Kultusministerkonferenz veröffentlicht. Sie beziehen sich auf den Abi-Jahrgang 2005, die neuen Zahlen von 2006 liegen noch nicht vor. Den besten Notendurchschnitt erreichten der Statistik zufolge Abiturienten aus Thüringen - mit 2,30 liegen sie bundesweit auf dem ersten Platz. Dahinter folgen Schüler aus Baden-Württemberg (Notenschnitt 2,33), Sachsen-Anhalt (2,36), Mecklenburg-Vorpommern (2,41) und Bayern (2,43). Die schlechtesten Abi-Noten wurden in Niedersachsen vergeben, dort liegt der Schnitt bei 2,72.

In Baden-Württemberg konnten 583 der über 25.000 Abiturienten ihren Eltern ein Zeugnis mit der Traumnote 1,0 unter die Nase halten. In Thüringen schafften 84 Schüler die glatte Eins. Dort gab es allerdings auch nur 8461 Abiturienten. Berlin führt das Ranking mit einem eher traurigen Ergebnis an: 8,1 Prozent der Schüler fielen bei der Reifeprüfung durch - doppelt bis dreimal so viele wie in den meisten anderen Bundesländern.

Was diese Zahlen nicht verraten: Sind die Anforderungen vergleichbar? Gibt es hier "Kuschelnoten", dort besonders strenge Lehrer? Hätten Schüler, die in einem Land durch die Prüfung sausten, ihr Abi anderswo noch knapp geschafft? Wo werden nur die besten Schüler zum Abitur zugelassen - und wo dürfen auch schwächere Schüler ihr Glück versuchen?

In der aktuellen Debatte um das Zentralabitur geht es auch um diese Fragen. Sie kam zustande, weil Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) bundesweit einheitliche Prüfungen gefordert hatte. Wenn es nach ihm geht, sollen Abiturienten in Bremen und Nordrhein-Westfalen künftig die gleichen Prüfungen absolvieren wie bayerische oder schwäbische Schüler. Während die Unionspolitiker die Idee bejubeln, laufen Eltern und Lehrer Sturm. Noch im August wollen sich die unionsregierten Länder auf eine gemeinsame Position einigen.

kat/dpa

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