Abschluss im Ausland Das Abi für überall

Sie will raus in die Welt: Sabrina Miethke, 16, ging in Osnabrück zur Schule, macht jetzt aber ihren Abschluss in einem Mädcheninternat im englischen Südwesten. Mit dem internationalen Abitur kann sie weltweit an fast jeder Uni studieren.

Von Stefanie Hiekmann


"Ich wandere aus", hatte Sabrina auf die Einladungen zu ihrer Abschiedsfete geschrieben. Für ihre Freunde an der Schule in Osnabrück begann gerade die Oberstufe, Sabrina Miethke zog für zwei Jahre nach England, um dort ihr internationales Abitur, das "International Baccalaureate" (IB), zu absolvieren. Das war vor gut einem Jahr.

Andere Leute machen ein Auslandsjahr in den USA oder anderswo. Aber gleich den Abschluss woanders? Warum? "Ich will mir erstmal alle Türen offen halten", sagt Sabrina. Abi in Osnabrück kam für sie irgendwie nicht in Frage. "Ich wollte raus aus Deutschland, einfach mal einen Tapetenwechsel erleben."

Die 16-Jährige macht ihr Abitur mit dem "International Baccalaureate Diploma Programme". Auf der ganzen Welt gibt es inzwischen sogenannte "IB World Schools", die internationale Schulabschlüsse anbieten. Auch in Deutschland wächst die Anzahl der Schulen, die das "IB" vergeben dürfen, da sie das Zertifikat der "International Baccalaureate Organisation" bekommen haben.

Mit dem internationalen Abitur kann man in fast jedem Land an so ziemlich jeder Universität studieren. Auch Nobel-Unis wie Harvard und Oxford akzeptieren den Abschluss ab einer bestimmten Punktzahl.

An die Elite-Unis will Sabrina gar nicht unbedingt. Sie ist nach England gegangen, um bis zum Abitur noch reichlich Erfahrungen mitzunehmen. Sie lernt und lebt in der der Sherborne Girls School, einem Mädcheninternat im Südwesten Englands. Wie andere Schüler paukt Sabrina vormittags in der Schule - aber auch in der Freizeit geht das Sammeln von Punkten fürs IB weiter: 150 Stunden sollen es bis zum Abschluss werden, alle am Nachmittag.

Raus aus Deutschland - hinaus in die Welt

"Das hört sich viel an, ist es aber gar nicht", sagt Sabrina. Im Prinzip seien das auch keine Pflichtaufgaben, sie kann gut ihre Hobbys unterbringen: "Ich spiele Klavier und Saxophon und gehe zum Hockey oder Lacrosse auf den Sportplatz." In der Bibliothek arbeitet sie außerdem und hat einen "Life Saving"-Kurs gemacht, "so ähnlich wie ein DLRG-Schein".

Sabrina kommt gut zurecht an der Sherborne Girls School. Trotzdem - am Anfang war der Schritt ins reine Mädcheninternat für sie ein Kulturschock. Schulklassen gibt es hier nicht, sondern Häuser: "Man muss sich das wie bei Harry Potter vorstellen. Wir punkten beim Hockeyspielen zum Beispiel auch für unser Haus."

In Sherborne liegt alles nah beieinander: "Wenn ich zu Hause in Osnabrück nachmittags zum Klavier wollte, musste ich erst durch die halbe Stadt rödeln", sagt sie. Auf dem Internat sind es nur noch ein paar Schritte.

An ein paar Seiten des Internatlebens muss sich Sabrina aber auch erst gewöhnen: Sie ist fast volljährig, muss sich aber in Sherborne andauernd schriftlich verabschieden, wenn sie mal rausgeht. "Dieses ständige Ein- und Austragen in den Listen nervt total. Immer muss jemand wissen, wo ich gerade bin." Morgens wird sie von einer "grausamen Sirene" geweckt, die alle in die Klassen treibt: "Dieses böse Teil hat einfach was, das sie schlimmer als jede normale Schulglocke macht."

Immerhin, Sabrina kann noch darüber lachen. Nächstes Jahr hat sie ihren internationalen Abschluss in der Tasche. Und dann? "Erstmal komme ich zurück, dann schaue ich, was ich mache - Auswandern geht ja immer noch."



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