Afghanistan Angriffe auf Schulen verdreifacht

Der Schulbesuch in Afghanistan kann lebensgefährlich sein, zuletzt gab es immer mehr Attacken. Hilfsorganisationen warnen: Die positive Entwicklung des Bildungssystems im Land sei in Gefahr.

Schule in Kabul
Rahmat Gul/AP

Schule in Kabul


Mehr als 190 militärische Angriffe auf Schulen hat es in Afghanistan im vergangenen Jahr gegeben. Das teilte das Kinderhilfswerk Unicef mit. "Die Bildung in Afghanistan ist unter Beschuss", sagte eine Sprecherin. Im Vergleich zu 2017 habe sich die Zahl der Attacken knapp verdreifacht.

Bis Ende vergangenen Jahres mussten laut Unicef über tausend Schulen in mehreren Provinzen geschlossen werden. Dabei hatte sich die Bildungssituation in Afghanistan zuletzt leicht verbessert: Laut der Kinderrechtsorganisation Save the Children hatten im Jahr 2015 neunmal mehr Kinder in Afghanistan Zugang zu Bildung als noch 2001.

Inzwischen geht der Trend allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Nach Schätzungen von Unicef gehen derzeit etwa 3,7 Millionen afghanische Kinder zwischen sieben und 17 Jahren nicht zur Schule, das ist die Hälfte aller schulpflichtigen Kinder. Mädchen seien davon besonders betroffen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, nur ein Drittel der weiblichen Jugendlichen könne lesen und schreiben. Neben den fehlenden Schulen sind nach Angaben von Unicef auch die zunehmende Armut und die anhaltende Diskriminierung von Mädchen dafür verantwortlich.

In dem seit den Neunzigerjahren anhaltenden Konflikt mit den radikalislamischen Taliban waren etwa zwei Drittel der Schulen in Afghanistan zerstört worden. Eine der Ursachen für die zunehmenden Angriffe im vergangenen Jahr ist laut Unicef die Nutzung von Schulen als Wahllokale. Auch in anderen Konfliktländern wie Syrien, dem Jemen, Nigeria oder Südsudan seien Schulen immer wieder das Ziel von Angriffen.

jkl/dpa



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