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Schüler in China: Gefügig, aber phantasielos

Foto: Katja Meuß

Als Lehrerin in China Disziplin - Strafarbeiten und Moralpredigten, auch für Eltern

Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

Lehrer schrieben keine Elternbriefe wie wir in Deutschland, Verweise existierten nicht. Dafür hielten die Klassenlehrer während der Studierzeit am Mittag und nach dem offiziellen Unterrichtsschluss am Abend Strafpredigten, die bis zu 30 Minuten dauern konnten. Die Schüler hörten zu, Augen gesenkt, Hände zusammengelegt. Oft schrieben sie im Stehen Strafarbeiten oder Übungsaufgaben ab, das Heft an die Wand gedrückt. Auch das Stehen im Unterricht war als Strafe sehr verbreitet. Oder sie rezitierten vor dem Lehrer lange Passagen eines auswendig gelernten Stoffes.

Eltern werden immer wieder einbestellt und im Lehrerzimmer in ebenso langen Vorträgen belehrt. Andere Lehrer, wartende Eltern und Schüler, alle hörten die unerquicklichen Ansprachen mit. Kollegen erklärten mir, dass die Nankai High School gerade deshalb so hoch angesehen sei, weil sich die Lehrer dort unter anderem mit Strafpredigten um das Wohl der Schüler kümmerten und sie zu wertvollen Menschen erziehen würden.

Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern

Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher

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