Fotostrecke

Schüler in China: Gefügig, aber phantasielos

Foto: Katja Meuß

Als Lehrerin in China Inspektionen - Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen

Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

Die Schulverwaltung von Tianjin hatte der Nankai High School einen Inspektionsbesuch angesagt, in sechs Klassen wollen sie hospitieren. Die Lehrer weihten die Schüler in die Unterrichtsinhalte ein und probten vorab. Alle Klassen, die nicht in die Inspektion eingebunden waren, hatten am Sonntag Unterricht und dafür am Montag frei. So herrschte am Montag in den Gängen und Unterrichtsräumen Stille. Die Inspektoren waren mit der Präsentation der Schule und dem Ergebnis des Besuchs selbstverständlich höchst zufrieden.

Über die künstliche Stille wunderte sich niemand. Einerseits sind Inspektionen in China gewöhnlich reine Show-Veranstaltungen, bei denen es darum geht, eine Fassade zu wahren. Andererseits wundert man sich in China grundsätzlich nicht. Das würde Neugier bedeuten, und die ist unerwünscht.

Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern

Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher