Als Lehrerin in China Inspektionen - Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen

Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

Katja Meuß

Die Schulverwaltung von Tianjin hatte der Nankai High School einen Inspektionsbesuch angesagt, in sechs Klassen wollen sie hospitieren. Die Lehrer weihten die Schüler in die Unterrichtsinhalte ein und probten vorab. Alle Klassen, die nicht in die Inspektion eingebunden waren, hatten am Sonntag Unterricht und dafür am Montag frei. So herrschte am Montag in den Gängen und Unterrichtsräumen Stille. Die Inspektoren waren mit der Präsentation der Schule und dem Ergebnis des Besuchs selbstverständlich höchst zufrieden.

Über die künstliche Stille wunderte sich niemand. Einerseits sind Inspektionen in China gewöhnlich reine Show-Veranstaltungen, bei denen es darum geht, eine Fassade zu wahren. Andererseits wundert man sich in China grundsätzlich nicht. Das würde Neugier bedeuten, und die ist unerwünscht.

Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik

Frontalunterricht: Wenn Schüler verstummen

Teamarbeit: Siegen, egal wie

Kreativität: Wer Fehler macht, wird ausgelacht

Individualität: Schüler verlieren Namen und bekommen Nummern

Inspektionen: Wenn Kontrolleure kommen, müssen Schüler gehen

Disziplin: Strafarbeiten und Moralpredigten, auch für Eltern

Gemeinschaft: Jeder ist sich selbst der nächste

Selbstmord einer Schülerin: Schweigen statt trauern

Aufgezeichnet von: Katja Meuß, bearbeitet von: Christian Bleher



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dimetrodon109 03.04.2012
1.
Zitat von sysopKatja MeußSechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,824356,00.html
"Die Inspektoren waren mit der Präsentation der Schule und dem Ergebnis des Besuchs selbstverständlich höchst zufrieden. " Zumindest hier herrscht Einigkeit mit dem deutschen Schulsystem; wer schon einmal die Showstunden von deutschen Anwärtern mitbekommen hat, das Grinsen der Seminarleiter und Schulräte bei diesen eingeübten Stunden weiß wie es in China läuft; oder die "spontanen" Überprüfungen des Schulamtes (die seit Monaten vorbereitet werden) die natürlich kaum einen Wert haben;deshalb sollten wir alle mit Kritik, Ironie und Schadensfreude sehr vorsichtig sein. Eine chinesische Kollegin würde hier in der Schule jegliche Form des Auswendiglernens vermissen, egal ob Geschichtszahlen oder anderes zu lernende Wissen, sie würde sich über einen Geschichtsunterricht ohne Kriege wundern, über eine andauernde antideutsche Nestbeschmutzung, eine sozialpädagogische Überfrachtung und eine scheinbar zwangfreie Schule sehr wundern. Weltfremde Pädagogen und versteckter Leistungszwang hinter erzwungener Friedfertigkeit welches System ist denn ehrlicher? Diesen Artikle sollte man löschen, er ist verhetzend, arrogant und eigentlich des Spiegels nicht würdig.
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