Musikschule in Angola Hier tönt Mozart durch den Slum

Sie leben in kleinen Hütten, ihre Familien sind arm: In den Slums von Angolas Hauptstadt Luanda wachsen Kinder unter schwierigen Bedingungen auf. Eine Musikschule will ihnen eine Perspektive geben.

Susana Giron

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Wäre sie nicht in die Musikschule Kaposoka aufgenommen worden, hätte sie sich vielleicht prostituiert, Drogen genommen oder wäre betteln gegangen, sagt die 17-jährige Dorcas. Seit fünf Jahren besucht sie nun aber den Unterricht, lernt Klavier und Bratsche und will eines Tages als Solistin arbeiten. "Die Musik hat mich gerettet und mein Leben verändert."

So wie ihr geht es vielen anderen Kindern und Jugendlichen aus Luanda, der Hauptstadt Angolas. Hier steht das Haupthaus der Musikschule. Rund 400 Schüler besuchen die Einrichtung, in der sie Musiktheorie und Instrumente lernen. Die Fotografin Susana Girón hat sie in der Schule besucht und Bilder gemacht, die zeigen, wie der Schulalltag aussieht.

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Durch Musik: Hoffnung für Luandas Kinder

Viele Kinder leben laut Girón in den Slums der Stadt, den sogenannten Musseques, in kleinen Hütten mit unzähligen Verwandten, ohne Wasser und Strom. Die Eltern arbeiten für einen niedrigen Lohn, während die Jungen und Mädchen - auf sich allein gestellt - umherstreifen.

Die Gefahren und Probleme in den Slums sind groß, so Girón: Armut, Unsicherheit, Drogen, Prostitution und Krankheiten gehören dazu. Auch sonst sind die Lebensumstände der Kinder in Angola besorgniserregend.

Eines der Hauptziele der Kaposoka-Musikschule ist es daher, den Jungen und Mädchen eine bessere Zukunft zu bieten. Die Fotografin berichtet, Pedro Françony, der Direktor der Schule, wolle den Schülern eine Chance geben. Sie sollten durch die Musik Wertschätzung erfahren.

Françony leitet die Schule seit der Eröffnung im Jahr 2008. Er will den Schülern neben der kostenlosen musikalischen Ausbildung auch menschliche Werte vermitteln - durch Unterricht in Ethik, Moral und Bürgerkunde. Außerdem erhält jeder Schüler ein kostenloses Mittagessen und eine Krankenversicherung.

Die Kinder haben von Montag bis Freitag Unterricht, jeweils drei Stunden täglich in ihrem Streichinstrument. Außerdem können sie in kleineren Gruppen einmal pro Woche andere Instrumente wie Schlagzeug oder Klavier erlernen.

Zwei Musiklehrer aus Kuba unterstützen die Schule, manchmal bringen auch erfahrene Schüler den Jüngeren etwas bei. Seit der Eröffnung haben fast 4000 Kinder und Jugendliche den Unterricht besucht. Mit dem von der Musikschule gegründeten Symphonieorchester reisen sie durch Angola, wurden aber auch bereits zu Auftritten in Länder wie Spanien, Japan, Argentinien oder Sambia eingeladen.

Das ist auch der Traum des 21-jährigen Manuel: Er will eines Tages Profigeiger werden und mit seinem Instrument durch die Welt reisen. Manuel sagt, wenn er sein Instrument spiele, fühle er sich, als wäre er in den Wolken. Es sei das Schönste in seinem Leben.

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