Bildungsministerin Karliczek "Eine Ausbildung ist genauso gut wie ein Studium"

Wer studiert hat, trägt aus ihrer Sicht nicht mehr zum wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands bei als jemand mit einer Berufsausbildung: Die neue Bildungsministerin Anja Karliczek will nicht vor allem auf Akademisierung setzen.
Anja Karliczek

Anja Karliczek

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In Deutschland gibt es so viele Studenten wie noch nie. Gleichzeitig haben Betriebe Probleme, Auszubildende zu finden. Die neue Bildungsministerin Anja Karliczek will es sich nun zur Aufgabe machen, Ausbildungsberufe aufzuwerten. In einem Interview mit der "Zeit"  sagte sie: "Wenn jemand eine Ausbildung macht, ist das genauso gut, als wenn jemand studiert."

Karliczek selbst hat zwei Ausbildungen absolviert und an einer Fernuni studiert. Außerdem führt die 46-Jährige aus dem Münsterland gemeinsam mit ihrer Familie ein Hotel im Tecklenburger Land. Seit 2013 sitzt sie im Bundestag. Bisher hat sich die CDU-Politikerin vor allem mit Finanzthemen befasst. Ihre Berufung zur Bildungsministerin war deshalb für viele eine Überraschung.

In ihrem ersten Interview mit SPIEGEL ONLINE wollte Karliczek Bildungsthemen deshalb zunächst ausklammern, da sie sich erst einarbeiten wollte. Inzwischen hat sie ihre Kernziele in einer Rede vor dem Bundestag deutlich gemacht. Ihre wichtigsten Aussagen, lesen Sie hier.

Gegenüber der "Zeit" forderte sie, der berufliche Bildungsweg müsse aufgewertet werden - auch mit "schicken Berufsschulen". Allein auf Akademisierung zu setzen sei keine Lösung. "Nur weil jemand sich theoretische Kenntnisse angeeignet hat, trägt er nicht stärker zum wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes bei als jemand, der den praktischen Weg geht", sagte Karliczek. Die Ausbildungswege müssten durchlässiger werden. Gerade das duale Studium habe Hochkonjunktur, weil Absolventen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten.

Karliczeks Kernthema ist auch die Digitalisierung. 3,5 Milliarden Euro will sie in dieser Legislaturperiode in die Digitalisierung der Schulen investieren. Ein Projekt, das bereits Karliczeks Vorgängerin Johanna Wanka auf den Weg gebracht hatte - und heftige Kritik dafür einstecken musste.

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Das Geld soll vor allem in die Infrastruktur fließen. Mit dem Digitalpakt will das Bildungsministerium beispielsweise die Kosten für WLAN, Smartboards und Computer übernehmen. Tablets oder Smartphones sollen die Schüler dagegen selbst mitbringen. "So gut wie alle haben heute ein leistungsfähiges Smartphone, wenn nicht, wird es Unterstützungsmöglichkeiten geben", sagte Karliczek der "Zeit".

Von Handyverboten an Schulen wie in Bayern hält sie wenig. Auch an der Schule ihrer Kinder habe es anfangs ein Handyverbot gegeben. Sie habe sich als Elternsprecherin dafür eingesetzt, dass dies abgeschafft wurde.

Auch die Lehrpläne sollten nach Auffassung der Bildungsministerin anders werden. "In den vergangenen Jahrzehnten haben wir die Kinder immer weiter spezialisiert. Durch die Umwälzungen der digitalen Welt kann aber niemand mehr sagen, was in Zukunft richtig sein wird", sagte Karliczek. Sie habe beispielsweise nie verstanden, warum Fächer wie Politik, Geschichte und Literatur getrennt unterrichtet werden.

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Sie spricht sich auch dafür aus, dass jedes Kind Programmieren lernt, und befürwortet den islamischen Religionsunterricht, aber von "Lehrern, die an deutschen Universitäten ausgebildet wurden", sagte Karliczek.

Ein weiteres wichtiges Thema, das Karliczek ansprach, sind Ganztagsschulen. "Ich lege aber Wert darauf, dass Ganztag ein Angebot bleibt und keine Pflicht wird." SPD und Union hatten im Koalitionsvertrag  einen Rechtsanspruch für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern vereinbart. Andere Themen wie der aktuelle Lehrermangel, prekäre Hochschuljobs und marode Schulen hat Karliczek in dem Interview dagegen weiterhin ausgeklammert.

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