Nach den Anschlägen in Paris Schulen sagen Klassenfahrten ab

Für französische Schüler fallen alle Klassenreisen aus. Und auch deutsche Schulen sind nach den Anschlägen in Paris verunsichert. Ist der Austausch ins Nachbarland eine gute Idee? Manche Lehrer streichen die Pläne. Andere Schulen sagen: "Jetzt erst recht."

Abgesagte Klassenreisen: Vorerst keine Besichtigung des Eiffelturms
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Abgesagte Klassenreisen: Vorerst keine Besichtigung des Eiffelturms


Auf Klassenreise nach Frankreich? Jetzt? Manche Schulen in Deutschland halten das nach den brutalen Terrorangriffen auf Paris für keinen guten Plan. Einige Austauschfahrten sind schon abgesagt oder stehen auf der Kippe. Viele Schulen wollen allerdings auch an ihren Reisen nach Frankreich festhalten.

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Heft 48/2015
Wie die Demokratie den Terror abwehren kann

In Paris hat das Bildungsministerium mit drastischen Maßnahmen reagiert: Seit den Anschlägen am vergangenen Freitag sind aus Sicherheitsgründen sämtliche Schülerausflüge, Exkursionen und auch jeder Schüleraustausch untersagt. In dem Nachbarland gilt der Ausnahmezustand, voraussichtlich noch bis Ende Februar.

"Hier und da Absagen"

In Deutschland wollen die Schulministerien der Länder hingegen keine Vorgabe machen. Die Entscheidung bleibt den einzelnen Schulen überlassen. Hier sind einige Beispiele, wie Schulen mit der Frage umgehen, ob ihre Schüler nach Frankreich fahren dürfen:

  • In Sachsen-Anhalt hat das Liborius-Gymnasium Dessau 17 Schüler zurückgeholt, die seit Mitte November in Roubaix waren. Der Austausch wurde vorzeitig beendet, wie das Landesschulamt in Halle berichtete.

  • Auch das Heinrich-Mann-Gymnasium in Erfurt, Thüringen, erwartete etwa 35 Schüler vorzeitig aus Frankreich zurück.

  • Die Integrierte Gesamtschule Contwig in Rheinland-Pfalz sagte schon jetzt eine Reise zur Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2016 nach Paris ab. Nach den Anschlägen hätten sich sofort besorgte Eltern erkundigt, wie die Sicherheit der Jugendlichen gewährleistet werden könne, berichtete eine Lehrerin. Da das nicht möglich sei, habe man aus Sicherheitsgründen diese Entscheidung getroffen.
  • In Freiburg in Baden-Württemberg sagte ein deutsch-französisches Gymnasium eine Fahrt zu einer Bildungsmesse nach Straßburg ab. Am Stuttgarter Wagenburg-Gymnasium, das viele Franzosen besuchen, überwiegt hingegen die Jetzt-erst-recht-Haltung. "Wir wollen den Kontakt nach Frankreich eher intensivieren, als von terroristischen Anschlägen lahmlegen lassen", sagte die Schulleiterin Petra Wagner. Ihre Schüler wollten trotz des mulmigen Gefühls einzelner zu der Straßburger Messe fahren.
  • In Hamburg gehen viele Eltern offenbar locker mit der Situation um: Mit den Austauschprogrammen der dortigen Behörde für Schule und Berufsbildung sind nach Angaben des Sprechers Peter Albrecht aktuell zehn Schüler in Toulouse und 16 Schüler in der Provence. "Bislang gab es von den Eltern der aktuell teilnehmenden Schüler und Schülerinnen keinerlei Nachfragen zu den Ereignissen in Paris", sagte Albrecht.
  • Aus Mecklenburg-Vorpommern sind laut Bildungsministerium derzeit 60 Schüler zu dreimonatigen Austauschen in Frankreich. Über Absagen ist dem Ministerium nichts bekannt.
  • Direkt an der Grenze zu Frankreich, im Saarland, hält sich das Deutsch-Französische Gymnasium Saarbrücken an die Vorgaben des Erziehungsministeriums in Frankreich. "Transporte in Gruppen sind verboten", sagte die Leiterin der französischen Abteilung, Michelle Krill. Alle seien wegen der Vorfälle besorgt, das betreffe nicht nur die Eltern.
  • Enge Kontakte nach Frankreich pflegt auch die Martin-Luther Schule in Rimbach in Hessen. Laut Schulleiterin Beate Wilhelm stehen keine Besuche auf dem Programm. Falls Stippvisiten zu Weihnachtsmärkten infrage kommen, will die Schulleiterin mit Aufsichtsbehörden und den Eltern sprechen

Auch das Deutsch-Französische Jugendwerk, das viele Austauschprogramme fördert, spürt die Folgen des Terrors in Paris. "Ich kann nicht sagen, dass es massiv wäre, aber es gibt hier und da Absagen von Gruppenaustauschen", sagte eine Sprecherin. Auch riefen immer wieder Eltern an, die nicht wüssten, ob sie ihre Kinder zu Gastfamilien in Frankreich reisen lassen sollten.

bkr/dpa



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