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29. Juni 2004, 17:12 Uhr

Anti-Drogen-Kampagne

Nur die Köpfe sollen qualmen

Schon ab 2005 könnten "Rauchen Verboten"-Schilder die Schulen in Hamburg und Niedersachsen schmücken. Mit dem Vorstoß wollen Bildungspolitiker den Drogenkonsum bei Schülern eindämmen. Doch auch Lehrern droht der Zwangsentzug.

Qualmen in der Schule: Zigaretten müssen draußen bleiben
DDP

Qualmen in der Schule: Zigaretten müssen draußen bleiben

In Hamburg und Niedersachsen sollen Schüler und Lehrer an Schulen künftig nicht mehr rauchen dürfen. Die zuständigen Minister in den beiden Bundesländern planen, den Griff zum Glimmstengel an Schulen generell zu verbieten. Das Verbot soll in den Schulgesetzen oder in den Hausordnungen verankert werden. Womöglich müssen Raucher schon ab 2005 an Schulen auf ihr Genussmittel verzichten. Erste Gespräche mit den Schulleitern soll es nach den Sommerferien geben.

"Ich werde mich für ein absolutes Rauchverbot in Schulen stark machen", sagte Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Auch das Rauchen in der Pause vor der Schule müsse tabuisiert werden. "Und wir müssen ein Bewusstsein in der gesamten Schulöffentlichkeit dafür schaffen, dass auch Klassenfahrten, Schulfeste und andere Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts keine Gelegenheiten für Rauschmittelerfahrungen inklusive Alkohol sein dürfen."

Vom Tabak zum Gras

Hintergrund der Anti-Qualm-Initiative ist das Ergebnis einer Befragung von 3800 Hamburger Schülern durch Experten für Suchtprävention, über die der SPIEGEL berichtete. Danach konsumieren immer mehr jüngere und vor allem rauchende Schüler auch Cannabis. Laut der Studie greifen 38 Prozent der Raucher regelmäßig zum Joint, bei den Nichtrauchern sind es nur zwei Prozent. 77 Prozent der Raucher haben schon Cannabis-Erfahrungen gesammelt gegenüber fünf Prozent bei den Nichtrauchern.

Grafik: Rauchen, Schnupfen, Schlucken
DER SPIEGEL

Grafik: Rauchen, Schnupfen, Schlucken

Es sei eindeutig belegt, dass Rauchen eine Einstiegsdroge für den Konsum von Cannabis sei, so ein Sprecher des niedersächsischen Kultusministeriums. Nach Ansicht der Hamburger Bildungssenatorin Dinges-Dierig gibt es keine rechtlichen Bedenken gegen ein Rauchverbot für Schüler und Lehrer.

Das Vorgehen von Hamburg und Niedersachsen könnte Schule machen. Auch der Ministerpräsidenten-Kandidat der schleswig-holsteinischen CDU, Peter Harry Carstensen, hat ein absolutes Rauchverbot an Schulen gefordert.

"Kiffen ist auch verboten"

Schon einen Schritt weiter ist die Bundeshauptstadt. Mitte Juni beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus, ein generelles Rauchverbot an Berlins Schulen einzuführen.

Ablehnend äußerte sich dagegen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mit Sanktionen könne man bei Schülern wenig erreichen, so GEW-Sprecher Andreas Hamm: "Kiffen ist schließlich auch verboten."

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