Antisemitische Vorfälle Schulen sind schlecht vorbereitet

Wenn antisemitische Sprüche fallen oder Kritzeleien auftauchen, herrscht an vielen Schulen Hilfslosigkeit. Forscher empfehlen in einer Studie nun neues Unterrichtsmaterial und ein flächendeckendes Meldesystem.
Jüdische Schüler (Archivbild)

Jüdische Schüler (Archivbild)

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Daniel Bockwoldt/DPA

Schulen in Deutschland sind nicht gut darauf vorbereitet, mit antisemitischen Vorfällen umzugehen. Um schnell und entschieden reagieren zu können, müsste es ein flächendeckendes Meldesystem geben - und Schulbücher, die das Thema Antisemitismus besser aufarbeiten als bisher. Das schreiben Forscher der Technischen Universität Berlin und der Justus-Liebig-Universität Gießen in einer aktuellen Studie.

Solche Meldesysteme sollten demnach etwa in den unteren Schulaufsichtsbehörden eingerichtet werden. In einigen Bundesländern werde bisher "nur zögerlich" versucht, die Schulen zur Meldung von antisemitischen Vorfällen zu verpflichten, heißt es in der noch unveröffentlichten Studie. Sie liegt dem SPIEGEL exklusiv vor.

Wie unterschiedlich mit dem Thema umgegangen werde, zeigten Beispiele aus zwei Bundesländern: Während das Land Berlin eine antisemitische Lehrkraft nach Medienberichten zeitnah suspendiert habe, habe das Land Niedersachsen in einem vergleichbaren Fall trotz internationaler Medienberichterstattung die Lehrkraft nicht aus dem Schuldienst entlassen.

Oft werde verkannt, dass es sich bei Antisemitismus nicht nur um ein Vorurteil handele, sondern um ein Weltbild, schreiben die Autoren der Studie, Samuel Salzborn und Alexandra Kurth. Dreh- und Angelpunkt sind nach ihrer Auffassung die Schulbücher. Sie wiesen im Hinblick auf das Themenfeld Antisemitismus "nach wie vor Mängel" auf und sollten systematisch überprüft werden.

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Antisemitismus werde bisweilen nur als Teil des Nationalsozialismus gesehen, ohne die Vor- und Nachgeschichte zu berücksichtigen. Die Kulturgeschichte der Juden komme oft zu kurz, Israel werde nach Ansicht der Autoren nur einseitig dargestellt.

Sie schlagen daher ein ergänzendes jahrgangsübergreifendes Schulbuch zu dem Thema vor. Antisemitismus müsse im Politikunterricht ein "Schlüsselthema" werden, fordern die Wissenschaftler in ihrem Papier.

kno
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