Prävention gegen Arbeitslosigkeit Arbeitsagentur will gefährdete Jugendliche erfassen

Jedes Jahr verlassen Zigtausende Jugendliche die Schule ohne Abschluss - oft folgt daraus Langzeitarbeitslosigkeit. Bundesagentur-Chef Scheele will nun mit einem Programm eingreifen.
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"Der Übergang von der Schule in den Beruf oder eine Ausbildung ist der letzte Punkt, an dem wir sozialstaatlich helfen können." Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, will sich verstärkt um Schulabgänger und Schulabbrecher kümmern. Dazu sollen die Jugendlichen beim Übergang von Schule zu Beruf erfasst und beraten werden.

Denn: "Wenn Jugendliche nicht in Ausbildung kommen oder - bei Bedarf - in ausbildungsvorbereitende Maßnahmen, gibt es keine Regelinstitution mehr, mit der sie Kontakt haben. Sie dann wieder zu fassen zu bekommen, ist sehr schwierig", sagte Scheele. Wer vermeiden wolle, dass Jugendliche später in die Langzeitarbeitslosigkeit rutschten, müsse sie frühzeitig erreichen, am besten am Ende ihrer Schulzeit.

Denn die Statistik zeigt: Vor allem Menschen ohne Schulabschluss haben keine Berufsausbildung. Zwei von drei Schulabbrechern schließen laut dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung keine Ausbildung ab. Im Jahr 2017 haben laut der Kultusministerkonferenz rund 52.000 Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen Hauptschulabschluss verlassen.

Der Aufbau einer solchen Auffanglösung für Schul- oder Ausbildungsabbrecher solle zu Beginn des Ausbildungsjahrs 2021 stehen, sagte Scheele.

Kritik von Datenschützern

Scheele bemüht sich bereits seit 2011 um eine verbesserte Erfassung der Schulabgänger an der Schwelle zur Ausbildung - zunächst als Senator für Arbeit und Soziales in Hamburg, später im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Vor allem Datenschützer haben gegen einen solchen behördenübergreifenden Austausch von Daten Jugendlicher allerdings Bedenken.

"Beim Datenschutz werden wir noch etwas Zeit brauchen, bis wir uns einigen", räumte Scheele ein. Grundsätzlich sei das System aber von allen akzeptiert und gewollt.

Das Bundesarbeitsministerium arbeitet laut Scheele an einer Gesetzesregelung. Auch die Bundesländer seien dabei, ihre Gesetze anzupassen. Der Verwaltungsrat der Bundesagentur wolle im zweiten Halbjahr die für die Programmierung des IT-Systems notwendigen Mittel bereitstellen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Scheele eine verbesserte Berufs- und Studienberatung für Schülerinnen und Schüler kurz vor dem Abschluss angekündigt. Dazu sollen 950 neue Berufsberater in die Schulen geschickt werden.

sun/dpa
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