Aufstand in Nordengland Lehrer streiken aus Angst vor Schülern

Gewalttätig, undiszipliniert, angsteinflößend: Weil sie mit dem Verhalten einiger Schüler einfach nicht mehr zurechtkamen, sind die Lehrer einer Schule im englischen Ort Darwen in den Streik getreten. Von der Schulleitung fühlen sie sich bloßgestellt.


Irgendwann haben sie es einfach nicht mehr ausgehalten, die Lehrer der Darwen Vale Highschool im nordenglischen County Lancashire. Die Schüler würden sie anrempeln, klagen die Lehrer, und zu Kämpfen herausfordern. Die Schüler würden drohen, den Unterricht mit ihren Handys zu filmen und die Videos online zu stellen. Die Schüler würden pöbeln und fluchen und falsche Anschuldigungen gegen die Lehrer vorbringen. Es gebe Probleme mit Cybermobbing.

Aus Protest und aus Angst streiken die Lehrer jetzt, rund 70 der 80 Lehrer wollten laut "Guardian" an diesem Donnerstag nicht unterrichten. Sie demonstrierten mit Bannern und bildeten eine Menschenkette, der Unterricht fiel aus.

Sie fordern vor allem mehr Unterstützung von der Schulleitung und mehr Möglichkeiten, schlechtes Benehmen zu bestrafen, sagte ein Sprecher einer Lehrergewerkschaft. Offenbar fühlen sich die Pädagogen im Stich gelassen, auch von den eigenen Vorgesetzten. "Was die Lehrer wollen, ist eine sichere Umgebung für Schüler und Personal", sagte ein Gewerkschaftssprecher dem "Guardian".

Einem Bericht des Senders BBC zufolge, hatte die Schulleitung gewalttätigen Schülern unter anderem Handys zurückgegeben, nachdem die Lehrer diese konfisziert hatten. Dadurch seien die Lehrer bloßgestellt und ihre Bemühungen untergraben worden, hieß es. Etwa 1100 Schüler im Teenager-Alter besuchen die weiterführende Schule in der Kleinstadt Darwen, die rund 36.000 Einwohner hat.

Laut "Guardian" soll der Streik lediglich einen Tag lang dauern. Unterstützt wird er demnach von drei Lehrergewerkschaften. Der Schulleiter teilte auf der Website der Highschool mit, er sei enttäuscht, dass es zum Streik kam. "Die große Mehrheit der Schüler benimmt sich gut und nimmt die eigene Ausbildung ernst."

Auch in Deutschland haben Lehrer bereits mehrfach protestiert, weil sie mit gewalttätigen und undisziplinierten Schülern nicht mehr zurechtkamen - oder aus Wut über die Arbeitsbedingungen. Für besonderes Aufsehen hatte im Jahr 2006 ein Hilfebrief der Lehrer der Berliner Rütli-Schule gesorgt. Mittlerweile hat sich die Problemschule zum Bildungsidyll gewandelt.

otr/dpa



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Michael Giertz, 07.04.2011
1. Hart aber gerecht
Zitat von sysopGewalttätig, undiszipliniert angsteinflößend: Weil sie mit dem Verhalten einiger Schüler einfach nicht mehr zurechtkamen, sind die Lehrer an einer Schule im englischen Ort Darwen in den Streik getreten. http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,755688,00.html
Eventuell sollte man in England (aber auch in Deutschland) darüber nachdenken, Lehrern und Lehrerinnen schlichtweg mehr erzieherischen Einfluss auf Schüler und Schülerinnen zu geben. Wie ist die Situation heute? Lehrer können sich bestenfalls mit "Sechsern", "Einträgen" oder "Elterngesprächen" wehren, wenn einer der Schüler aus der Reihe tanzt. Einem Schüler, dem schlichtweg egal ist, was die Schule anbelangt, ist das aber ebenso egal. Eltern, denen ihr Kind aufgrund niedrigem Bildungsstand auch relativ wurscht ist, lassen sich gar nicht erst auf irgendeinen Dialog mit dem Lehrer ein. Nein, die Forderung nach "körperlicher Züchtigung" durch den Lehrer soll hier nicht kommen. Wohl aber die Forderung nach wirkungsvollen Sanktionen - bis hin zum Einschalten des Jugendamtes, Einweisung in's Heim usw usf. Ein Schüler, der ein Messer zückt und andere bedroht gehört wenigstens für ein paar Tage in's Heim gesteckt. An der Stelle sollte vielleicht doch endlich das Strafmündigkeitsalter herabgesetzt werden - und wenn das nicht möglich ist, sollten Eltern eben für ihre Kinder haften müssen. Wenn also Peter, Heinz, Mehmet und Juri zu einer Gang zusammenschließen und ihre Mitschüler "abziehen" sollten deren Eltern eben mit empfindlichen Geld bzw Haftstrafen bedacht werden: es genügt, wenn der Lehrer Anzeige erstattet. So und nicht anders.
Mathe-Freak 07.04.2011
2. ....
Zitat von Michael GiertzEventuell sollte man in England (aber auch in Deutschland) darüber nachdenken, Lehrern und Lehrerinnen schlichtweg mehr erzieherischen Einfluss auf Schüler und Schülerinnen zu geben. Wie ist die Situation heute? Lehrer können sich bestenfalls mit "Sechsern", "Einträgen" oder "Elterngesprächen" wehren, wenn einer der Schüler aus der Reihe tanzt. Einem Schüler, dem schlichtweg egal ist, was die Schule anbelangt, ist das aber ebenso egal. Eltern, denen ihr Kind aufgrund niedrigem Bildungsstand auch relativ wurscht ist, lassen sich gar nicht erst auf irgendeinen Dialog mit dem Lehrer ein. Nein, die Forderung nach "körperlicher Züchtigung" durch den Lehrer soll hier nicht kommen. Wohl aber die Forderung nach wirkungsvollen Sanktionen - bis hin zum Einschalten des Jugendamtes, Einweisung in's Heim usw usf. Ein Schüler, der ein Messer zückt und andere bedroht gehört wenigstens für ein paar Tage in's Heim gesteckt. An der Stelle sollte vielleicht doch endlich das Strafmündigkeitsalter herabgesetzt werden - und wenn das nicht möglich ist, sollten Eltern eben für ihre Kinder haften müssen. Wenn also Peter, Heinz, Mehmet und Juri zu einer Gang zusammenschließen und ihre Mitschüler "abziehen" sollten deren Eltern eben mit empfindlichen Geld bzw Haftstrafen bedacht werden: es genügt, wenn der Lehrer Anzeige erstattet. So und nicht anders.
Wirklich schade... Das erinnert mich an die Situation wo ein Halbstarker mir sein Taschenesser zeigen musste, in der Öffentlichkeit hätte ich ihn zusammengetreten und ihn erklärt das es recht unhöflich sei und er sich freuen kann das ich nicht mein Messer gezogen hab. Aber an der Schule blieben mir leider keine erzieherischen Möglichkeiten außer zu Petzten.
ZeroQ 08.04.2011
3. ...
Für mich, ist dieses Problem ein sehr wichtiges, welches man schnellst möglichst lösen sollte.Wo kommen wir denn hin, wenn in dieser Jugend solche Gewalt, Pöbelei etc. dazugehört.Ich bin mir sicher, dass ich keine gesetz. Rente mehr bekommen werde.Wenn ich im Rentenalter bin, kann unser jetztiges Rentensystem einfach nicht funktionieren.Aber viel schlimmer ist doch, dass man sich aufgrund solcher Jugendlichen überhaupt nicht mehr sicher ist, wenn man seine eigenen vier Wände verlässt und selbst da ist man nicht mal sicher.Jugendgewalt hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen.Ebenso die Resketklosigkeit und die Hemmschwelle für Gewalt.Wollen wir nicht in bürgerkriegsähnlichen Zustände geraten, müsssen wir diese Problem lösen.Und nicht indem wir härte Strafe durchsetzen, sondern die Gründe, wieso Jugendliche so sind/werden bekämpfen. Oder etwas lügen uns alle Menschen, welche älter als 45 Jahre alt sind, wenn sie sagen, dass früher alles besser gewesen wäre bzgl. der Gewalt, Respekt etc?
jin_fenghuang 08.04.2011
4. "Die große Mehrheit der Schüler ...
/"Die große Mehrheit der Schüler benimmt sich gut und nimmt die eigene Ausbildung ernst."/ Und was heisst das, bitte? 90% sind nett, NUR 10% gewalttaetig? Bedrohung am Arbeitsplatz ist nicht hinzunehmen, egal welcher Beruf. Das die Schulleitung nicht willig oder Faehig ist hinter ihren Lehrern zu stehen ist traurig.
ftesarek 08.04.2011
5. Afstand im Nordengland
Die Schule ist ein Abbild der Gesellschaft. Auch in der Demokratie brauchen die Menschen klare Grenzen zu haben, die Schüler, Kinder noch mehr. Wie sich die Gesellschaft, auch hart, gegen die, die sie missbrauchen, wehren muss, so auch die Schule. Sonst wird unsere Zivilisation immer tiefer in den Schlamm der Unfähigkeit gezogen. Bis sie sich selbst zerlegt und andere, vielleicht weniger demokratische Form des Zusammenlebens die Führung übernimmt.
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