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Leslie Pumm: Jungpolitiker und Erotik-Azubi

Foto: Fabienne Kinzelmann

Azubi im Erotikladen Leslie lernt im Sexshop

Er ist wohl der einzige Sexshop-Azubi Deutschlands: Der 18-jährige Leslie Pumm macht eine Lehre im Erotikfachgeschäft seiner Mutter. Dass er schwul ist, empfindet er bei seiner Arbeit oft als Vorteil.

In der Fetisch-Ecke stapeln sich Accessoires aus Lack und Leder: Masken, Peitschen, knappe Kostümchen. Das ist der Bereich in dem schlauchförmigen Laden, bei dem Leslie Pumm, 18, seine Phantasie ausschalten muss. "Das bereitet mir sonst innerlich Schmerzen", sagt er und schüttelt sich.

Seit März macht Pumm eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Erotikfachgeschäft im Berliner Stadtteil Wedding. Laut örtlicher Handelskammer gibt es in der Hauptstadt keinen anderen Azubi in diesem Bereich, gut möglich, dass Leslie Pumm der einzige Sexshop-Azubi Deutschlands ist.

Angefangen hatte er bei einer großen Elektronikmarktkette, doch schnell war klar: "Dat is nix für mich." Mit seiner Mutter als Chefin, die den Laden seit Jahresanfang betreibt, fühlt er sich wohl, auch wenn der Wechsel vom Elektronikmarkt ins Porno-Fach eine Umstellung war: Im Kaufhaus für Computer, Handys und mp3-Player war es hektisch, die Geräuschkulisse musste bei der Beratung übertönt werden. Im Erotikhandel geht es ruhig und vor allem diskret zu. Seine Mutter wies ihn gleich zu Anfang darauf hin, Potenzprobleme von Kunden, die eine Penispumpe kaufen, nicht durch den Laden zu plärren.

Porno-Azubi und aktiv bei der FDP

Am liebsten berät Pumm zu Kondomen und Gleitgels, da hat er auch schon selbst getestet. Schwieriger wird es bei den Filmen, deren Cover Penisse und Brüste zeigen. Leslie Pumm, der offen schwul lebt, sagt, die Filme seien ihm zu explizit, Lust komme da bei ihm keine auf.

Um den Kunden den richtigen Porno empfehlen zu können, müsste er sich eigentlich quer durch das DVD-Regal gucken, doch das ist ihm zu eklig. Seine Mutter testet stichprobenartig, kürzlich hat sie sich einen "Avatar"-Porno mit vielen blauen Penissen angesehen - damit sie weiß, ob sie den Streifen in der 3D-Variante für 70 Euro guten Gewissens empfehlen kann.

Dass Pumm schwul ist, empfindet er bei seiner Arbeit als Vorteil. Frauen öffneten oft die Gardine zur Umkleide, um die Meinung des Verkäufers zum erotischen Outfit einzuholen. Sitzt es oder sitzt es nicht? Das kann er nüchtern betrachten.

Jungsgucken mit Prosecco, wie bei "Sex and the City"

Junge, hübsche Männer seien hingegen selten im Laden. Nur manchmal fällt eine Gruppe ein, die ein Geburtstagsgeschenk für einen Kumpel sucht. "Mama bleibt dann weg, ich berate in Sachen Gummipuppen", sagt er. Er grinst und zeigt auf einen glänzenden Karton des Modells "Jenna", für 300 Euro, mit vibrierender Zunge.

Die meisten Kunden, sagt Pumm, könnten seine Großväter sein. Früher sei es verpönt gewesen, jetzt guckten sich die Alten gern um. Einer der Stammkunden, den der Azubi auf 80 oder älter schätzt, verlässt den Laden selten ohne Ware im Wert von 500 bis 600 Euro. "Ich habe das Gefühl, , die Alten sind wesentlich experimentierfreudiger", sagt Pumm.

"Kondome in der Drogerie kaufen - superpeinlich"

Seit Pumm die Ausbildung macht, holen Freunde ihn besonders gern von der Arbeit ab. Aber auch über den kleinen Kreis hinaus arbeitet Leslie Pumm an seiner Bekanntheit: Er twittert eifrig , im Mai wurde er Dritter bei der ZDF-Show "Ich kann Kanzler!", und er ist aktiver Liberaler und im Vorstand der Brandenburger FDP.

Pumm greift nach einem schwarz-pinken Lackkostüm, das er neulich selbst auf einem Lady-Gaga-Konzert trug. Dass er Klischees erfüllt, wenn er mit seinen zwei besten schwulen Freunde im Café Jungen nachschaut und dabei gern Prosecco trinkt, ist ihm bewusst, aber es stört ihn nicht.

Ein älteres Ehepaar betritt den Laden, die Frau trägt ein Kopftuch. Vor den Dildos bleiben sie stehen. Er berät kurz, denn bei Dildos kann man viel falsch machen. Meist empfiehlt er welche aus medizinischem Silikon: "Weich, hautverträglich, nicht kalt - in die habe ich mich quasi verliebt."

Aber auch kuriose Modelle stehen im Regal. Er nimmt einen Karton herunter: Stolze 37 Zentimeter misst der fleischfarbene Dildo, der beim Auspacken einen unangenehmen Geruch verströmt. "Das Anfängermodell", nennen er und seine Mutter den Prügel. Er wanderte erst einmal über die Ladentheke, für 51 Euro.

Seiner Mutter ist wichtig, dass der Laden nicht den Anschein eines Schmuddelgeschäfts erweckt. Es gibt keine Videokabinen, die Beleuchtung ist hell, aus den Lautsprechern perlt Popmusik. Doch von außen darf man wegen des Jugendschutzes nicht in den Laden blicken können, auch Mütter mit Kleinkindern werden rausgeschickt. Pumm findet, dass die Altersgrenze gelockert werden sollte. "Kondome in der Drogerie zu kaufen, ist doch für 16-Jährige superpeinlich."

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