Auslandsaufenthalt USA Uni-Schnuppern statt Austauschjahr

Wer nicht gleich für ein ganzes Highschool-Jahr in die USA will, kann seinen Auslandsaufenthalt auch an eine Nobel-Uni verlegen: Für Kurse in den Semesterferien lassen die Hochschulen auch Schüler zu. Mitbringen müssen die Sommergäste gute Noten, Englischkenntnisse und genug Geld.

Mit der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre wird es schwieriger, zu Beginn der Oberstufe ein halbes oder ganzes Jahr zu fehlen. Darum entscheiden sich viele Schüler inzwischen für eine knappere Variante und buchen Sommerkurse an US-Unis in den Semesterferien an.

"Für die einheimischen Studierenden sind die summer sessions eine Möglichkeit, ihre Studienzeit zu verkürzen oder einige Kurse an einer anderen als ihrer Heimathochschule zu absolvieren", erzählt Maria Löb, die zwei Kurse an der renommierten Hochschule in Berkeley absolviert hat. Ausländische Studenten - an zahlreichen Hochschulen auch Schüler - haben ebenso die Chance, eine, zwei oder drei Lehrveranstaltungen zu besuchen.

"Diese Kurse sind nicht so teuer wie ein reguläres Semester, und trotzdem kann man Scheine mit nach Hause nehmen", sagt Alexandra Michel von College Contact in Münster sagt - eine der Agenturen, die solche Angebote vermitteln. Die Vermittlung selbst ist kostenfrei, die Gebühren zahlen die Hochschulen. Die Kurse selbst allerdings sind nicht gerade billig.

Bescheinigte Studienleistungen seien für die Schüler nicht das vordergründige Ziel - dennoch verfallen die Scheine nicht. "Man kann sie sich immer noch anrechnen lassen, wenn man immatrikuliert ist", so Michel. Zudem seien diese Kurse eine gute Möglichkeit, sich bereits während der Schulzeit Richtung Hochschule zu orientieren. "Da kann man die verschiedenen Arbeitsweisen und Fachrichtungen kennenlernen."

Wer jünger als 16 ist, muss ins Wohnheim

Summer Sessions bietet etwa die University of California in Los Angeles (UCLA) an. Auch in Berkeley bei San Francisco, in Riverside, Santa Barbara, Santa Cruz und an der Saint Mary's University im kanadischen Halifax werden Schüler zugelassen. Insgesamt listet College Contact mehr als 50 Hochschulen in Nordamerika und 140 weltweit auf.

"Summer sessions" werden nur die regulären Hochschulkurse in den einzelnen Fachbereichen genannt, "summer institutes" sind einwöchige, themenorientierte Gruppenkurse. "Da gibt es etwa einen Scheinprozess für angehende Juristen oder ein 'Design & Media Arts'-Programm, in dem sich alles um die Produktion von Musikvideos dreht", so Michel. Für diese Kurzaufenthalte an der Uni gibt es allerdings keinen Leistungsnachweis, sie sollen den Teilnehmern praktische Erfahrung einbringen.

"Das geringste Interesse besteht bei deutschen Schülern an Wirtschaftskursen", sagt Michel. Vielmehr bewerben sich Schüler mit ganz speziellen Interessen, in denen sie an diesen Hochschulen Kurse belegen können. "Film, Fernsehen, Medien - das sind an der UCLA begehrte Bereiche." Schüler mit naturwissenschaftlichen Interessen oder mit dem Ziel, Medizin zu studieren, gehören ebenfalls zur Klientel. "Und alle haben eine große Affinität zu den USA."

Das Mindestalter für Jugendliche mit Fernweh ist 15 oder 16 - das legen die Hochschulen fest. "Voraussetzung ist der Abschluss der 10. Klasse", sagt Michel. Alle unter 16-Jährigen müssten in einem bestimmten Wohnheim wohnen. Den meisten Jugendlichen sei das sympathisch. "Sie stehen weniger unter Aufsicht, als wenn sie in einer Gastfamilie leben."

Zwei Kurse: 1500 Dollar

Gute Englischkenntnisse müssen nachgewiesen werden, auch die Gesamtleistung in der Schule sollte stimmen. "Das Zeugnis insgesamt muss nicht überragend sein, aber wir müssen daraus schließen können, dass die Bewerber den Kursen folgen können", sagt Michel. Je nach Weisung der Hochschule liegt die Prüfung der Bewerber teilweise bei College Contact. Andere wünschen etwa den objektiven TOEFL-Test, den "Test of English as a Foreign Language". Muss diese standardisierte Prüfung abgelegt werden, verlängert sich die Vorbereitungszeit - denn der TOEFL wird nur zu bestimmten Zeiten angeboten.

Zeit braucht auch der Erwerb eines Visums, das auch für Schüler in den Vereinigten Staaten Pflicht ist, wenn sie sich den ganzen Tag an ihrer Hochschule aufhalten. "Nur, wenn es sich um ein Programm mit weniger als 18 Kontaktstunden in der Woche handelt und alle anderen Voraussetzungen für das visumfreie Reisen gegeben sind, braucht man kein Visum", sagt Ute Strack von der Diplomatischen Vertretung der USA in Berlin. Auf den Seiten der Botschaft  haben die Berater ein Informationsportal eingerichtet, das viele Fragen bereits beantwortet - etwa, welche Dokumente eingereicht werden müssen und wie lange die Erteilung des Dokuments dauert.

Die Bewerbungsfrist für die Sommerkurse beginnt am 1. März - wer sich zuerst anmeldet, bekommt auch zuerst einen Platz. Etwa ein halbes Jahr vor Bewerbungsstart sollten sich die Schüler über das gewünschte Programm im Klaren sein.

Auch wenn die Vermittlung kostenfrei ist, kosten sechs Wochen Hochschulschnuppern mit Unterkunft und Verpflegung 3500 bis 4000 Dollar (2700 bis 3000 Euro). Der Flug kommt noch hinzu. Allein die internationale Anmeldegebühr beträgt 600 Dollar, zwei Kurse schlagen mit weiteren 1500 Dollar zu Buche. Etwas günstiger sind die kurzen "Institutes". Eine Förderung durch Stipendien ist bei diesen Programmen in der Regel nicht möglich. "Die jungen Leute studieren noch nicht, darum ist kein Fördertopf für sie da", sagt Michel.

Von Verena Wolf, gms

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