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Markus in Südafrika: Schockiert von der Pöbel-Lehrerin

Foto: Markus Hintze

Austausch-Log Südafrika Die Problem-Klasse und ich

Die Rassentrennung in Südafrika ist vorbei, dachte der Austauschschüler Markus Hintze, 16. Doch schon nach wenigen Schulwochen erlebte er eine weiße Lehrerin, die seine schwarzen Mitschüler als Idioten beschimpfte. Er ging zum Direktor - und war danach noch verstörter.

Eigentlich endete die Apartheid, die gesetzliche Diskriminierung der Schwarzen in Südafrika, 1994, das dachte ich zumindest immer. Ich gehe erst seit ein paar Wochen in Südafrika zur Schule und bin schon eines Besseren belehrt worden.

In meiner Schule gibt es sowohl afrikaans- als auch englischsprachige Klassen. Ich bin in einer englischsprachigen Klasse, wo mehr als 90 Prozent meiner Mitschüler farbig sind. Und leider sieht es so aus, als könnte das auch heute noch eine Art Fluch sein, für den man doch eigentlich nichts kann.

Kürzlich fiel unser Sportunterricht aus, weil unser Lehrer krank war. Bei uns an der Schule ist Sport eher Freizeit, denn entweder sind die Lehrer krank oder haben wenig Lust, bei der Wärme Sport zu machen. Eine weiße Lehrerin sollte ihren kranken Kollegen vertreten. Ich kannte sie bis dato nicht, aber meine Mitschüler nannten sie "eine Hexe".

Kaum hatte sie uns begrüßt, wollte sie, dass wir zur Tribüne gehen. Wir sollten schneller laufen und "unsere Ärsche bewegen", sie habe nicht ewig Zeit. Davon war ich schon einigermaßen schockiert. Als wir an der Tribüne ankamen, sollten wir das Essen und Trinken einstellen, nicht singen, lachen oder reden. Wir sollten nur stillsitzen und geradeaus schauen, 45 Minuten lang bei 30 Grad im Schatten.

Weiße kicken, Schwarze gucken zu

Zur selben Zeit hatte eine Afrikaans-Klasse Sport. Sie bestand nur aus weißen Schülern. Sie durften reden und spielten vor unseren Augen Fußball. Unsere Lehrerin redete freundlich mit ihnen. Ein Schüler der Afrikaansklasse wollte erst kurz zu uns kommen, doch dann sah er, wer uns bewacht, und kehrte schnell wieder um. Wir lachten, was der Lehrerin nicht gefiel. Sie sagte, wir seien "Idioten", die über Dinge lachten, die sie nicht verstehen.

Aus Frust und Trotz sang und lachte eine Gruppe meiner farbigen Mitschüler - bis die Lehrerin einen der Jungen aufforderte, zu ihr zu kommen und ihr die Nummer seiner Mutter zu geben. Sie rief die Mutter des Jungen sofort an und teilte ihr mit, dass ihr Sohn keinen Respekt und kein Benehmen habe. Sie beendete das Gespräch, meine Mitschüler sangen und summten immer noch. Da schrie sie wieder, wir seien respektloser Abschaum und Idioten. Dann, endlich, ertönte die Schulklingel.

In der nächsten Stunde gingen eine Freundin, eine Weiße, und ich zum Direktor. Ich war, glaube ich, noch nie so nervös wie vor diesem Gespräch. Als ich den Direktor, er ist weiß, das erste Mal traf, war er sehr nett. Er sagte damals, wenn ich ein Problem habe, sollte ich sofort zu ihm kommen. Nun saß ich schon wenige Wochen nach meiner Ankunft bei ihm.

Unterwandern Schwarze die weißen Schulen?

Wir erzählten ihm, was passiert war, auch von dem Jungen, den die Lehrerin mit einem Anruf bei seiner Mutter bloßgestellt hatte. Er schien das zu verstehen. Doch dann kam die Vertretungslehrerin plötzlich ins Zimmer, anscheinend hatte sie das Gespräch vom Gang aus mitbekommen. Sie nannte uns respektlose Lügner.

Dann fragte uns der Direktor, ob unsere Klasse eine "Problem-Klasse" sei. Ja, sagte meine Freundin. Anscheinend meinte er mit "Problem" farbig. Dann nickte er und sagte, es sei okay, was die Lehrerin gemacht habe. Die Farbigen wären sowieso nicht wegen des Unterrichts hier, sondern "aus politischen Gründen". Wir sollten uns davon aber nicht angesprochen fühlen. Wir gaben uns geschlagen und verließen das Büro.

Später sprach ich mit meinem Gastvater darüber. Ich wollte wissen, was mein Direktor mit "politischen Gründen" gemeint haben könnte. Er erzählte mir von einem politischen Konflikt zwischen Farbigen und Weißen. Die Farbigen seien an der Regierung und versuchten, "weiße" Schulen - an denen meist Afrikaans gesprochen wird - in englischsprachige Schulen "umzupolen", da das die Sprache ist, die die Farbigen sprechen. An den Schulen würden die Farbigen gezielt provozieren. Reaktionen der Schule würden dann sofort öffentlich gemacht und die Schule als rassistisch und ungerecht dargestellt.

Den Vorfall in meiner Sportstunde machte niemand öffentlich. Auch als ich die Lehrerin danach noch mal getroffen habe, war sie sehr nett zu mir. Ich bin der Meinung, Hautfarbe und Herkunft sind egal. Meine Schule hier ist sehr religiös, und wir beten jeden Morgen. Was ich nicht verstehe: Warum widersprechen mein Direktor und die Vertretungslehrerin ihren eigenen Worten, die sie jeden Morgen im Gebet sprechen?


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