Australische Schule Keine schwulen Paare beim Abschlussball

Eine kirchliche Schule in Brisbane hat homosexuellen Schülern strikt verboten, ihre Freunde zur Abschlussfeier mitzubringen. Offizielle Begründung: Die Abiturienten sollen lernen, eine Frau auszuführen. Einige Schüler wollen aber keine Fake-Freundin suchen und wehren sich.


Kein Zutritt für den schwulen Freund: Die Anglican Church Grammar School lässt nur weibliche Begleitung bei der Abschlussfeier Mitte Juni zu. Homosexuelle Absolventen der Jungenschule müssen ihre Freunde zu Hause lassen. Die Entscheidung der kirchlichen Schule, die als eine der renommiertesten im Bundesstaat Queensland gilt, sorgt in Australien für einigen Wirbel.

Neun schwule Schüler, die nicht mit ihren Partnern kommen dürfen, halten die Schule für etwas homophob. Einer der Schüler sagte der Tageszeitung "Courier Mail", er habe sich mit seinem Anliegen an die Schulleitung gewandt - und daraufhin habe der Oberstufenleiter angeboten, dass die Regel "still geändert" werde. Im Gegenzug solle der Schüler keinen großen Rummel um das Homo-Verbot machen.

Doch er entschied sich für den Rummel, weil er kein Einzelfall ist: "Anfang 2006 gab es niemanden an der Schule, der schwul ist, doch jetzt gibt es Dutzende", sagte der Schüler, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Für den Schulleiter zählt die Tradition

Auch die Bildungsbehörde des benachbarten Bundesstaates New South Wales schlägt sich auf die Seite der Schüler. David McKay, in der Behörde für Schülerwohlfahrt zuständig, sagte einem Radiosender, dass Schulen gegen das Gesetz verstießen, wenn sie schwule Paare von Schulveranstaltungen ausschlössen. Die Gesetze zur Antidiskriminierung verbieten demnach Regelungen wie an der kirchlichen Schule in Brisbane.

Schulleiter Jonathan Hensman verteidigt dagegen die Entscheidung und berief sich auf die Schultradition: "Wir haben nicht vor, unser Vorgehen zu ändern. Die Abschlussfeier ist eine Gelegenheit für junge Männer, eine junge Frau in einem formellen Schulumgebung auszuführen." Die Abschlussfeier sei eine schulische Veranstaltung und zugleich ein erzieherisches Forum. Und deshalb entscheide allein die Schule, wie ein angemessenes Verhalten auszusehen habe.

Unterstützung bekommt der Direktor vom Erzbischof der anglikanischen Kirche von Brisbane, Philip Aspinall: "Es ist bedauerlich, wenn bei der Schulverabschiedung die Betonung allzusehr auf die sexuelle Verbindung gelegt wird." Schließlich gebe es auch heterosexuelle Absolventen, die lediglich einen weiblichen Kumpel als Begleitung mitbrächten.

Die betroffenen Schüler geben nicht klein bei und lassen sich von der Haltung der Kirche nicht beeindrucken. Sie wollen die Schulleitung nach den Ferien mit ihrer Haltung konfrontieren. Und dafür kämpfen, dass sie bis zur Abschlussfeier im Juni keine Fake-Freundin suchen müssen.

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