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Ausbildungsreport 2014: So unzufrieden sind Azubis heute

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa

DGB-Ausbildungsreport Lehrlinge sind unzufrieden wie nie

Angehende Industrie- und Bankkaufleute fühlen sich wohl, Maler und Hotelfachkräfte nicht: Laut DGB-Ausbildungsreport ist die Stimmung auf dem Lehrstellenmarkt so mies wie nie.

So hatten sich die angehenden Kaufleute ihre Ausbildung beim Discounter Aldi Süd ganz sicher nicht vorgestellt: Im Juni 2012 wurden mehrere Azubis in einem Lager in Mahlberg (Baden-Württemberg) mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt und von anderen Mitarbeitern, darunter auch einem Vorgesetzten, mit Stiften im Gesicht beschmiert. Ein Auszubildender bekam dafür vor Gericht jetzt ein Schmerzensgeld von 500 Euro zugesprochen.

Ein krasser Einzelfall, natürlich. Im Mittel sind sowohl Kaufleute im Einzelhandel als auch Verkäufer einigermaßen zufrieden mit ihrer Lehrstelle. Wie es in der Breite mit der Arbeitszufriedenheit der Auszubildenden aussieht, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in seinem Ausbildungsreport 2014 zusammengefasst, der am Donnerstag erscheint und SPIEGEL ONLINE vorliegt (hier als PDF). Die Ergebnisse: Der Betriebsalltag hat sich verbessert, trotzdem ist die Arbeitszufriedenheit insgesamt gesunken.

Positiv haben sich zwei Werte entwickelt:

  • Die Zahl der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden machen müssen, ist von 42,2 Prozent (2009) auf 36,6 Prozent (2014) zurückgegangen. Nur 17,1 Prozent erhalten keinen Ausgleich für diese Mehrarbeit - 2010 hatte dieser Wert noch bei 20 Prozent gelegen.
  • Auch die Zahl der Übernahmezusagen für Azubis ist innerhalb der vergangenen fünf Jahre nach oben gegangen, von 23,6 Prozent auf aktuell 29,4 Prozent. Zwei Drittel wissen allerdings immer noch nicht, wie es nach der Ausbildung weitergeht.

Top-Jobs: Industriemechaniker, Industrie- und Bankkaufleute

Insgesamt sind 71,4 Prozent der Azubis mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden" - vor fünf Jahren waren es noch 75,5 Prozent. Das sei zwar insgesamt noch "erfreulich, kann aber nicht über die bestehenden Probleme der anderen Auszubildenden hinwegsehen lassen", heißt es in dem Bericht. Der aktuelle Wert ist der niedrigste, der in den bisher neun DGB-Studien zum Thema ermittelt wurde.

Mehr als 18.300 Azubis waren für die Studie befragt worden, abgedeckt wurden die 25 beliebtesten Ausbildungsberufe in Deutschland. Zufrieden sind vor allem angehende Industriemechaniker, Industrie- und Bankkaufleute; Kritik am Arbeitsalltag kam vor allem von zukünftigen Malern, Hotelfachleuten und Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk. Als Probleme benennt der Report in diesen schlecht bewerteten Berufen "permanent viele Überstunden, einen rauen Ton, den Eindruck, ausgenutzt zu werden und eine oftmals fachlich schlechte Anleitung".

Verpflichtend ist für jeden Betrieb, den Lehrlingen einen Ausbildungsplan zur Verfügung zu stellen, in dem die Lehrinhalte aufgelistet sind. Hier gab ein Drittel der befragten Azubis an, ihnen liege kein entsprechender Ausbildungsplan vor. Ausbildungsfremde Aufgaben erledigt darüber hinaus jeder fünfte Azubi manchmal, jeder zehnte häufig, einige davon sogar immer (3 Prozent). Generell haben es hier Auszubildende in Großbetrieben mit mehr als 500 Mitarbeitern besser als Lehrlinge in Klein- oder Kleinstbetrieben.

Nicht zu viel Lob, bitte

Zu den Problemen zählt der DGB insbesondere, dass allein im Jahr 2013 bundesweit knapp 260.000 Jugendliche in Maßnahmen im Übergangsbereich zwischen Schule und Ausbildung gelandet sind - also in Qualifizierungsmaßnahmen, die als Warteschleife für eine Lehrstelle dienen. Außerdem hätten rund 286.000 bei der Bundesagentur für Arbeit registrierte Ausbildungsbewerber keinen Ausbildungsplatz erhalten.

Die Betriebe müssten deshalb größere Anstrengungen im Bereich der Ausbildung unternehmen - unabhängig davon, dass im Handwerk derzeit 24.000 Lehrstellen nicht besetzt sind. "Der Anteil der ausbildenden Betriebe ist in den vergangenen Jahren stetig gesunken. 2012 haben nur noch 21,3 Prozent aller Betriebe überhaupt ausgebildet", heißt es in dem Bericht: "Diese Zahl ist nicht akzeptabel und wird der gesellschaftlichen Verantwortung der Wirtschaft nicht gerecht."

Zu denken gibt auch eine andere Zahl: Wie schon der Name sagt, sind für die duale Berufsausbildung Betrieb und Berufsschule gleichermaßen wichtig. Doch während zwei Drittel der Lehrlinge die fachliche Qualität ihrer Ausbildung im Betrieb positiv bewerten, fällt die fachliche Ausbildung in den Berufsschulen deutlich ab: Sie findet nur gut die Hälfte (56 Prozent) der Azubis gut oder sehr gut.

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