Urteil gegen Schnürsenkel-Würger Gymnasiast muss zum Sozialtraining

Wegen eines Streits um sein Handy hat ein Schüler auf einer Klassenfahrt seinen Lehrer mit einem Schnürsenkel stranguliert. Dafür wurde der Jugendliche nun verurteilt.


Weil er versucht hat, seinen Lehrer mit einem Schnürsenkel zu würgen, muss ein 16-Jähriger einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Das Landgericht Hannover verurteilte den Jugendlichen wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Es sah aber zunächst von einer Jugendstrafe ab.

Das Gericht setzte die Entscheidung hierüber für zwei Jahre zur Bewährung aus. Es gebe begründete Zweifel, dass schädliche Neigungen vorlägen, teilte das Gericht am Donnerstag mit.

Der Angriff ereignete sich im Herbst 2014 während einer Klassenfahrt des Gymnasiums Bad Pyrmont. Der Lehrer hatte dem Schüler das Handy nach einem Streit um Filmaufnahmen abgenommen. Daraufhin hatte der damals 14-Jährige dem Pädagogen aufgelauert, ihm einen Schnürsenkel um den Hals gelegt und zugezogen.

Zweifel am Tötungsvorsatz

Die Kammer unter Vorsitz des Präsidenten des Landgerichts, Ralph Guise-Rübe, ist davon überzeugt, dass der Schüler seinen Lehrer erst durch einen Schlag an der Hand verletzte und danach versuchte, einen Schnürsenkel als Würgemittel einzusetzen. Schließlich habe er den Klassenlehrer in den Schwitzkasten genommen. Einen versuchten Totschlag sah die Kammer nicht, weil es begründete Zweifel am Tötungsvorsatz gebe.

Der Schüler musste die Schule nach dem Vorfall verlassen und wurde auf ein anderes Gymnasium überwiesen. Nachdem ihm die Anklage zugestellt worden war, flüchtete der junge Deutschrusse nach Russland. Dort wurde er aufgegriffen und verbrachte einige Monate in Auslieferungshaft, bevor er Anfang des Jahres in die Jugendanstalt Hameln überstellt wurde. Seit einem Monat ist er wieder auf freiem Fuß, weil das Gericht nicht mehr von einem versuchten Tötungsdelikt ausging.

brt/dpa



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