Petition in Baden-Württemberg Eltern wollen spätere Einschulung ihrer Kinder

Der Nachwuchs soll nicht schon mit knapp sechs Jahren in die Schule kommen - das verlangen rund 25.000 Unterstützer einer Onlinepetition in Baden-Württemberg. Sie argumentieren dabei höchst emotional.

Der Tag der Einschulung - in Baden-Württemberg wird er zum Streitfall
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Der Tag der Einschulung - in Baden-Württemberg wird er zum Streitfall


Viele Eltern zerbrechen sich kurz vor den Sommerferien den Kopf: Sollte mein Kind ab Herbst wirklich schon zur Schule gehen? Oder ist das noch zu früh? Entscheidend ist dabei vor allem der Stichtag, nach dem die einzelnen Bundesländer ihre Erstklässler einschulen.

In Baden-Württemberg haben sich rund 25.000 Menschen an einer Onlinepetition beteiligt, wonach Kinder nicht mehr mit fünf oder knapp sechs Jahren eingeschult werden sollen, sondern später. Die Petition wurde am Montag im Landtag in Stuttgart eingereicht, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtete.

Eine Elterninitiative hatte die Petition gestartet. Die Gruppe bestehe aus 18 Personen, die sich über Facebook gefunden hätten, schreiben die Initiatoren auf der Website der Petition. Konkret fordern sie:

  • Der Stichtag der Einschulung soll auf den 30. Juni zurückverlegt werden.
  • Für Eltern, deren Kinder im Juli, August oder September sechs Jahre alt werden, würde sich dann etwas ändern: Sie hätten die Möglichkeit zu entscheiden, ob ihr Kind noch in diesem Jahr, also mit gerade sechs oder sogar erst fünf Jahren, oder erst im Folgejahr in die Grundschule kommt.
  • Ihr Anliegen wollen die Initiatoren laut "Stuttgarter Zeitung" am 4. Juli im Bildungsausschuss vortragen.

In Baden-Württemberg werden Kinder, die bis zum 30. September das sechste Lebensjahr vollenden, derzeit im selben Jahr eingeschult. Eine spätere Einschulung ist nur in Sonderfällen möglich, über die unter anderem ein Amtsarzt entscheidet.

Über das perfekte Alter für den Schulbeginn wird in Deutschland seit Jahren gestritten. Bildungsforscher fordern immer wieder, die Einschulung flexibler zu gestalten - unabhängig vom Alter.

Von Bundesland zu Bundesland verschieden

Formal entscheidet das Geburtsdatum darüber, wann ein Kind schulpflichtig wird, außerdem das Ergebnis einer Schuleingangsuntersuchung. Aber die Regelungen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland.

In Sachsen gilt etwa: Kinder, die bis zum 30. Juni ihren sechsten Geburtstag feiern, werden in dem betreffenden Jahr schulpflichtig. In Hamburg ist der Stichtag der 1. Juli, in Thüringen der 1. August, in Rheinland-Pfalz der 31. August.

Die Unterstützer der Petition in Baden-Württemberg tun sich mit dem in ihrem Bundesland festgelegten Datum schwer: "Sind Eltern der Meinung, ihr Kind sei dem Schulalltag noch nicht gewachsen, liegt oft ein schwerer Weg vor ihnen, der nur selten erfolgreich ist", schreiben die Initiatoren. Dabei gehe es um "wertvolle Zeit", die den Kindern nicht genommen werden dürfe.

Kultusministerin unterstützt Forderung

Unterdessen äußerte sich auch Kultusministerin Susanne Eisenmann zu der Forderung, wie die "Badische Zeitung" berichtete. Es spreche "überhaupt nichts dagegen, diesem Wunsch nach Flexibilität und damit der Petition auch nachzugeben", sagte sie. "Ich habe für das Anliegen Verständnis." Sie wolle den Regierungsfraktionen und dem Kabinett den Vorschlag machen, auf den Elternwunsch einzugehen.

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
Skakesbier 03.06.2019
1. Pragmatismus ist gefragt!
a) Manche Kinder sind mit 5 1/2 locker schulreif, andere mit 6 1/2 kaum (und manche leider nie!). b) Also: Erst mal auf die Eltern hören, ggf. einjährigen Aufschub der Einschulung gewähren und fettich!!
gratiola 03.06.2019
2. Es wird immer verrückter
Ich war vor 58 Jahren heil froh in die Schule zu kommen, - mit knapp 6. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß inzwischen Schule und Leistung als Teufelswerk betrachtet wird. Wer nicht Lesen und Schreiben lernen will holt sich das Legastenikerabitur, d. h. es soll alles nach Lust und Laune bzw. besser nach Unlust mit Bestnoten belohnt werden. Am Ende haben wir es mit geistig undifferentierten Erwachsenen zu tun. Für mich bleibt es dabei. Am Besten mit 4 bis 6 schon mal das kleine Einmaleins und Alphabet. Keine Anschreibtafeln, kein Schreiben nach Gehöhr und Frontalunterricht. Der Lehrer ist der "Chef" und die Kinder bekommen die Lernrichtung vorgegeben bei einem Lärmlegel ist wesentlich unter 50 dB zu halten.
seppfett 03.06.2019
3. Flexibel
Flexibel sollte es sein. Ein Heranführen an die Schule bereits ab 4 Jahren ist meines Erachtens von Vorteil. Wir hatten unsere Tochter, die Ende July geboren wurde, auf anraten ein Jahr später in Bayern eingeschult. Das war das schlimmste was wir unserer Tochter antun konnten. Sie hat sich furchtbar gelangweilt und sich zurückgesetzt gefühlt in diesem Jahr. Unsere Enkelkinder in Frankreich gehen weitaus früher in die (Vor-)Schule in der allerdings bereits richtig gelernt wird, Buchstaben, Rechnen, etc. aber noch ohne Prüfungsstress. Sie werden an die richtige Schule herangeführt. Es gibt keine Regelung die für alle Kinder gleichermassen funktioniert.
Röö¶ 03.06.2019
4. "höchst emotional" ?
Wenn mir in den ersten Zeilen eines Beitrags schon ein Urteil untergeschoben wird, welches dann nicht einmal verifiziert wird, so halte ich das für journalistisch unprofessionell und nicht sauber - unabhängig von Gehalt des restlichen Artikels. Ansonsten: nach vielen Jahren leitender Tätigkeit in einer KJP kann ich nur bestätigen, dass in vielen Fällen eine zu früher Einschulung die weitere Schullaufbahn erheblich belastet.
MagittaW 03.06.2019
5.
tja, manche Regelung aus der DDR war und ist eben die bessere: Stichtag 30.Juni ist am sinnvollsten! Und selbst dann kann der zuständige Kinderarzt bei der Schuleingangsuntersuchung in Absprache mit den Eltern das Kind ein Jahr zurückstellen, völlig unproblematisch! Die meisten Eltern sind mit dem vorgesehenen Einschulungsjahr einverstanden, wenn die Eltern nicht wollen, kein Problem. Was BaWü sich bei der Regelung 30.September gedacht hat erschließt sich mir nicht. Die wenigsten Kinder gehen in BaWü in den Kindergarten, die wenigsten dürften mit knapp 6 Jahren schulreif sein. Entsprechend dürfte das Niveau in der 1. Klasse sein... Dann kann man die Kinder auch noch ein weiteres Jahr im Kindergarten lassen, wenn die erste Klasse nicht über das Vorschuljahr hinaus kommt. Nicht ohne Grund ist Sachsen das Land mit den besten Bildungsabschlüssen, die haben sich die guten Sachen aus DDR-Zeiten bewahrt.
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