Baden-Württemberg Nazisymbole im Klassenchat - Ermittlungen gegen Gymnasiasten

Menschenverachtende Inhalte in der Chatgruppe: Die Polizei ermittelt gegen fünf Schüler im baden-württembergischen Leonberg. Die Kultusministerin spricht von einem besonders krassen Fall.

In dem Chat soll das Bild eines Maschinengewehrs verschickt worden sein. Der Untertitel dazu: "Löst bis zu 1800 Asylanträge in der Minute." (Symbolbild)
Jens Kalaene/DPA

In dem Chat soll das Bild eines Maschinengewehrs verschickt worden sein. Der Untertitel dazu: "Löst bis zu 1800 Asylanträge in der Minute." (Symbolbild)


Die Polizei in Baden-Württemberg ermittelt wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und der Verbreitung von Pornografie im Chat einer Schulklasse gegen fünf Gymnasiasten aus Leonberg. Das bestätigte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung über den Fall berichtet.

Die Zeitung veröffentlichte einen Ausschnitt aus einem Schreiben des Schulleiters Klaus Nowotzin an die Eltern, in dem er von Hakenkreuzen, Hitlergruß, sexualisierten Karikaturen und Verunglimpfung von Menschen mit Down-Syndrom berichtete. Es habe auch ein Bild eines Maschinengewehrs in dem Chat gegeben. Der Untertitel dazu: "Löst bis zu 1800 Asylanträge in der Minute".

Der Sprecher des Kultusministerium sagte, er könne zu den Chat-Inhalten wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens nichts sagen. Auch der Leiter des Gymnasiums wollte auf Anfrage des SPIEGEL nicht mehr Stellung nehmen. Laut "Bild"-Zeitung hatte er zuvor gesagt, er habe zum ersten Mal in zehn Jahren die Polizei eingeschaltet. Die Klasse habe erst kürzlich eine KZ-Gedenkstätte besucht.

31 Vorfälle an Schulen in Baden-Württemberg gemeldet

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) forderte Aufklärung - "in besonders krassen Fällen wie in Leonberg selbstverständlich auch unter Einbeziehung der Strafverfolgungsbehörden". Solche Vorfälle dürften nicht verschwiegen werden.

In Baden-Württemberg besteht seit April 2018 an öffentlichen Schulen eine Meldepflicht für Vorfälle mit antisemitischem, anderweitig religiösem oder ethnischem Hintergrund. 31 Schulen hätten seitdem Vorfälle an die Kultusverwaltung gemeldet, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit.

Rechtsradikale und diskriminierende Parolen sowie verfassungsfeindliche Symbole hätten an Schulen nichts zu suchen, weder im Klassenzimmer noch im Klassenchat, teilte Eisenmann mit. "Wir alle sind aufgefordert, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und wachsam gegenüber antisemitischen Tendenzen zu sein."

sun/dpa



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