Highschool in Wisconsin Dutzende Schüler zeigen Hitlergruß - was über den Fall bekannt ist

In den USA posierten etwa 50 Schüler vor einem Schulball mit Hitlergruß - einer verweigerte sich. Wie kam es zu dem Foto, und wer hat es gemacht?

Parkplatz und Gebäude der Baraboo Highschool
Google Street View

Parkplatz und Gebäude der Baraboo Highschool

Von und


Ein Foto sorgt weltweit für Empörung. Darauf zu sehen: Dutzende Schüler aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, die Anzüge tragen, lachen - und den Hitlergruß zeigen.

Die örtliche Schulbehörde distanzierte sich umgehend von dem Bild, die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau warnte auf Twitter vor Hass, und die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Auch Tony Evers, der künftige Gouverneur von Wisconsin, äußerte sich: "Intoleranz und Fanatismus dürfen niemals zugelassen werden, weder in Schulen noch irgendwo anders."

Was ist das für ein Foto?

Auf dem Bild sind Schüler der Junior Class der Baraboo Highschool zu sehen. Baraboo liegt in Wisconsin, USA. Knapp 12.000 Menschen leben dort, fast ausschließlich Weiße.

Das Foto entstand bereits im Frühjahr. Wie die "New York Times" berichtet, wird jedes Jahr vor dem Schulball ein Foto auf den Stufen des Gerichtsgebäudes gemacht. Obwohl die Aufnahme seit Monaten im Netz zu sehen war, verbreitete sie sich erst jetzt.

Der angeblich parodistische Twitter-Account @GoBaraboo hatte das Bild gepostet und dazu geschrieben: "Wir kriegen sogar den schwarzen Jungen dazu, den Arm zu heben. #Baraboostolz".

@GoBaraboo ist ein privater Account, nur Twitter-User, die bestätigt wurden, können ihn ansehen. In den sozialen Netzwerken kursieren trotzdem Screenshots, die den Beitrag zeigen.

Wer hat das Foto gemacht?

Das Bild entstand anscheinend, als der Fotograf Pete Gust die Schüler in zwei Gruppen aufteilte: Mädchen und Jungen. "Ein Mann, vermutlich ein Vater, kam nach vorne und begann, den Schülern Anweisungen zu geben. Sie sollten dies und das tun, irgendwann dann auch den Gruß", sagte eine Mutter dem Sender NBC15. Ihr Sohn sei unter den Abgelichteten. Die Jungen seien nicht ganz sicher gewesen, was sie da taten.

Laut dem Journalisten Jules Suzdaltsev handelt es sich bei dem Vater offenbar um den Fotografen. Auch der Schüler Jordan Blue, der ebenfalls auf dem Bild zu sehen ist, behauptet, der Fotograf selbst habe die Schüler aufgefordert, den Hitlergruß zu zeigen.

Gust hat mittlerweile alle Fotos von der Homepage seiner Agentur Wheel Memories entfernt. Auf der Startseite verurteilte er das Verhalten als "bösartig" und sprach von "Idioten". Seine Zeilen beendete er mit den Worten: "Bei allen, die sich verletzt fühlen, möchte ich mich aufrichtig entschuldigen."

Haben sich alle Schüler auf dem Bild an der Aktion beteiligt?

Nein. Am rechten Bildrand steht ein Junge mit roter Fliege, der unglücklich dreinschaut und die Arme unten lässt. Sein Name ist Jordan Blue. Der New Yorker Journalist Jules Suzdaltsev hat mit ihm gesprochen.

Er habe sich in der Situation unwohl gefühlt. "Ich konnte nicht weggehen, weil es innerhalb von fünf Sekunden gemacht wurde", erklärt er weiter. Aber Blue machte den Gruß nicht mit, weil es gegen seine Überzeugungen wäre, sagt er. Im Internet wird er dafür gefeiert.

Zudem beschuldigte Jordan Blue seine Mitschüler, ihn seit Jahren gemobbt zu haben: "Nichts ist dagegen unternommen worden. Und ich frage mich, ob jemals etwas getan wird."

Vorne im Bild ist ein weiterer Junge zu sehen, der den Arm nicht streckt. Er lacht und formt die rechte Hand zu einem Okay-Zeichen. Das Symbol ist einerseits ein Zeichen der White-Power-Bewegung geworden. Andererseits wird es bei einem Streich namens Circle Game benutzt: Bringt man sein Gegenüber dazu, auf das Okay-Zeichen zu gucken, ist es auf den Prank reingefallen. Wie der Schüler die Geste meinte, ist nicht bekannt.

Wie hat die Schule reagiert?

Die Baraboo High School distanziert sich auf ihrer Website von dem Foto. Sie teilte mit, das Foto widerspreche den Werten und Vorstellungen der Schule. Der Vorfall werde untersucht und Konsequenzen würden geprüft.

In einer weiteren Mitteilung stellt die Schule klar, dass sie stolz sei, aus einer vielfältigen Schulgemeinschaft mit unterschiedlichsten Ethnien, Glaubensrichtungen, Ansichten und sexueller Orientierung zu bestehen. Sie nennt eine Beschwerdestelle, an die sich Schüler wenden können, wenn sie diskriminiert oder belästigt werden. Im Hinblick auf die Herkunft der Schüler gibt es wie im gesamten Distrikt jedoch kaum Vielfalt: Laut dem National Center for Educational Statistics waren vor zwei Jahren 870 der 992 Schüler weiß.

Ob die Schule mit dem Angebot auf konkrete Missstände in der Schulgemeinschaft reagiert oder besonders sensibel und vorsichtig ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Handelt es sich um einen Einzelfall?

Berichte von Schülern legen nahe, dass die Schule ein Mobbingproblem hat und unzureichend auf Beschwerden reagiert.

Mittlerweile haben sich weitere Schüler der Baraboo Highschool bei dem Journalisten Suzdaltsev gemeldet. Auch sie berichten von Rassismus, Diskriminierung und Mobbing - und dass die Schule nichts dagegen unternehme.

Allerdings weist Suzdaltsev darauf hin, dass unter den Einträgen auch Trittbrettfahrer und Trolle sein könnten.

Auch auf dem Account der örtlichen Schulbehörde beschweren sich Nutzer über das Verhalten von Schulangehörigen. Manche sprechen von einem altbekannten Problem in dem Schulbezirk. Allerdings können auch unter diesen Tweets falsche Angaben kursieren.

Bestätigt ist hingegen ein Vorfall von 2012, dessen sich die Schule laut Nachrichtenagentur AP annahm: Damals dekorierte eine Gruppe von Schülern ihre Autos mit der Flagge der Konförderierten, die als Symbol des Rassismus gilt. Angeblich wollten die Jugendlichen damit eines Mitschülers gedenken, der bei einem Autounfall gestorben war. Sie entfernten sie schließlich auf Bitten der Schule.



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