Bayern Kultusminister sieht beim Mathe-Abi keinen Grund zum Eingreifen

Tausende Schüler hatten nach dem Mathe-Abi in Bayern protestiert - es sei zu schwer gewesen. Nun hat sich der Kultusminister geäußert, er kommt zu einem anderen Schluss.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)
Peter Kneffel/ DPA

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler)


Trotz der Proteste von Zehntausenden Schülern gegen das Mathe-Abitur sieht Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) derzeit keinen Grund zum Handeln.

Eine Stichprobenauswertung der Erstkorrektur deute darauf hin, dass der Notendurchschnitt beim Mathe-Abi in Bayern etwas schlechter als in den Vorjahren ausfallen könne, sagte Piazolo. Die schriftliche Mathe-Abiprüfung sei nach Experteneinschätzung jedoch "anspruchsvoll, aber insgesamt angemessen" gewesen.

Das diesjährige Mathe-Abi ist umstritten. Abiturienten bezeichneten es nach den Prüfungen als zu schwer und starteten im Internet eine Petition, die mehr als 70.000 Mal unterzeichnet wurde. (Testen Sie hier, ob Sie die Aufgaben gelöst hätten.)

Vom bayerischen Kultusministerium hieß es, man prüfe die Hinweise zur aktuellen Mathe-Abiturprüfung sorgfältig. Dabei hätten ersten Einschätzungen zufolge jedoch keine Mängel oder Auffälligkeiten festgestellt werden können. Die Ergebnisse böten "aktuell noch keinen Anlass, in die aktuell laufende Abiturprüfung einzugreifen", sagte Piazolo.

Der Kultusminister forderte die Schüler auf, sich auf die noch ausstehenden Kolloquiumsprüfungen zu konzentrieren.

Das Ministerium verwies zugleich darauf, dass die Gesamtabiturdurchschnitte in Bayern seit vielen Jahren in der Spitzengruppe der Bundesländer lägen. Er sei zuversichtlich, dass die bayerischen Schülerinnen und Schüler auch dieses Jahr wieder gute Abiturdurchschnitte erreichen werden, sagte Piazolo.

fek/AFP/dpa



insgesamt 70 Beiträge
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yosh2005 16.05.2019
1. 70000 Unterschriften bei 35000 zugelassenen Schülern
Wie in einem anderen Beitrag berichtet wurde, sind nur 35000 zugelassen. Und 70000 haben unterschrieben. Selbst wenn jeder einzelne zugelassene Abiturient unterzeichnet hätte, dann haben immer noch 50% die Aufgaben NIE gesehen.
Le Commissaire 16.05.2019
2.
Wann ist eigentlich eine Prüfung "zu schwer"? Wenn nicht fast alle eine "1" erhalten? Meines Erachtens sollten Prüfuneg so konzipiert sein, dass maximal 10 Prozent eine 1 (und damit ist beim Abi 15, 14 _oder_ 13 Punkte gemeint) erhalten. In Jura sticht man schon mit einer 2 absolut hervor.
derhahn 16.05.2019
3. Kindergarten
Wie albern das jedes Jahr immer ist. Ich hatte mein Abi '15, da wurde auch rumgemeckert. Die Prüfung war schwer, 6 Punkte gerettet. Trotzdem habe ich nicht eine Sekunde daran gedacht, es ist ungerecht. Ich hätte einfach mal lernen sollen, wir hatten nicht die besten Lehrer und so führt eins zum Anderen. Nicht die Prüfungen sind das Problem, sondern fehlender Unterricht, überforderte Lehrer und manchmal auch einfach faule Schüler. Aufregen ist ja schön einfach.
arac 16.05.2019
4. 70000 / 35000
Zitat von yosh2005Wie in einem anderen Beitrag berichtet wurde, sind nur 35000 zugelassen. Und 70000 haben unterschrieben. Selbst wenn jeder einzelne zugelassene Abiturient unterzeichnet hätte, dann haben immer noch 50% die Aufgaben NIE gesehen.
Ihr Hinweis ist richtig. Das bedeutet aber nicht, dass allein deswegen die Kritik an den Aufgaben unrichtig sein muss. M. E. sind die Aufgaben allerdings tatsächlich aus mathematischer Perspektive nicht zu schwierig gewesen. Das Problem mit den Aufgaben liegt vielmehr darin, wie sie sprachlich formuliert worden sind. Konkret: Niemand braucht zu wissen, was eine Geothermieanlage ist, um zeigen zu können, dass er die Mathematik der entsprechenden Aufgabe beherrscht. Wenn ich das mathematische Problem aber in einer Weise sprachlich einkleide, dass jeder Schüler / jede Schülerin zuerst tiefes Leseverstehen und hohes Weltwissen zeigen muss, bevor er überhaupt bei der Mathematik ankommt, ist das unsinnig. Denn mit der Aufgabe soll ja gemessen werden, wie gut die Schülerinnen und Schüler Mathematik beherrschen und nicht, wie gut sie Lesehürden nehmen können. Hierdurch steht die Konzeption der Aufgabe im Grunde genommen den Ansätzen der modernen Mathematikdidaktik diametral entgegen. Während sprachliche Barrieren bei Aufgaben, die zur Förderung eingesetzt werden sollen, Sinn ergeben, wird die Validität massiv eingeschränkt, wenn sie bei Aufgaben zu finden sind, die ein diagnostisches Ziel verfolgen. Letztlich wird hierdurch deutlich, wie unkundig diese zentral entworfenen Aufgaben erstellt worden sind - zumal dies nicht zum ersten Mal im Kontext von Zentralprüfungen geschehen ist, sondern im Gegenteil solche Konstruktionsfehler im Rahmen zentraler Prüfungen eher die Regel sind.
TSP 16.05.2019
5.
Die Klage über ein schweres Mathe Abitur ist wohl so alt wie das Abitur selbst. Ja, auch mein Mathe Abitur (Bayern 1987) ist richtig schlecht gelaufen... Wäre irgend jemand von uns auf die Idee gekommen eine Petition einzureichen? Das hätte dann ungefähr so ausgesehen: Schüler steht mit Plakat in seinem Heimatdorf auf dem Marktplatz und versucht Unterstützer zum Unterschreiben zu bewegen. Viele hätten wohl nur mit Unverständnis reagiert und maximal dem Schüler empfohlen mehr zu lernen. Die meisten wären noch nicht mal stehen geblieben. Ich verstehe sehr wohl, dass viele Schüler von ihrem Abitur enttäuscht sind, aber hey, willkommen im realen Leben. Die Massen mit einer Online Petition vor den eigenen Karren zu spannen kostet kein persönliches Opfer aber erzeugt ein riesiges Medienecho. Sogar unsere Politiker fühlen sich gezwungen sich damit zu beschäftigen als hätten wir keine wichtigeren Probleme. Willkommen im Zeitalter der Massenmobilisierung.
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