Bayern Ministerium verschickt Heu für 120.000 Euro

Bayern gilt als reiches Bundesland, diese Aktion wirkt denn aber doch überzogen. Das Landwirtschaftsministerium kaufte in großem Umfang Heu und verschickte es an Schulkinder. Kostenpunkt der Werbeaktion für die Landwirtschaft: rund 120.000 Euro.
Bayerns Landwirtschaftsminister: Helmut Brunners (CSU) Haus gab Geld für Heu

Bayerns Landwirtschaftsminister: Helmut Brunners (CSU) Haus gab Geld für Heu

Foto: Frank Leonhardt/ dpa

Gut gerechnet müssten ungefähr 250 große Rundballen Heu in DIN-A4-Kuverts gestopft worden sein. Eine Heidenarbeit. Aber ein gutes Geschäft für einen unbekannten Landwirt und für eine Werbefirma, die dem bayerischen Landwirtschaftsministerium die wahrscheinlich sinnloseste Aktion des Vorwahljahres unterjubeln konnte.

Das Programm "Erlebnis Bauernhof", zu dem das Landwirtschaftsministerium bayerische Schulklassen animieren wollte, kam 2012 nicht so recht in Schwung. Eigentlich sollte jede 3. oder 4. Grundschulklasse einen Tag auf dem Bauernhof verbringen. Ein ausgesuchter "Erlebnislandwirt", der die Kinder durch seinen Hof führt, bekommt 140 Euro Honorar. Und bei den Schülern soll das Bewusstsein dafür wachsen, woher Nahrungsmittel stammen.

Die Buchungen für die Tagestouren "Vom Korn zum Brot" und "Vom Gras zur Butter" liefen zäh, vor allem im ländlichen Raum, wo man Schulkindern unterstellen darf, dass sie sich mit Ackerbau und Viehzucht ein wenig auskennen. Das Ministerium versuchte das Geschäft mit Duftproben anzukurbeln. Im November erreichten 11.350 Briefumschläge mit Heu die Grund- und Förderschulen.

Ministerium: Aktion kostete nur 50 Cent pro Schüler

Einer der Umschläge ging über die Schule auch an Familie Noichl in Rosenheim und damit an Maria Noichl, die für die SPD im bayerischen Landtag sitzt. Noichl wunderte sich, dass frisches Wiesenheu aus der Stadt München zu ihr aufs Land verschickt werden muss. Auf Noichls Nachfrage räumte das Ministerium ein, dass man für die Werbeaktion Heu für 25.000 Euro eingekauft hatte. Samt Infoblättern und Porto verschlang die Bauernhof-Reklame sogar 120.000 Euro.

Kein großes Ding zwar, wenn man den bayerischen Milliardenhaushalt betrachtet. Für die SPD aber ein willkommener Anlass, auf einen klaren Fall von verschwendeten Steuergeldern hinzuweisen. Zumal der Haushaltsposten 0803/TG 75, aus dem die Mittel für die Heu-Verschickung entnommen wurden, den Titel trägt: "Maßnahmen zur Begleitung des demografischen Wandels im ländlichen Raum".

Aus dem Ministerium heißt es, die Aktion habe unterschiedliche Reaktionen ausgelöst, es habe aber auch positive Bewertungen der Schulen gegeben. Einige Lehrer würden bereits nach passenden Bauernhöfen in ihrer Umgebung suchen. Und schließlich habe man pro beschicktem Schüler ja nur 50 Cent ausgegeben.

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