Freizügig gekleidet zum Unterricht Rektor wehrt sich gegen Kritik an "XXL-Straf-Shirts"

Eine bayerische Schule hält für Jugendliche, die zu viel nackte Haut im Unterricht zeigen, sackartige T-Shirts bereit - und kassiert dafür heftige Schelte. Zu Recht?
Christian Kröll mit Schülerinnen in XXL-Shirts

Christian Kröll mit Schülerinnen in XXL-Shirts

Foto: Roider / Osterhofener Zeitung

Es begann mit einem Bericht in der "Passauer Neuen Presse". Die Zeitung veröffentlichte am Dienstag ein Foto von einem bayerischen Rektor, der stolz auf drei Schülerinnen deutete, die übergroße T-Shirts trugen.

"I love Mittelschule Osterhofen", steht auf einem. "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!", steht auf einem anderen. Wie Schulleiter Christian Kröll in dem Artikel berichtet , seien die T-Shirts dazu da, um sie Jugendlichen überzustreifen, die in zu knapper oder zu tief ausgeschnittener Kleidung im Unterricht erschienen.

Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung über der Schule im Landkreis Deggendorf in Niederbayern los. Mehrere Medien schrieben von "Strafkleidung" und "Bestrafungs-T-Shirts". "Was ist das bitte? Wir sind im 21. Jahrhundert", kritisierte eine Leserin. "Wie sollen junge Menschen an Freiheit und Verantwortung herangeführt werden, wenn man die Kleidung reglementiert?", fragte ein Nutzer.

Rektor Kröll kann die Aufregung nicht verstehen. Die XXL-Shirts seien natürlich nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungs gedacht. Und die Entscheidung, einige der bedruckten Shirts anzuschaffen, habe das Schulforum, in dem Lehrer, Eltern und Schüler vertreten sind, vor rund zweieinhalb Jahren gemeinsam gefällt.

Seither habe man höchstens zwei T-Shirts ausgegeben. "Die Schülerinnen, die sie übergestreift haben, fanden sie so gut, dass wir ihnen die T-Shirts geschenkt haben", sagte der 44-Jährige dem SPIEGEL. Im Lehrerzimmer seien zuletzt gar keine Shirts mehr vorrätig gewesen. "Wir hatten sie für den Bericht der 'Passauer Neuen Presse' extra nachbestellt."

Er kenne Schulleitungen, die Schüler abholen oder Eltern angemessenere Kleidung in die Schule bringen ließen. "Das führt unnötig zu Stress und Streit." Die XXL-T-Shirts seien hingegen ein "charmanter" Weg, um auf "kleine Unstimmigkeiten" im Outfit hinzuweisen.

In den meisten Presseberichten fühlt Kröll seine Schule völlig verzerrt dargestellt. "Wir sind sehr tolerant", sagt der Rektor. "All die Probleme, die uns da angedichtet werden, haben wir gar nicht."

Am Freitagnachmittag veröffentlichte die Schule einen Beitrag auf ihrer Homepage , der laut Schulleitung mit Elternbeirat und Schülervertretung angestimmt ist. "Wir sind stolz auf unsere Schulgemeinschaft und finden unsere T-Shirt-Lösung cool", heißt es dort.

Ob Jogginghose, Muskelshirt oder Hotpants: Immer wieder diskutieren Schüler und Lehrer darüber, welche Kleidung im Unterricht angemessen ist und welche Regeln gelten sollen, damit sich niemand an extravaganten Outfits stört.

Auch woanders gab es bereits ähnliche Ideen wie in Osterhofen. Ein Stuttgarter Privatgymnasium führte schwarze XXL-Shirts ein - und händigte sie daraufhin nur sehr selten aus, und dann jedes Mal an Jungs.

Das weiße T-Shirt einer Schule aus Horb am Neckar in Baden-Württemberg, das unpassende Kleidung bedecken sollte, wurde zuletzt sogar in die Sammlung des Bonner Hauses der Geschichte aufgenommen, zusammen mit dem passenden Brief an die Eltern.

lov