Söder verteidigt bayerische Ferienregelung "Wir haben unseren Biorhythmus"

Beim Streit um die Ferienzeiten will Markus Söder nicht nachgeben: Man habe einen "Biorhythmus", der habe sich bewährt. Berlin droht mit Konsequenzen.

Hat seinen eigenen Biorhythmus: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder
Jens Schlueter/ Getty Images

Hat seinen eigenen Biorhythmus: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder


In der Diskussion um eine Neuordnung der Ferienzeiten in Deutschland hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Sonderregelung für sein Bundesland verteidigt. "Wir haben unseren Biorhythmus mit den Ferien - den wollen wir gern behalten", sagte Söder am Mittwochabend bei einer Veranstaltung der "Bild"-Zeitung. "Wir haben das schon immer so gemacht - das hat sich gut bewährt."

Um Staus auf den Autobahnen zu vermeiden und Hotels eine gleichmäßige Auslastung zu verschaffen, haben sich die Bundesländer bei den Ferien auf ein sogenanntes rollierendes System verständigt. Es teilt die Länder in Gruppen ein, die nacheinander in die Sommerferien starten und sich mit frühem und späterem Ferienbeginn abwechseln - jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt. Nur Bayern und Baden-Württemberg sind bisher davon ausgenommen.

Hamburg und Berlin machen sich deshalb für neue Regeln bei den Sommerferien stark. Ihr Ziel ist es, die freien Tage zeitlich weniger zu strecken. So sollen die Sommerferien erst ab 1. Juli beginnen, die unterschiedlichen Termine der Länder enger zusammenrücken und die jährlichen Verschiebungen möglichst gering ausfallen.

Mit dem Beharren auf den späten Sommerferien greifen Bayern und Baden-Württemberg aus Sicht von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) den Föderalismus an: "Es kann nicht sein, dass einige glauben, Föderalismus ist dazu da, dass sie einfach ihre Eigeninteressen durchsetzen können, sondern es ist ein Geben und Nehmen", sagte der Berliner Regierungschef dem Deutschlandfunk. Irgendwann müsse man mal über Konsequenzen nachdenken.

Auch andere Bundesländer hatten den Vorstoß heftig kritisiert: "Dieser Schuss aus Bayern wird nach hinten losgehen: Jetzt wird jedes Land genau wie Bayern die Sommerferien im Alleingang festlegen", sagte Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) und fügte hinzu: "Viel Spaß auf den langen bayerischen Autobahnen."

Niedersachsen sieht ebenfalls keinen Grund für einen bayerischen Sonderweg: "Nur gemeinsam können wir die beste Lösung finden", teilte das Bildungsministerium auf Anfrage mit. Die Sommerferien seien von der Kultusministerkonferenz einvernehmlich festzulegen - "nach pädagogischen Gesichtspunkten".

faq/dpa



insgesamt 150 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sunsailor2 28.11.2019
1.
Da Bayern sich gerne seine Eigenheiten betont und sich daher bewusst nicht als Teil des ganzen sehen möchte, wie es auch GB in der EU nicht tat, möchte ich hier eine ähnliche Lösung ans Herz legen und empfehle einen Austritt aus der Bundesrepublik. Und nein - ich bin Hesse, wir sind auch Nettozahler, bevor irgendwas in der Richtung kommt ;)
qwertzuiopü 28.11.2019
2. Kanzlerkandidat?
Einige Medien handeln Söder schon als nächsten Bundeskanzler. Dabei sieht man doch, dass die CSU niemals gesamtdeutsche Interessen den bayrischen vorziehen wird. Regionalpartei bleibt nun mal Regionalpartei. Auch wenn die eigenen Ansprüche immer höher sind.
Melatonin 28.11.2019
3. ...
"Wir haben das schon immer so gemacht - das hat sich gut bewährt." tja, das ist natürlich argumentativ und sachlogisch äußert brilliant. Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem kann auch nicht mehr geholfen werden. Ich sehe mich ja als einen toleranten und weltoffenen Menschen mit einer ausgeprägten Faszination für fremde Kulturen, aber dieses mia-san-mia-Gehabe geht einem so dermaßen auf den Keks, dass man sich eine Abschiebung Bayerns an wen auch immer (vielleicht meldet Österreich Interesse?) wünscht.
Bowie 28.11.2019
4. Einmal mehr zeigt Bayern...
...sein erbärmliches Fehlen von Solidarität mit dem Rest von Deutschland. Sei es das Gemecker über den Länderfinanzausgleich (nachdem sie selber vierzig Jahre lang Nehmerland waren). Sei es das Stoibersche Gezeter über den Solidaritätszuschlag für die neuen Bundesländer, den Bayern schon sehr früh kippen wollte. Das Geschrei über das teure Berlin oder jetzt das Beanspruchen von Sonderrechten ohne irgendeine Berechtigung. In überheblicher, großkotizger "Mia san mia" - Mentalität glauben bayerische konservative Politiker gerne, gleicher als andere zu sein und Extrawürste beanspruchen zu können, kaum nachdem sie ihre Melkschemel abgeschnallt haben... . Und es wird Zeit, dass der Bund den Bayern mal zwischen die (Kuh)hörner haut, ihnen zeigt, wo ihr Platz ist und gemeinsame Regeln für alle gelten.
cup01 28.11.2019
5. Keine Tradition mehr...
Söder scheint die eigene Landestradition nicht zu kennen. Meines Wissens sollten die Kinder der Bauern früher bei der Ernte helfen können. Das hat sich lange überholt. Heute gibt es kaum noch Bauern und noch weniger Bedarf an Erntehelfern. Also nix da mit Biorhythmus. Die Ferientermine stehen zur Disposition. Basta.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.