Behinderte Schüler Deutschland kommt bei Inklusion kaum voran

Vier von fünf behinderten oder lernschwachen Kindern werden auf Sonderschulen verbannt - und haben kaum eine Chance auf einen vernünftigen Abschluss. Das zeigt erneut eine aktuelle Analyse der Bertelsmann-Stiftung.

Beim Einbinden behinderter und lernschwacher Kindern in den herkömmlichen Schulunterricht macht Deutschland kaum Fortschritte, wie eine aktuelle Datenauswertung der Bertelsmannstiftung zeigt . "Bei uns sind 80 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf auf einer Förderschule. In den meisten Ländern Europas ist es genau umgekehrt. Dort gehen 80 Prozent dieser Kinder in eine Regelschule", sagte Annette Stein, Projektleiterin bei der Stiftung.

Vor allem in weiterführenden Schulen gebe es zu wenige Angebote, daher werde die große Mehrheit in separaten Förderschulen unterrichtet. "So ging im Schuljahr 2009/2010 von den 485.000 Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Deutschland nur jeder Fünfte auf eine Regelschule", teilte die Stiftung mit.

Dabei sieht die UN-Behindertenrechtskonvention  sieht vor, dass kein Kind aufgrund möglicher körperlicher und geistiger Handicaps vom Besuch einer Regelschule ausgeschlossen werden soll. Auch in Deutschland ist die Konvention seit über zwei Jahren geltendes Recht - nur eben noch längst nicht überall umgesetzt.

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Förderbedarf sei jedoch dringend geboten, hieß es bei der Stiftung. Der Anteil der Kinder mit diagnostiziertem Förderbedarf sei im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. "Mehr als die Hälfte aller Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss kommt in Deutschland aus Förderschulen."

Inklusive Bildung ende zu häufig nach der Kita, kritisierte die Stiftung weiter. "Während in den Kindertageseinrichtungen im Bundesdurchschnitt 68 Prozent der Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit Gleichaltrigen eine inklusive Einrichtung besuchen können, sinkt ihr Anteil in Grundschulen auf 35 Prozent und in den weiterführenden Schulen auf bundesweit nur 17,2 Prozent." Viele Kinder müssten deswegen früher oder später auf eine separate Förderschule wechseln.

otr/dpa
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