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05. Mai 2017, 06:48 Uhr

Nach Mobbing an Berliner Schule

Muslime verurteilen Antisemitismus

In der Debatte um Antisemitismus an deutschen Schulen melden sich Muslime mit deutlichen Worten: Sie verurteilen die Übergriffe und fordern andere Muslime auf, sich "ihres Glaubens würdig" zu verhalten.

"Ich kann nicht mit dir befreundet sein, Juden sind alle Mörder." Mit diesen und anderen Attacken soll ein 14-Jähriger an einer Schule in Berlin-Friedenau monatelang von seinen Mitschülern gemobbt und angegriffen worden sein. Die Eltern des Jungen nahmen ihn daraufhin von der Schule. Der Fall hatte deutschlandweit für Aufsehen gesorgt.

Nun stellen sich Muslime in einem offenen Brief klar gegen Antisemitismus. Mit "Entsetzen" habe man wahrgenommen, dass "Schüler und Schülerinnen jüdischen Glaubens aufgrund ihrer Religion von muslimischem Mitschülern und Mitschülerinnen gehänselt, beschimpft und bedroht wurden und werden".

Der Brief wurde von sechs Imamen und zwölf muslimischen Organisationen und Verbänden unterzeichnet, darunter auch der Zentralrat der Muslime, einer der größten muslimischen Dachverbände in Deutschland.

Nicht mit Islam zu rechtfertigen

Die Unterzeichner verurteilen die Übergriffe und appellieren an alle Muslime, sich ihres Glaubens würdig zu verhalten. Die Diskriminierung Andersgläubiger lasse sich nicht mit dem islamischen Glauben rechtfertigen.

Um ihre Haltung zu bekräftigen, zitieren die Muslime aus dem Koran:

"O ihr Menschen! Ich erschuf euch als Mann und Frau und machte euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennen lernt. Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Gott ist allwissend, allkundig."

Zudem verweisen die Unterstützer des offenen Briefes auf eine Grundsatzerklärung, die Juden und Muslime gemeinsam formuliert haben. Im Rahmen des Projektes "meet2respect" erklären sich die Muslime bereit, die betroffene Schule in Berlin-Friedenau und andere Schulen zu besuchen.

koe

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