Weniger Gebühren ab 1. August In diesen Bundesländern werden Kita-Eltern jetzt entlastet

Mehrere Hundert Euro pro Monat - oder gar nichts: In Deutschland entscheidet vor allem der Wohnort, wie viel ein Kitaplatz kostet. Berlin ist nun das erste Bundesland, das die Gebühren komplett abschafft.
Familie

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Foto: Peter Kneffel/ dpa

Ab dem 1. August müssen Eltern in Berlin für die Betreuung ihrer Kinder in Kitas oder bei Tagesmüttern keine Beiträge mehr zahlen - unabhängig von der Stundenzahl. Das Bundesland ist das erste, das die Kitagebühren komplett abschafft. Für etliche Familien dürfte das aber nur wenig bringen - weil sie gar keinen Platz für ihr Kind finden. Wie verzweifelt einige Berliner derzeit nach einer Betreuung für den Nachwuchs suchen, lesen Sie hier.

Bislang zahlten Familien in Berlin im Mittel 1,8 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kita - damit war das Bundesland am preisgünstigsten in Deutschland . Zum Vergleich: In Schleswig-Holstein gehen im Schnitt neun Prozent des Nettoeinkommens einer Familie für die Kinderbetreuung drauf.

Aber auch in anderen Bundesländern tut sich nun etwas: In Niedersachsen und Hessen ist die Kinderbetreuung ab 1. August für Kinder ab drei Jahren beitragsfrei. Und in Brandenburg müssen Eltern ab 1. August für das letzte Kita-Jahr kein Geld mehr zahlen.

In Rheinland-Pfalz gibt es die Beitragsfreiheit für Kinder ab zwei Jahren bereits seit 2010. In Hamburg können Eltern seit 2014 ihr Kind fünf Stunden pro Tag kostenlos betreuen lassen. Und Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben die kostenlose Kita zumindest langfristig avisiert.

Der Koalitionsvertrag von Union und SPD verspricht, Eltern bei Kitagebühren zu entlasten. Vom Bund sollen in den kommenden Jahren deshalb Milliarden in Kitas fließen - allein 328 Millionen Euro gehen bis zum Jahr 2022 dafür zum Beispiel an Niedersachsen.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) konnte bei den Haushaltsberatungen im Bundestag kürzlich verkünden, dass die Mittel noch einmal aufgestockt werden. Geplant waren 3,5 Milliarden Euro - nun sollen es bis zum Jahr 2022 insgesamt 5,5 Milliarden Euro sein. Oberstes Ziel ist aber nicht Gebührenfreiheit, sondern Verbesserungen der Betreuung.

Wie gut ein Kind betreut wird, hängt derzeit stark von seinem Wohnort ab. In Baden-Württemberg teilen sich beispielsweise rechnerisch drei Krippenkinder einen Erzieher - in Mecklenburg-Vorpommern sind es etwa doppelt so viele. Trotzdem müssen Eltern dort mehr als acht Prozent ihres Haushaltseinkommens für Kitabeiträge ausgeben. Wer viel zahlt, bekommt also nicht unbedingt mehr Qualität.

Ein großes Problem sind vor allem die fehlenden Erzieher - mehr als 100.000 fehlen nach Schätzungen der Bertelsmann Stiftung derzeit. Städtetagspräsident Markus Lewe fordert in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"  deshalb einen Ausbau der Fachschulen und eine kostenfreie Ausbildung. Er bemängelt, dass in einigen Bundesländern angehende Erzieher je nach Ausbildungsweg noch Schulgeld zahlen müssen.

Video: Kein Platz für Kinder - Kita-Chaos in Berlin

SPIEGEL TV
vet/dpa
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