Benachteiligung wegen Hautfarbe, Herkunft, Religion Zahl der gemeldeten Diskriminierungen an Berliner Schulen stark angestiegen

Die Zahl von Diskriminierungen an Berliner Schulen hat sich seit 2016 fast verdoppelt. Vor allem Schüler und Schülerinnen beschwerten sich deswegen - besonders häufig über ihre Lehrer.
276 Fälle von Diskriminierung wurden im vergangenen Jahr an Berliner Schulen gemeldet

276 Fälle von Diskriminierung wurden im vergangenen Jahr an Berliner Schulen gemeldet

Foto: fstop123/ Getty Images

276 Mal meldeten Schüler und Lehrer im vergangenen Schuljahr einen Fall von Diskriminierung. Noch ein Jahr zuvor waren es 203 Fälle, im Jahr 2016 147. Die Zahl hat sich damit innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt. Das geht aus einer Antwort der Bildungsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Abgeordneten Bettina Jarasch und Sebastian Walter hervor, berichtete die "Berliner Morgenpost".   Am häufigsten wurden rassistische Fälle in Bezug auf Sprache, Herkunft, Religion oder Nationalität gemeldet.

"Die gestiegenen Zahlen zeigen: Diskriminierung an Schulen kommt nicht von ungefähr, sondern ist systematisch und hängt auch von den Kulturen dort ab. Der bloße Appell von Schulleitungen zu mehr Toleranz genügt nicht: Verantwortung und Sensibilisierung muss Chefsache werden", sagte Jarasch.

258 Kinder und Jugendliche hatten sich zuletzt an die Berliner Diskriminierungsbeauftragte gewandt. Seit dem Schuljahr 2016/2017 beklagten sie sich besonders häufig über das Verhalten von Lehrern - die Zahl dieser Beschwerden verdoppelte sich auf 96. Aber auch 18 Lehrer meldeten sich im vergangenen Schuljahr, weil sie sich diskriminiert fühlten - dreimal so viele wie zwei Jahre zuvor.

Um die Meldebereitschaft künftig weiter zu erhöhen, sei es unter anderem nötig, die Befugnisse des Beauftragten "zur Unterstützung, Beratung und Intervention" auszuweiten, teilten die Grünen-Abgeordneten Jarasch und Walter mit.

Den beiden Abgeordneten zufolge sei der Anstieg der Fallzahlen aber auch ein Vertrauensbeweis für die bisherige Antidiskriminierungsbeauftragte Saraya Gomis. "Ihr Amt ist keine Symbolstelle, sondern zeigt: Das Land nimmt das Problem an Schulen ernst", so Jarasch. Gomis hatte kürzlich nach drei Jahren ihren Rückzug erklärt, ohne aber die Gründe dafür zu nennen. Sie ist Deutschlands erste und einzige Antidiskriminierungsbeauftragte für Schulen.

faq/dpa
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