Berliner Problemviertel Neukölln Ein-Euro-Jobber bewachen Gymnasium

Erst stritt ganz Deutschland über Berlins Schul-Sheriffs, dann wurden sie zu Jahresbeginn aus Geldmangel wieder abgeschafft. Nach einem brisanten Vorfall wird sich alles ändern: Ab Montag patrouillieren wieder Wachleute vor Neuköllns Schulen - diesmal Ein-Euro-Jobber.


An einigen Schulen im Berliner Problemstadtteil Neukölln sollen künftig Ein-Euro-Jobber die Eingänge bewachen. "Das Jobcenter will 20 Stellen zur Verfügung stellen und Arbeitslose als Wachschützer qualifizieren", sagte Bezirksstadträtin Franziska Giffey (SPD).

Erst zu Jahresbeginn war an 16 Neuköllner Schulen der private Wachschutz aus Geldmangel gestrichen worden, denn die dafür nötigen 700.000 Euro konnten nicht mehr durch den Bezirkshaushalt gedeckt werden. Lehrer und Eltern hatten dies heftig kritisiert.

Ein Vorfall am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neukölln wird nun die Wachschützer zurückholen: Zwei Tage nach Schulbeginn im neuen Jahr fanden Schüler einen offenbar drogenabhängigen Mann und eine Frau auf der Toilette im Erdgeschoss. Der Mann sei völlig regungslos gewesen, und eine Spritze habe in seinem Arm gesteckt, berichtet die "Berliner Zeitung". Die Schüler hätten den Schulleiter alarmiert, der habe die Tür verriegelt und Polizei sowie Rettungswagen gerufen.

Ganz Deutschland diskutierte über Schul-Sheriffs

Die neuen Wachkräfte werden sich bereits am Montag vor der Albert-Schweitzer-Schule aufstellen. Auch an weiteren fünf Schulen könnte die Schulstreife patrouillieren, berichtet die "Berliner Morgenpost". "Wir werden jetzt eine Prioritätenliste erstellen", sagte Bezirksstadträtin Giffey der Zeitung. Ein-Euro-Jobber könnten den Wachschutz zwar nicht ersetzen, aber sie sei froh, dass so schnell eine Übergangslösung gefunden worden sei. Sie hoffe, dass das Projekt bis zum Schuljahresende laufen werde.

Neukölln hatte den Wachschutz im Jahr 2007 eingeführt. Ganz Deutschland hatte damals über die Sheriffs an Schulen gestritten. Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) hatte das Projekt in Gang gesetzt. Anders sei die Sicherheit an Berlins Schulen nicht mehr zu gewährleisten, argumentierte er. Bei den Wachleuten handle es sich um "paramilitärische Einheiten", sagte hingegen der damalige Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Und die seien bestimmt nicht der richtige Weg.

fln/dpa



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gilbrator 07.01.2012
1.
na die werden bestimmt alles geben für ihren einen Euro die Stunde...
kumi-ori 07.01.2012
2. was für eine Schnaps-Idee
Das ist das krasseste, was ich von der Schulpolitik bisher gehört habe. Die regulär bezahlten Wachleute in der Schule, ohnehin schon ein schwieriges Thema, werden entlassen, um sie durch unbezahlte Zwangsarbeiter zu ersetzen. Was glaubt die Landesregierung, was diese Leute bei den Schülern für eine Autorität haben, und was erwarten die sich für eine Motivation seitens der Wachleute? Ich halte es für höchstgefährlich, dass es da zu Zusammenstößen kommen könnte. Wenn man schon Ausgegrenzte zwangsverpflichtet, dann kann man sie vielleicht zu Gartenarbeit oder zum Torfstechen heranziehen, aber doch nicht in solch einem sensiblen Bereich, wo sich dann statt einem Problem drei Probleme in einem Punkt fokusieren
janne2109 07.01.2012
3. .........
Zitat von kumi-oriDas ist das krasseste, was ich von der Schulpolitik bisher gehört habe. Die regulär bezahlten Wachleute in der Schule, ohnehin schon ein schwieriges Thema, werden entlassen, um sie durch unbezahlte Zwangsarbeiter zu ersetzen. Was glaubt die Landesregierung, was diese Leute bei den Schülern für eine Autorität haben, und was erwarten die sich für eine Motivation seitens der Wachleute? Ich halte es für höchstgefährlich, dass es da zu Zusammenstößen kommen könnte. Wenn man schon Ausgegrenzte zwangsverpflichtet, dann kann man sie vielleicht zu Gartenarbeit oder zum Torfstechen heranziehen, aber doch nicht in solch einem sensiblen Bereich, wo sich dann statt einem Problem drei Probleme in einem Punkt fokusieren
na super, wenn Sie mit dem "Torfstecher" nicht ausgrenzen, dann weiss ich nicht wie man das nennen soll. Ich finde die Idee gut und ich höre doch immer, dass es keine Penner sind sondern fleißige Menschen die nur ein Problem haben: Eine gute Arbeitsstelle zu finden. Was die Autorität betrifft- hier können die Eltern ja mal den Kindern beibringen wie man sich benimmt und was Autorität heißt und wem sie gebührt. Is natürlich doof wenn der eigentliche "Torfstecher" vor der Schule seiner Kinder steht und die ihm den Vogel zeigen, so wie sie es zu Hause auch tun.
diefalschefaehrte 07.01.2012
4. Berlin
Zitat von sysopErst stritt ganz Deutschland über Berlins Schul-Sheriffs, dann wurden sie*zu Jahresbeginn aus Geldmangel wieder abgeschafft. Nach einem brisanten Vorfall wird sich alles ändern: Ab Montag patrouillieren wieder Wachleute vor Neuköllns Schulen - diesmal Ein-Euro-Jobber. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,807791,00.html
Wachleute an einer deutschen Schule. Deutschland wohin gehst Du und wer bist Du in den letzten Jahrzeiten geworden. Wir sind eine kranke Gesellschaft. NaJa, glaubt man den Maja's denn ist gootlob am 21.12.2012 alles vorbei und eine kleine Gruppe von Menschen können neu beginnen.
Sleeper_in_Metropolis 07.01.2012
5.
Zitat von janne2109na super, wenn Sie mit dem "Torfstecher" nicht ausgrenzen, dann weiss ich nicht wie man das nennen soll. Ich finde die Idee gut und ich höre doch immer, dass es keine Penner sind sondern fleißige Menschen die nur ein Problem haben: Eine gute Arbeitsstelle zu finden. Was die Autorität betrifft- hier können die Eltern ja mal den Kindern beibringen wie man sich benimmt und was Autorität heißt und wem sie gebührt. Is natürlich doof wenn der eigentliche "Torfstecher" vor der Schule seiner Kinder steht und die ihm den Vogel zeigen, so wie sie es zu Hause auch tun.
Wenn solche und ähnliche, für normale Menschen selbstverständliche Vorgänge zwischen Problem-Kindern und Problem-Eltern in Problem-Bezirken auch nur im Ansatz möglich wären, bräuchte man keinen Wachschutz vor dortigen Schulen. Da bei dem dortigen Klientel aber meist ohnehin schon alles zu spät ist, bleibt eben nur noch Wachpersonal um zu ermöglichen, das alle Schulbeteiligten nach dem Schultag körperlich unversehrt nach Hause kommen (den Weg zwischen Schule und Wohnblock klammere ich jetzt der einfach halt halber mal aus).
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