Umfrage Viele Eltern würden für bessere Kitas mehr Geld ausgeben

Mehr Erzieher, mehr Krippenplätze, gesünderes Essen - eine klare Mehrheit der Eltern in Deutschland fordert eine bessere Kita-Betreuung, zeigt eine Umfrage. Dafür würden viele auch mehr bezahlen.

Kita in Düsseldorf
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Kita in Düsseldorf

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Der Ausbau von Kitaplätzen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren stark vorangekommen. Fast jedes Kind im Alter von drei bis fünf Jahren besucht inzwischen eine Kindertagesstätte, bei den unter Dreijährigen ist es jedes Dritte.

Aber die überwiegende Mehrheit der Mütter und Väter vermisst bundesweit einheitliche Qualitätsstandards. Das hat eine Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben, die an diesem Mittwoch vorgestellt wird. Dazu wurden knapp 4.500 Eltern befragt, deren Kinder derzeit eine Kita besuchen.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • 86 Prozent der Eltern fordern einheitliche Regelungen dafür, für wie viele Kinder eine Erzieherin zuständig sein darf. Derzeit gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt, dass jeder Erzieher höchstens drei Kinder unter drei Jahren oder 7,5 Kinder ab drei Jahren betreuen sollte. So einen Personalschlüssel gewährleisten derzeit nur Baden-Württemberg und Bremen. In Ostdeutschland müssen Erzieher im Schnitt fast doppelt so viele Kinder betreuen. Deshalb hätten sich dort noch mehr Eltern für einheitliche Standards ausgesprochen, sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger.
  • 75 Prozent der Eltern bemängeln, dass sie nicht genug Unterstützung bekommen, um Arbeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Ebenso viele monieren fehlende Betreuungsplätze, vor allem für unter Dreijährige. 63 Prozent kritisieren die Öffnungszeiten der Kitas. 67 Prozent beklagen, dass nicht jedes Kind die Möglichkeit habe, eine qualitativ hochwertige Kita zu besuchen.
  • 85 Prozent der Eltern fordern eine einheitlich geregelte Ausbildung des pädagogischen Personals. Derzeit gibt es zwar ein Qualifikationsprofil, auf das sich alle Länder verständigt haben. Die Ausbildung folgt jedoch keinem bundesweit gültigen Lehrplan.
  • 90 Prozent der Eltern wünschen sich, dass sich die Verpflegung der Kinder an anerkannten Ernährungsstandards orientiert. Das ist einer anderen Bertelsmann-Studie zufolge derzeit nur in jeder dritten Kita der Fall.

Kita-Kosten: 0 bis 600 Euro pro Monat

Wie viel Geld Eltern für den Kitaplatz bezahlen müssen, hängt stark vom Wohnort und vom eigenen Einkommen ab. Die Beiträge schwanken zwischen 0 und 600 Euro pro Monat.

Rund 14 Prozent der Familien zahlen der Umfrage zufolge derzeit keine Kita-Beiträge, weil sie in einem Bundesland oder einer Stadt mit genereller Beitragsfreiheit leben oder von Sonderregelungen profitieren. 5 Prozent zahlen nichts, weil ihr Einkommen unter einer bestimmten Grenze liegt.

Von den Eltern, die derzeit für einen Kitaplatz zahlen, empfindet insgesamt knapp die Hälfte ihren Beitrag als zu hoch. Bei Familien mit niedrigem oder mittlerem Einkommen sind es noch mehr. Zwei Drittel fühlen sich durch den Kita-Beitrag in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Rund die Hälfte der Mütter und Väter wäre jedoch durchaus bereit, für eine bessere Kita-Qualität mehr zu zahlen beziehungsweise auf eine Betreuung zum Nulltarif zu verzichten. In den östlichen Bundesländern sind sogar 63 Prozent der befragten Eltern dafür.



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