Beruf Tontechniker Eine Macht am Mischpult

Er bekommt so einiges zu hören: Tontechniker Henning Fischer, 24, dreht an den Reglern, wenn Stars wie Samy Deluxe oder D-Flame ihre Songs einspielen. Dafür braucht er Fingerspitzengefühl und Kondition - und wird manchmal auch mitten in der Nacht ins Studio gerufen.

Jann Reiser

"Als Tontechniker ist es meine Aufgabe, die Musik mit den Künstlern aufzunehmen und anschließend nach den Vorstellungen der Künstler und Produzenten zu mischen. Wenn ich mit bekannten Rappern wie D-Flame oder Samy Deluxe zusammen arbeite, stehe ich unter hohem hohen Leistungsdruck. Früher war ich dann leicht aus der Ruhe zu bringen, wenn es Probleme mit der Technik gab oder ich mit englischen Künstlern zusammenarbeiten musste und es etwas schwieriger war, sich zu verständigen.

Mittlerweile habe ich so viel Routine entwickelt, dass ich mich voll auf den jeweiligen Künstler konzentrieren kann. Der möchte natürlich seinem Status entsprechend behandelt werden. Das erfordert Fingerspitzengefühl und Geduld. Es kann vorkommen, dass ich bis Mitternacht im Studio auf einen Musiker warten muss und er noch aufnehmen will. Manchmal bekomme ich auch nachts einen Anruf, dass ich am nächsten Morgen spontan eine 'Session fahre', also Musik aufnehme.

Ein Tontechniker muss stressresistent und arbeitswillig sein. Oft bin ich der erste, der morgens ins Studio kommt, und der letzte, der abends wieder geht. In Produktionsphasen ist ein Zwölf-Stunden-Tage für mich normal. Oft arbeite ich auch am Wochenende. Aber das ist okay, schließlich ist mein Beruf gleichzeitig mein Hobby. Dafür stelle ich mein Privatleben zurück. Ich liebe es, etwas zu erschaffen, an dem die Menschen sich erfreuen können und sie auf der Gefühlsebene berührt.

Auf der Party war der Sound schlecht

Jobs ergeben sich meist aus Kontakten. Es ist wichtig, dass man aufgeschlossen ist, Kontakte pflegt und sich ein gesundes Netzwerk aufbaut. Dafür muss man immer wieder viel arbeiten, damit man gute Referenzen bekommt und weiter empfohlen wird.

Ich bin bei dem Label Souljah Music 'gesignt'. Das Label gehört dem Rapper D-Flame. Für Souljah Music übernehme ich als Tontechniker gleichzeitig die Aufgabe des Koproduzenten. Viele erfolgreiche Musikproduzenten waren ursprünglich Tontechniker. Als Produzent muss ich die komplette Aufnahme betreuen und bin für die Budgetplanung verantwortlich: Wie viel Geld müssen wir insgesamt für die Produktion ausgeben? Wie hoch sind die Studio- und PR-Kosten? Muss ich noch externe Musiker dazubuchen?

Als Kind wollte ich Zimmermann werden. Mit 16 Jahren fing ich aber an, Platten aufzulegen, und gründete mit Freunden eine Partyreihe in einem Club in der Nähe von Hannover. Weil ich mit dem Sound der Anlage unzufrieden war, habe ich einen externen Tontechniker dazu geholt. Ihm habe ich bei der Arbeit immer über die Finger geschaut. Ich dachte: Das ist genau das richtige für mich.

Nicht nur in die Studiotechnik verbeißen

Nach der Schule habe ich mich an der School of Audio Engineering in Hamburg ausbilden lassen, bin also sozusagen ein studierter Tontechniker. Die SAE ist eine private Medienschule mit einer Studiengebühr von 480 Euro im Monat. Um mir die Ausbildung zu finanzieren, habe ich vorher ein halbes Jahr gearbeitet und das Geld gespart. Außerdem bin ich von meinen Eltern unterstützt worden. Das Studium habe ich mittlerweile refinanziert. Ich fahre keinen Porsche, verdiene aber genug, um gut davon leben zu können.

Ich hatte unter anderem Fächer wie Elektrotechnik, Digitaltechnik oder Psychoakustik und konnte mit tollem Equipment arbeiten. Mittlerweile unterrichte ich nebenberuflich selbst diese Fächer und bin Supervisor, also für die Studentenbetreuung zuständig.

Wer sich zum Tontechniker ausbilden lässt, sollte sich nicht in die reine Studiotechnik verbeißen, sondern bereit sein, auch in anderen Bereichen zu arbeiten. Tontechniker gibt's beim Fernsehen, in der Filmsynchronisation oder in der Werbung. Neuerdings gibt es viele Jobs bei Hörspielvertonungen. Hier arbeiten sie meistens nicht als Selbstständige, sondern sind fest angestellt mit geregelten Arbeitszeiten."

Aufgezeichnet von Sonja Salzburger

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