Lehrstellen-Statistik Jeder vierte Azubi könnte auch studieren

Jeder vierte Azubi hat eine Hochschulzulassung, zeigt der neue Report des Bundesinstituts für Berufsbildung. Die Statistik verrät: Anzupacken und sich die Hände schmutzig zu machen, ist eher nichts für Berufseinsteiger mit Hochschulreife.

Azubi mit Hochschulberechtigung: Aus (Fach-)Abiturienten rekrutiert sich ein Viertel aller Azubis, fürs Handwerk entscheiden sie sich hingegen selten
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Azubi mit Hochschulberechtigung: Aus (Fach-)Abiturienten rekrutiert sich ein Viertel aller Azubis, fürs Handwerk entscheiden sie sich hingegen selten


Immer mehr Azubis starten mit höheren Bildungsabschlüssen in ihre Berufsausbildung: Knapp jeder vierte Ausbildungsanfänger (24 Prozent) hatte 2012 eine Studienberechtigung. Das geht aus dem Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hervor.

Der Großteil der neuen Lehrlinge hatte hingegen einen Realschulabschluss (42,3 Prozent). Fast jeder Dritte hatte die Schule mit einem Hauptschulabschluss abgeschlossen (30,8 Prozent). Ohne Schulabschluss erhielt nur eine kleine Minderheit überhaupt einen Ausbildungsplatz (2,8 Prozent), ihr Anteil an Ausbildungseinsteigern ist seit 2009 weiter gesunken (damals 3,5 Prozent).

Die Zahl der Jugendlichen, die mit Studienberechtigung eine Lehre aufnehmen, ist hingegen kontinuierlich gestiegen: 2009 noch hatte ihr Anteil bei 20,3 Prozent gelegen. Eine Ursache dafür ist dem Bericht zufolge, dass es in mehreren Bundesländern doppelte Abiturjahrgänge gab, welche die Zahl der Abiturienten in die Höhe schnellen ließ. Wer keinen Studienplatz bekam, entschied sich dann möglicherweise für eine Ausbildung, sagt Andreas Pieper vom BIBB.

Zusammenhang zwischen Schulabschluss und Berufswahl

Die häufigsten Berufssparten der neuen Lehrlinge 2012 fielen je nach Schulabschlüssen sehr unterschiedlich aus: Für Schulabgänger mit Hochschulreife war der häufigste und beliebteste Ausbildungsberuf der Industriekaufmann. Fast jeder zehnte (Fach-)Abiturient wählte diesen Beruf. Zwei von drei angehenden Industriekaufleuten hatten eine Studienberechtigung.

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Leerstellen im Lehrlingsmarkt: Tops und Flops der Ausbildungsberufe
Auch im öffentlichen Dienst bildeten Azubis mit Hochschulberechtigung die größte Gruppe (49,2 Prozent). Weitere beliebte Lehrberufe sind für (Fach)-Abiturienten der Bankkaufmann sowie der Kaufmann im Groß- und Einzelhandel.

Im Handwerk (9,1 Prozent), in der Hauswirtschaft (1,2) und in der Landwirtschaft (14,7) sind (Fach)-Abiturienten hingegen seltener zu finden. Hier stiegen besonders viele Jugendliche mit Hauptschulabschluss ein, im Handwerk stellten sie die Hälfte der Azubis, 45 Prozent in der Landwirtschaft und 57,7 Prozent in der Hauswirtschaft. Im öffentlichen Dienst waren hingegen nur 3,1 Prozent Hauptschulabsolventen vertreten. Hauptschüler nehmen am häufigsten eine Ausbildung als Verkäufer auf. Insgesamt hatte mehr als jeder zweite Verkäufer-Azubi (55,9 Prozent) einen Hauptschulabschluss.

Neue Azubis mit mittlerer Reife verteilen sich relativ gleichmäßig auf die Berufszweige. Einzig in der Hauswirtschaft sind sie mit 12,6 Prozent deutlich unterrepräsentiert. Junge Menschen ohne Schulabschluss kommen dagegen vorrangig in der Hauswirtschaft unter (28,5 Prozent), auch in der Landwirtschaft sind sie mit 8,1 Prozent relativ stark vertreten.

Insgesamt wurden gut 549.000 neue Ausbildungsverträge geschlossen, das waren knapp 17.000 weniger als im Vorjahr. Die Daten stammen aus dem letzten Berichtsjahr 2012.

sun/dpa

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
ksail 24.07.2014
1. Gute Entscheidung!
Langfristig ist manchmal mit einer guten Berufsausbildung ein größerer Erfolg möglich als mit einem Studium. In meiner Abteilung ist im Frühjahr der erste Industriemeister mit höherem Gehalt als die Bachelor-Absolventen eingestellt worden. Grund: Angebot und Nachfrage.
jetbundle 24.07.2014
2. Dürfte
Die Aussage sollte "dürfte" statt "könnte" beinhalten. Es gibt jetzt schon eine Akademikerschwemme. In meiner Erfahrung mit Akademikern am Berufsanfang ist ca. die Hälfte nicht als Arbeitskraft geeignet. Denen würde es Helfen wenn das Ego um ein paar Größenordnungen reduziert wird, wenn sie in jungem Alter "geschliffen" werden und Arbeiten lernen, und wenn sie eine Ausbildung bekommen würden die ihren Grundfähigkeiten entspricht.
rus13 24.07.2014
3.
Ist ja kein wunder, wenn die Anforderungen für das Abitur ständig sinken. Ich habe vor einen Jahr Abitur gemacht und hatte unzählige Mitschüler, die ihr Abitur praktisch geschenkt bekommen habe. (Hier und da mal eine "gnaden-vier" statt ein Defizit) Diese Entwicklung ist höchst problematisch, denn immer mehr Leute scheitern dadurch an der Uni und umso mehr Abiturienten machen eine Ausbildung. Und wenn ich für eine ausbildung zum Maler und Lackierer, jemanden mit Hauptschulabschluss habe und jemanden mit Abitur, so werden sich viele für den Abiturienten entscheiden, obwohl der Hauptschüler in praktischen arbeiten womöglich besser ist. Inflation funktioniert nicht nur bei Geldmengen sondern auch bei schulabschlüssen!
RainerCologne 24.07.2014
4.
Zitat von ksailLangfristig ist manchmal mit einer guten Berufsausbildung ein größerer Erfolg möglich als mit einem Studium. In meiner Abteilung ist im Frühjahr der erste Industriemeister mit höherem Gehalt als die Bachelor-Absolventen eingestellt worden. Grund: Angebot und Nachfrage.
Bei einem Meister von "Einstiegs"Gehalt zu sprechen ist meiner Meinung nach etwas vermessen - schließlich hat der Meister mindestens 4 Jahre Berufserfahrung. Der Bachelor hat im schlechtesten Falle keine. Fragt sich nur: Wie viele Industriemeister steigen in die Top Gehaltsklassen auf? Da wird es der Bachelor wohl einfacher haben.
markusob 24.07.2014
5.
Also wenn der Bachelor-Absolvent fast so viel bekommt wie "Industriemeister" mit mehreren Jahren Berufserfahrung, dann würde ich auf jeden Fall den Bachelor anstreben!
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