Bildungstest in den Bundesländern Der Norden holt auf, Baden-Württemberg schmiert ab

Wie gut sind Neuntklässler in Deutsch und Englisch? Der Bildungstrend, eine große Studie zum Schulerfolg, zeigt: Schleswig-Holstein macht einen Sprung nach vorn, Baden-Württemberg fällt stark zurück.
Unterricht in Straubing

Unterricht in Straubing

Foto: Armin Weigel/ dpa

Spitzenreiter Bayern, Aufsteiger Schleswig-Holstein und Sachsen, Verlierer Baden-Württemberg, Schlusslichter Bremen und Berlin - so lassen sich die Ergebnisse eines Vergleichstests  für die Schulfächer Deutsch und Englisch in der 9. Klasse zusammenfassen.

Die Kultusminister der Länder hatten den Test beim Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Auftrag gegeben. Der bundesweite Ländervergleich wurde erstmals 2008/2009 durchgeführt. Er ist seitdem praktisch das deutsche Pendant zur internationalen Pisa-Studie.

Was wurde getestet?

Diesmal ging es in allen 16 Ländern um Kompetenzen in Deutsch und Englisch. Nur in sechs Ländern - Baden-Württemberg, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland - zusätzlich um Französisch. In den Fremdsprachen wurde Lesen und Zuhören getestet. In Deutsch wurden zudem die Rechtschreibkenntnisse untersucht. Grundlage sind die Bildungsstandards für die 9. Klasse, die die Kultusminister definieren .

In Französisch sollten die Schüler ihr Textverständnis zum Beispiel anhand einer SMS beweisen. Darin hieß es: "Sommes partis avec 1 heure de retard. 1 fille est arrivée à 9h. Sommes depuis 5 minutes en Allemagne." Die Schüler mussten auf Französisch ankreuzen, was richtig ist: a) die Austauschschüler kommen um neun Uhr, b) sie sind zu spät, oder c) sie kommen in fünf Minuten? Hier finden Sie die Lösung und weitere Beispielaufgaben .

Wer nahm teil?

Bei dem Test, der bereits im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, machten laut dem IQB mehr als 37.000 Mädchen und Jungen der 9. Jahrgangsstufe aus mehr als 1700 Schulen mit. Die Schulen wurden nach einem Zufallsverfahren ermittelt, ebenfalls per Zufall wurde eine Teilnehmerklasse bestimmt.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Im Fach Deutsch steht Bayern durchweg unter den besten drei, im Kompetenzbereich Rechtschreibung sogar deutlich vorn. Sachsen belegt den Spitzenplatz in den Bereichen Lesen und Zuhören. Schleswig-Holstein ist in Deutsch immer weit oben mit dabei und macht insgesamt den deutlichsten Sprung nach vorn im Vergleich zur ersten Erhebung 2008/2009. Brandenburg und Thüringen punkten insbesondere bei der Lesekompetenz, Niedersachsens Schüler sind stark beim Zuhören. Am anderen Ende des Spektrums stehen Berlin und Bremen, die in allen drei Kompetenzbereichen deutlich unterm Bundesdurchschnitt liegen.
  • Bundesweit erreichen oder übertreffen 48 Prozent der Schüler die Erwartungen in der Lesekompetenz, 23 Prozent verfehlen die Mindeststandards. Im Bereich Zuhören haben fast 62 Prozent Erfolg, knapp 19 Prozent fallen durch. Bei der Rechtschreibung überzeugen 66 Prozent, rund 14 Prozent der Schüler erreichen den Mindeststandard nicht.
  • Top-Ergebnisse im Fach Englisch schaffen nur Bayern und Schleswig-Holstein. Viele Länder haben noch Nachholbedarf: Im Bereich Hörverstehen stehen Berlin, Bremen und Sachsen-Anhalt am schlechtesten da. In den vier ostdeutschen Flächenländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen stellt dagegen nur noch das englischsprachige Hörverstehen eine besondere Herausforderung dar. Auch das Saarland hinkt in diesem Bereich hinterher.
  • Insgesamt genügen fast 41 Prozent der Schüler beim Lesen den Anforderungen, 27 Prozent verfehlen den Bildungsstandard. Beim Hörverstehen punkten gut 44 Prozent der Neuntklässler, fast 17 Prozent erreichen ihn nicht.

Wie haben sich die Länder entwickelt?

Beim ersten Ländervergleich des IQB, der 2010 vorgestellt wurde, punktete besonders der Süden: Bayern war Spitzenreiter, gefolgt meist von Baden-Württemberg - die Position hat das Land verloren. Sachsen und Rheinland-Pfalz konnten sich ebenfalls in der Spitzengruppe platzieren; zum Teil galt dies auch für Hessen. Schlusslicht in fast allen Disziplinen war Bremen.

  • Im Fach Deutsch rangierten Hamburg, Berlin und Bremen bei der ersten Studie hinten: Die Stadtstaaten hätten besonders viele Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Aber auch Brandenburg hatte Probleme beim Deutschtest. Im Vergleich zur ersten Studie machten Brandenburg und Schleswig-Holstein den größten Sprung nach vorn. Im Bereich Lesen und Orthografie holte Mecklenburg-Vorpommern auf, Sachsens Schüler entwickelten sich positiv beim Zuhören und in der Orthografie. Hamburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt verbesserten sich in der Rechtschreibung.
  • Negativtrends ergeben sich dagegen beim Lesen und Zuhören in Baden-Württemberg, für den Kompetenzbereich Lesen in Rheinland-Pfalz sowie für den Kompetenzbereich Zuhören in Bayern und Nordrhein-Westfalen.
  • Im Fach Englisch waren die ostdeutschen Länder bei der ersten Studie schwach - dies wurde damit erklärt, dass es wegen der untergeordneten Rolle des Englischunterrichts in der DDR dort weniger ausgebildete Lehrer gebe. Die Schüler holten im Vergleich aber auf, und zwar bundesweit. Einzig in Baden-Württemberg verbesserten sich die Schüler in beiden Kompetenzbereichen nicht. Im Saarland war beim Leseverstehen keine positive Entwicklung zu sehen.
  • Bildung und soziale Herkunft

Bereits die erste Untersuchung bestätigte frühere Pisa-Befunde, nach denen die soziale Herkunft den Schulerfolg massiv beeinflusst. Auch aus dem aktuellen Bildungstrend geht hervor, dass die Chancen, ein Gymnasium zu besuchen, für Akademikerkinder höher sind als für gleich intelligente Facharbeiterkinder.

Positive Entwicklungen gibt es hier kaum: Einzig in Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern sei es gelungen, die soziale Ungleichheit in den Kompetenzbereichen Lesen und Rechtschreibung im Fach Deutsch zu reduzieren. In Brandenburg hingegen hat sich der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und dem Leseverstehen im Fach Englisch verstärkt.

sun/dpa